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Serie: IT-Forschung in Österreich

Stefanie Rinderle-Ma: Workflow-Systems and Technology

Stefanie Rinderle-Ma, 34, hat zehn Monate nach ihrer Habilitation an der Uni Ulm eine Professur an der Uni Wien erhalten. Seit Jänner 2010 leitet die Informatikerin die Gruppe "Workflow-Systems and Technology", seit Oktober ist sie auch noch Vizedekanin.

Stefanie Rinderle-Ma, Univ. Prof. für Informatik an der Uni Wien, Leiterin der Gruppe „Workflow-Systems und Technology”, seit 1.10. auch Vizedekanin (Foto: privat)

Sie hatten auch einen Ruf an die Freie Universität Berlin, haben sich aber für Wien entschieden. Seit einem knappen Jahr sind Sie jetzt in Wien als Professorin für Informatik im Einsatz, wie fällt Ihr Resümee aus?

Es hat sich sehr gelohnt, nach Wien zu gehen. Und der Ruf nach Berlin kam später als das Angebot aus Wien. Außerdem trifft die Tätigkeit in Wien genau meinen Forschungsschwerpunkt Workflow-Systeme und Prozessmanagement. Ich komme aus dem Bereich Datenbanken und Informationssysteme, damit habe ich mich schon in meiner Diplomarbeit beschäftigt. In Wien ist schön, dass alles so nah ist. So kann man z.B. beim FWF (Forschungsförderungsfonds) einfach vorbeikommen, das ist sehr angenehm.

Warum haben Sie sich eigentlich gerade auf Workflow-Systeme spezialisiert?

Ich habe mich immer sehr für Mathematik interessiert und an der Uni in Augsburg zunächst Wirtschaftsmathematik studiert. Unmittelbar nach dem Diplom habe ich dann mit der Dissertation bereits mit dem Schwerpunkt der Evolution von Prozessen und Prozessmanagement an der Uni Ulm fortgesetzt. Dabei hat mich mein Betreuer, Prof. Dadam, Direktor des Informatik-Instituts an der Uni Ulm, sehr unterstützt.

Was reizt Sie am Thema Workflow und Prozessmanagement?

Ich glaube, dass dieses Thema einfach sehr zukunftsträchtig ist, weil man zur Verbesserung der Arbeit und des Arbeitsalltags viel beitragen kann. Workflow und Prozessmanagement hat außerdem eine sehr große Bandbreite und bietet auch die Chance zu interdisziplinären Kooperationen, wie etwa mit den Medizinern.

Wichtig ist vor allem die Flexibilität von Systemen, so stehen in einem Krankenhaus einfach permanent Ausnahmen auf der Tagesordnung. Die Frage ist: Wie schafft man das technisch, dass ein Prozess nicht blockt oder abbricht? Generell ist an Kliniken der Leidensdruck sehr groß. Kurz gesagt hat man nie die benötigten Daten zur richtigen Zeit zur Hand. Um Kliniken durch Workflows zu unterstützen, haben wir z.B. einen Software-Prototypen für die Ulmer Klinik entwickelt. Wir haben auch im Automobilbereich Prozessmanagement-Projekte für Daimler gemacht.

Und wie setzen Sie in Wien ihre Arbeit fort?

Ausgehend von flexibler Prozess-Technologie werden wir z.B. Sicherheit und Privacy adressieren. Mich beschäftigt auch die Frage, wie wir die Leute bei der Arbeit zu Hause bestmöglich unterstützen können. Auch neue Anwendungsgebiete, Compliance d.h. wie Prozesse mit bestimmten Guidelines zusammenpassen, und der Human-Centered-Ansatz sind mir ein Anliegen.

Was gibt es konkret an Forschungsprojekten?

In Kooperation mit Secure Business Austria befassen wir uns mit Security und Privacy. Neu ist auch ein Projekt in Richtung Compliance in Kooperation mit der Meduni Wien. Beim Human-Centered-Ansatz geht es darum, wie wir die Menschen im Alltag unterstützen können, etwa auch durch mobile Prozesse. Da bin ich gerade in der Denkphase, wie wir welche Projekte angehen können. Ansonsten habe ich ein laufendes Projekt zur Änderung von Organisationsmodellen von Ulm nach Wien mitgenommen, auch die Forschungsförderung konnte transferiert werden.

Wie bekommt man das Problem von sehr komplexen, sich ständig verändernden Prozessen in den Griff?

Das war genau das Thema meiner Doktorarbeit, aber Sie haben recht: Es ist eines der Kernprobleme im Prozessmanagement. Wichtig ist quasi die "Entflechtung" eines komplexen Prozesses in verschiedene Teile, damit eine flexible Automatisierung möglich ist. Wichtig ist aber auch zuallererst gezieltes Prozess Mining: Wenn ich nicht weiß, wie Prozesse aussehen, kann ich auch nicht für eine IT-Umsetzung sorgen.

In der Praxis ist das natürlich alles andere als trivial. Auch die Mitarbeiter müssen ins Boot geholt werden, viele von ihnen haben Angst, weil sie glauben, Wissen preiszugeben oder durch Prozessmanagement gegängelt zu werden.

Wie vermitteln Sie Ihr Wissen an der Uni den Studenten oder welche Software-Systeme haben Sie da im Einsatz?

Wir kennen natürlich viele Software-Systeme, aber wichtig ist es, den Studenten möglichst neutral zu vermitteln, worum es geht. Das geht nicht nur mit einer Modellierungssprache, sondern muss allgemein vermittelt werden. Wir haben aber für praktische Übungen oder Seminare etwa die IBM-Workflow-Suite oder die Software Arista-flow im Einsatz.

http://informatik.univie.ac.at/forschung/forschungsgruppen/workflow-systems-and-technology

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