Noch schlagen sich aber nicht wenige Anwender mit der kleinen Tücke des Alltags herum. Elemente wie das Festnetztelefon, Handy, PDA, Smartphones, Voice-Box, Fax, PC und Notebook sowie Web- und Videokonferenzsysteme gehören zwar für viele Menschen heute bereits zum Arbeitsalltag. Der entscheidende Vorteil: Mit Mobile Unified Collaboration Communications (mUCC) könnten Unternehmen Kosten für teure Telefone am Arbeitsplatz bestimmter Mitarbeitergruppen einsparen.
Die Auguren aus der IT-Welt wie IDC-Marktanalyst Nick McQuire rechnen damit, dass in den nächsten zwölf Monaten, angetrieben vom privaten Endkonsumenten, die beiden Welten der telefoniebasierten Fixed Mobile Convergence (FMC) mit jener der UCC in Europa weiter verschmelzen, bis hin zu profitablen neuen Geschäftsmodellen. "Der frühe Markt für mobile UCC-Anwendungen wird von den Serviceprovidern einschließlich Vodafone getrieben", sagt Nick McQuire. (Siehe Interview im beigestellten Kasten.)
Trotz vermeintlich eingängiger Lösungsformeln sieht die Praxis aber noch etwas unübersichtlich aus. Die Berliner Marktforscher von Berlecon Research sehen unter dem Dachbegriff Mobile UCC ein breites Spektrum an Anwendungen und Systemen. "Die mobile UCC-Lösung gibt es nicht", betont Marktanalyst Andreas Stiehler. "Vielmehr werden von verschiedenen Anbietergruppen spezielle Aspekte aufgegriffen und abgedeckt."
Integrationshürden nicht vernachlässigen
Eine UCC-Strategie unter wirkungsvoller Einbindung der mobilen Kanäle setzt folglich die effektiv gestaltete Zusammenarbeit der verschiedenen Verantwortungsbereiche im Unternehmen voraus. Andreas Stiehler von Berlecon Research sieht die Crux in der Vielfalt der Plattformsysteme, die für einen erhöhten Entwicklungs- und Administrationsaufwand sorge.
"Der unsichere Ausgang der Plattformschlacht vergrößert die Investitionsrisiken", bilanziert der Marktanalyst (s. Übersicht im Kasten). Trotz dieser kleinen Hindernisse führt jedoch an einer individuell maßgeschneiderten (mobilen) UCC-Strategie im Unternehmen in absehbarer Zeit kein Weg vorbei. Auch die Marktforscher von Frost & Sullivan kommen mit Blick auf den europäischen Markt zu diesem eindeutigen Ergebnis.
Aus Sicht von fast der Hälfte der befragten Unternehmen liege einer der Hauptgründe für die geplante Erweiterung der Budgets für den Bereich Kommunikation und Kollaboration in der Produktivitätssteigerung. Für die Führungskräfte kommt es dabei weniger auf die Kommunikation denn vor allem aufs Sparen an. Und zwar durch weniger Reisen, eine flexiblere Arbeitsumgebung - und durch allgemeine Fortschritte in der technologischen Optimierung, die eine klar definierte Kapitalrendite (ROI) auch mit Hilfe von mobil angebundenen Endgeräten in Reichweite rücken lassen.
Wer heute über die Optimierung von Kommunikations- und Kollaborationsprozessen im Unternehmen nachdenkt und dabei die Realisierung von UCC-Konzepten erwägt, kommt am Thema Mobility nicht mehr vorbei. Dabei stellen sich jedoch ganz unterschiedliche Herausforderungen:
- UCC-Konzepte entfalten nur die halbe Wirkung, wenn diese nur über fest verankerte Arbeitsplätze realisiert werden. Denn viele Mitarbeiter verbringen nicht ihre gesamte Arbeitszeit am PC. Sie sind in Meetings, irgendwo auf dem Campus unterwegs, beim Kunden oder auf Geschäftsreise.
- Gerade in der Zeit "unterwegs" sind aber UCC-Anwendungen von Nöten - z.B. um möglichst schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden und mit ihm über das geeignete Medium zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten.
- Umgekehrt machen UCC-Konzepte auch für die Mitarbeiter am Desktop-Arbeitsplatz wenig Sinn, wenn ein Großteil der Kollegen - darunter häufig auch Entscheidungsträger - nicht darin integriert ist.
