Stolz verkündete Steve Ballmer in seiner Keynote anlässlich des Launchs von Microsoft Dynamics 2011: "Das ist das erste Mal, dass wir eine Cloud-Version vor einer Server-Version auf den Markt bringen und ich denke, das reflektiert deutlich die Offensive, mit der Microsoft in die Cloud geht."
Gleich in 40 Märkten und in 41 Sprachen startet das Unternehmen seine Customer Relationship Management-Lösung und lockt potenzielle Kunden ab sofort mit einem kostenlosen 30-Tages-Test. Wer sich für eine weitere Nutzung der Services entscheidet, zahlt bis Ende Juni 2011 31 Euro pro Benutzer und Monat. Danach wird der Preis auf 40,26 Euro erhöht.
Microsoft zielt aber nicht nur auf CRM-Neulinge. Auch Anwender von Mitbewerbsprodukten wie Salesforce.com oder Oracle möchte man davon überzeugen, die bessere Lösung zu haben. Und so hat man unter der Bezeichnung "Cloud for Less" für eben jene Zielgruppe ein spezielles Angebot gezimmert: bis zu 183 Euro pro Benutzer erhalten Umsteiger für Dienstleistungen wie die Migration der Daten oder die Anpassung der Lösung.
Was ist neu?
Eines der Hauptargumente, mit dem man Kunden überzeugen möchte, ist die für viele vertraute Arbeitsumgebung aus den Microsoft Office-Produkten. Das galt schon bisher als Vorteil. Jetzt spricht Microsoft bei der neuen Version nicht mehr nur von Outlook-Integration, sondern von einem nativen Outlook-Client.
Die Software wurde für Outlook entwickelt, will man damit ausdrücken. Und "so einfach wie E-Mail" soll das Arbeiten damit sein. Zusammen mit dem browserbasierten Zugriff (der allerdings nach wie vor auf den Internet Explorer beschränkt ist) und dem Abruf über mobile Geräte soll in eine neue Dimension der Benutzer-Erfahrung vorgedrungen werden.
Die bekannten rollenbasierten Benutzerprofile wurden erweitert. Sie sollen zum Beispiel ein auf Vertriebsmitarbeiter, Marketingleiter, oder Controller zugeschnittenes Design bieten. Darüber hinaus soll das Anpassen von Ansichten beziehungsweise die individuelle Zusammenstellung von Daten wesentlich vereinfacht worden sein.
Wofür in der Vorversion noch externe Add-Ons bzw. Reporting-Service Kenntnisse erforderlich waren, sind laut Microsoft nun nur noch ein paar Klicks erforderlich. Als Beispiel zeigte man während der Launch-Keynote ein Dashboard, in dem CRM-Daten gemeinsam mit einem Twitter-Feed und Google Adwords-Daten dargestellt wurden.
Wendet man so ein Beispiel in der Praxis an, ließe sich auf einem Bildschirm neben Verkaufschancen und Kundendaten ablesen, was andere über das eigene Unternehmen sagen und welche Klickraten die aktuellen Adwords-Anzeigen generieren. Dass solche Übersichten - natürlich angepasst an die eigenen Bedürfnisse - die Produktivität erhöhen können, liegt auf der Hand.
Wer mit den mitgelieferten Bordmitteln trotz der neuen Funktionen nicht das Auslangen findet, kann einen Blick in den neu eingerichteten "Dynamics Marketplace" werfen. Hier können Partner ihre selbstentwickelten Lösungen anbieten und verkaufen und der Kunde diese im Gegenzug bewerten, rezensieren und natürlich auch erwerben. Microsofts CRM-Marktplatz ist derzeit in 20 Ländern verfügbar, darunter auch Österreich.
Lieber wolkenlos?
Natürlich bietet Microsoft Dynamics CRM 2011 nicht ausschließlich in der Cloud an. Wer aber eine Eigen-Installation in Betracht zieht, beziehungsweise seine vorhandene einem Upgrade unterziehen möchte, muss sich noch bis zum 1. April gedulden.
Ab spätestens dann gilt: Wer die Wahl hat, hat die Qual - Cloud, oder Eigeninstallation? Die Cloud-Variante dürfte durch ihre niedrigen Einstiegskosten besonders für kleine Unternehmen interessant sein - gerade auch für jene, die bisher noch gar nicht über CRM-Lösungen nachgedacht haben. So ist es nicht verwunderlich, dass es Microsofts Strategie ist, sich zunächst auf diese Zielgruppe zu konzentrieren und damit eine neue Kundenbasis zu erschließen.





1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 