Die früher oft geäußerte Meinung: "Glasfaser; und Du hast nie Probleme", hat sich nicht bewahrheitet. Das Bandbreiten/Längen-Produkt spielt eine immer größere Rolle. Die maximal nutzbare Bandbreite ist umgekehrt proportional zur Entfernung, die überbrückt werden kann. Im Klartext: Immer größere Datenmengen müssen über immer längere Distanzen transportiert werden.
Außerdem ist der aktuelle "Stand der Technik" mit einer Übertragungsrate von 10 Gigabit/sek. in einigen Anwendungsfällen schon nicht mehr ausreichend. Denkt man an die Weiterentwicklung des Bandbreitenbedarfes für die nächsten 10 bis 15 Jahre, so stößt man außerdem schnell auf Raten von 40Gb/s oder gar 100Gb/s.
Im Gegensatz zu Österreich ist der deutsche Markt 2009 massiv in die OM3-(Optical Multimode)-Technologie eingestiegen. Jetzt beginnt aber bereits aus den genannten Gründen die leistungsstärkere Nachfolgetechnologie OM4, die gerade erst genormt wurde, die OM3-Technologie zu überholen.
Die neue OM-4-Faser erzielt zum Beispiel bei 40 Gigabit-Anwendungen die 3-fache Reichweite. Das kann massiv Geld sparen. Außerdem soll das fest verlegte Kabel lange seine Dienste tun. Sonst kann es sehr unangenehm und teuer werden.

Faserkategorien gemäß EN 50173; ISO/IEC 11801. OM4 ist seit 2009 von der TIA spezifiziert *) bei einer Einfügedämpfung aller Steckverbinder im Link von max. 1,0 dBa (Bild: KSI)
Vorteile von OM4-Kabel
Die Vorteile der OM4-Faser liegen in einer höheren effektiven modalen Bandbreite (EMB). Diese "extra Bandbreite" kann genutzt werden für:
- höhere Bitraten,
- größere Link-Längen,
- erhöhte Margin (Sicherheit) in der Connectivity.
Für 40- und 100-Gigabit-Ethernet hat die Standardisierung IEEE 802.3ba ein Physical Medium Dependent (PMD) in paralleler optischer Übertragung mit mehreren VCSEL-Lasern auf der Wellenlänge von 850 nm spezifiziert. In dieser "Parallel-Optik-Konstellation" können mit OM3-Fasern 100 Meter, das sind rund 80% der Link-Längen, überbrückt werden. Mit den OM4-Fasern können die restlichen Anwendungen in dieser Technologie abgedeckt werden. (Eine Entscheidungshilfe bietet die beigefügte Tabelle.)
Patchkabel sind flexibler

Gerd Kaufmann ist Gründer des Verkabelungsspezialisten KSI, Kontakt-Systeme Inter GesmbH (Bild: KSI)
Sehr interessant sind einige publizierte Vergleiche, wobei für einen Test-Channel die Kosten für einen Singlemode- und einen im Multimode-Aufbau angeschaut wurden. Ergebnis: Das Singlemode-Kabel ist sogar billiger; der komplette Channel ist aber bis zu neun Mal teurer. Auch bei einer WDM-Anwendung, bei der nur eine Faser verwendet wird, ist das Verhältnis nicht besser.
Die Firma KSI GmbH in Wien hat sich auf OM3- und OM4-Verlegekabel(Meterware), vorkonfektionierte Verlegekabel (Breakout-Kabel) und Patchkabel spezialisiert.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 