- Durch die Ausstattung vieler Mitarbeiter mit Handys und Smartphones konnte die physische Erreichbarkeit zwar verbessert werden, gleichzeitig entstanden neue Probleme.
- Komfort und Erreichbarkeit: Mitarbeiter agieren heute mit einer Vielzahl an Endgeräten, Telefonnummern und Mailboxen. Damit wird nicht nur der Komfort der Mitarbeiter beeinträchtigt. Auch die Erreichbarkeit für Kunden und Partner wird eingeschränkt. Es braucht nicht selten mehrere Anläufe, um herauszufinden, unter welchem Endgeräte denn der Mitarbeiter tatsächlich zu erreichen ist.
- Kosten: Viele Unternehmen klagen über steigende Kosten durch den zunehmenden Anteil an Mobiltelefonaten selbst innerhalb des Unternehmensgeländes. Noch wichtiger ist eine wachsende Zahl von ITK-Verantwortlichen, die sich über den steigenden Administrationsaufwand beklagen. Schließlich müssen die Endgeräte auch verwaltet und in das Sicherheitskonzept von Unternehmen eingebunden werden.
Die Marktprognose: Generell verschwimmen die Grenzen zwischen Smartphones und Desktops immer mehr. Unterschiedliche "mobile UCC-Ansätze" wachsen zusammen. Der intensive Wettbewerb im mobilen Markt für Endgeräte und Plattformen wirkt sich dabei sowohl treibend als auch hemmend aus.
Die Markttreiber: Deutliche Verbesserung von Funktionalität und Bedienbarkeit der Endgeräte bis hin zu neuen Endgerätetypen wie TabletPCs (iPad, Cius von Cisco, Flare von Avaya, Blackberry Playbook von RIM). Zudem bieten App-Stores neue Möglichkeiten für die Entwicklung und den Vertrieb von UCC-Anwendungen.
Die Marktbremser: Die Vielfalt der Plattformsysteme sorgt für einen erhöhten Entwicklungs- und Administrationsaufwand. Der "unsichere" Ausgang der Plattformschlacht vergrößert somit aus Sicht der Unternehmen die Investitionsrisiken.
Tipp: Mehr Infos dazu bietet der folgende aktuelle Report von Berlecon Research: "Mobile Enterprise Solutions 2010 - Lösungskonzepte, Fallbeispiele und Erfolgsfaktoren": www.berlecon.de/mobilebusiness2010
Fazit
Mobile UCC fasst als Dachbegriff somit unterschiedliche Lösungen zusammen, um die oben genannten Herausforderungen zu adressieren. Verschiedene Anbietergruppen decken demzufolge spezielle Aspekte auf und bilden diese in ihren jeweiligen Produktphilosophien ab.
Die einzelnen Bereiche variieren stark hinsichtlich ihrer eingelösten Anforderungsprofile. Dazu gehören etwa:
Fixed Mobile Convergence Lösungen - im Fokus: Erreichbarkeit - eine Nummer, eine Mailbox, ein Anrufjournal - häufig auch Einsparung von Telefonkosten (z. B. Im Zusammenhang mit dem Aufbau eines WLAN-Netzes) - (z.B. SEN - www.siemens-enterprise.com/at)
Mobile UC: Typische UC-Funktionalitäten wie Präsenz, Steuerung des Mobilgerätes vom PC über CTI oder Zugriff auf Kundendatenbanken (z.B. C4B - www.c4b.de)
Mobile Collaboration: Erweiterung von Collaboration-Lösungen hin zum Mobilgerät (z.B. IBM mit Lotus Mobile - www.ibm.com/software/at/lotus/ )
Mobile Business: Zugriff auf Prozessanwendungen im Fokus, wobei das Smartphone für viele Nutzergruppen, z.B. im Umfeld des Verkaufs sich immer mehr zur zentralen Kommunikations- und Informationsplattform entwickelt (z.B. Cosynus - www.cosynus.de)

Nicholas McQuire, Marktanalyst IDC
Interview mit dem Marktanalysten Nicholas McQuire von IDC.

Nicholas McQuire, Marktanalyst IDC
Das Interview führte Lothar Lochmaier.
Sind die derzeit im Markt erhältlichen Lösungen aus Nutzersicht marktreif in Bezug auf UCC-Konzepte und Applikationen (Unified Communications & Collaboration)?
Telefoniebasiertes FMC - Fixed-Mobile Convergence, also das Zusammenwachsen von Fest- und Mobilfunknetzen - ist die erste Phase der Mobile Unified Communications; sie wird hauptsächlich von der Unternehmensforderung nach Kostensenkungen und der Kontrolle über die mobile Sprachkommunikation getrieben.
Trotz erheblicher Probleme in der Vergangenheit gewinnt FMC in Europa 2010 an Boden und wird sich im Laufe der nächsten zwei Jahre weiter Richtung Phase Zwei entwickeln: Dann kommen integrierte Collaboration-Applikationen wie Präsenzlösungen und Instant Messaging mit einer höheren Benutzerfreundlichkeit auf den Markt. Vor allem aber gibt es allmählich in Europa auch Best Practices, dank deren in den nächsten zwölf Monaten aus interessierten Kunden echte Nutzer werden.
Wie sind die Marktteilnehmer positioniert, z.B. Generalisten wie Google oder Spezialanbieter wie Cisco, Damaka etc.? Bieten sie im Hinblick auf Lösungsarchitekturen spezifische Vorteile und Alleinstellungsmerkmale, wenn ja, welche?
Der frühe Markt von Mobile UCC Angeboten wird vor allem von den Diensteanbietern getrieben, wie z.B. Vodafone. Wie vor Kurzem gegeben wurde, hat Vodafone für seinen gehosteten FMC Service OneNet europaweit über eine Million Abonnenten und ist nach eigenen Angaben auf der Collaboration-Seite der größte Wiederverkäufer von Microsofts Business Productivity Online Suite (BPOS) weltweit.
Außer von den Diensteanbietern wird das Thema FMC/UC von den Anbietern größtenteils aus deren jeweiligem strategischem Blickwinkel angegangen - d.h. Cisco und Avaya bieten Lösungen für Telefonanlagen, Microsoft für BPOS und den Office Communications Server (OCS) sowie Lync, die nächste Generation des OCS; andere Firmen wie Agito bringen Angebote für WLAN und Endgeräte auf den Markt.
Für wieder andere Anbieter wie Google und Skype eröffnen sich Möglichkeiten in den Bereichen Web-Applikationen und Collaboration, allerdings wird sich hier in naher Zukunft zumindest im FMC-Markt für Großunternehmen nicht allzu viel tun. Insgesamt tummeln sich jede Menge Anbieter in diesem Markt, aber bislang sind vor allem die Diensteanbieter aktiv.
Welchen Unternehmensnutzen bietet Mobile UCC?
Verglichen zur Situation vor ein paar Jahren hat FMC/Mobile UCC durch Kunden- und Branchentrends an Bedeutung gewonnen; hier ist beispielsweise der Trend zum flexiblen Arbeiten zu nennen oder Platzsparmaßnahmen (Schreibtische) in Unternehmen, des Weiteren Business Continuity Lösungen, die im Zuge der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch im Frühjahr 2010 verstärkt nachgefragt werden.
Aus Branchensicht gewinnt FMC vor allem Bedeutung durch die kürzlich erfolgten Budgetkürzungen und die Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten in der öffentlichen Hand, insbesondere in Großbritannien sowie die für die Finanzbranche relevanten bevorstehenden Gesetzesänderungen im Hinblick auf Mobiltelefongespräche.
Was können mobile Lösungen besser als Festnetzlösungen? In welchen Bereichen und Abteilungen könnte man davon profitieren?
Der Punkt ist, dass mobile Lösungen letztendlich gemeinsam mit Festnetzlösungen betrieben werden müssen, um die Effizienz der Unternehmenskommunikation zu optimieren, denn angesichts der Tatsache, dass in vielen europäischen Unternehmen bis zu 40 % der Unternehmensgeschäfte außerhalb des Firmennetzwerks abgewickelt werden, ist Mobilkommunikation keineswegs mehr eine Insellösung.
Mobile Lösungen ermöglichen integriertes, flexibles Arbeiten. Der Vertrieb kann seine Zeit verstärkt den Kunden widmen, und das Business Continuity Management, also die Aufrechterhaltung des Unternehmensbetriebs in einem Krisenfall, die in diesem Jahr für viele europäische Unternehmen durch die Aschewolke und die Streiks bei den Fluglinien zu einem großen Problem wurde, wird erheblich verbessert.





1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 