Zum neunten Mal seit 2001 führte die Europäische Kommission die Erhebung des E-Government Angebots in Europa durch. In diesem Jahr wurde sowohl die Anzahl der untersuchten Staaten – 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Kroatien, Türkei, Island, Norwegen und Schweiz – als auch der Umfang der zu messenden Indikatoren ausgeweitet.
Dazu meint der für E-Government zuständige Medienstaatssekretär Josef Ostermayer: „Mit dem neuerlichen 1. Platz bestätigt die EU die Vorreiterrolle Österreichs im E-Government. Um diesen Vorsprung zu halten, müssen wir weiter beständig an Innovationen arbeiten. Im Jahr 2011 wird vor allem auch die Handy Signatur im Mittelpunkt stehen.“
Der Hauptteil der Erhebung umfasst vier Indikatoren der 20 Basisdienste:
- Verfügbarkeit (Full online availability)
- Reifegrad (Service sophistication)
- Nutzungserfahrung (User experience)
- Elektronische Beschaffung (e-Procurement)
2010 erreichen Österreich, Italien, Malta, Portugal und Schweden beim Indikator Verfügbarkeit 100 %. Der Durchschnitt der erhobenen Staaten liegt bei 82 %, nach 69 % im Vorjahr. Beim Indikator Online-Reifegrad, bei dem das Service nach einer fünfstufigen Skala beurteilt wird, konnte Österreich erstmals 100 % erreichen. Der Durchschnitt der EU-Staaten beträgt 89 %, nach 82 % im Vorjahr. Spitzenreiter im Ländervergleich sind Österreich, Malta und Irland mit 100 % gefolgt von Portugal, Schweden, Deutschland und Italien mit 99 %.
Besonders hervorhebenswert ist das Modell der „Handy-Signatur“ welches von Österreich im Rahmen des EU-Programms „STORK“ entwickelt wurde. Staatssekretär Ostermayer: „Mit der Handy-Signatur hat Österreich einen weiteren innovativen Baustein für ein effizientes E-Government geschaffen. Das Handy haben die meisten Menschen inzwischen immer dabei, auf Reisen oder auch zu Hause. Damit können sie in vielen Alltagssituationen elektronische Angebote der österreichischen Verwaltung nutzen.“
Oftmals genutzte Services ermöglichen Diebstahlsanzeigen, Strafregisterauszüge, die Erledigung der Arbeitnehmerveranlagung oder ein Blick auf das Pensionskonto bequem von zu Hause. Ostermayer: „Die Nutzung der Angebote spart viele zeitintensive Amtswege, aber auch dem Staat umgerechnet 100 Amtsschalter, die 24 Stunden am Tag zwei Monate lang geöffnet haben müssten, um die Anfragen und Erledigungen bewältigen zu können.“
Die europäische E-Government Erhebung 2010 umfasst auch neue Erhebungskategorien, die den Benchmark zu einem Messinstrument der Prioritätsfelder im E-Government bis 2015 machen. Aus diesem Grund wurde die Erhebung in diesem Jahr um drei Indikatoren ergänzt.
Diese messen
- eine Geschäftssituation für Unternehmen (Starting up a company)
- eine Lebenssituation von Bürgern (Finding a job) sowie
- die Verfügbarkeit von Querschnittsanwendungen (Back office enablers).
Die Erhebung ergab, dass bei der Geschäftssituation „Starting up a company“ nur Österreich, Dänemark, Estland, Irland, Norwegen, Schweden und UK die erforderlichen Schritte ohne Wechsel auf andere Portale oder unter Zuhilfenahme von Papier erfüllen.
Ein weiterer Indikator, der 2010 erstmals erhoben wurde, betrachtet die Bausteine, aus denen erfolgreiche E-Government Verfahren hinter den Webseiten und Online-Formularen aufgebaut sind. Diese sogenannten „Back office enablers“ sind Querschnittsanwendungen, die durch Standardisierung und Wiederverwendbarkeit die Basis für den effizienten Ausbau von Online-Verfahren bilden.
Die österreichische Strategie, E-Government auf solche gemeinsam entwickelte Bausteine zu gründen, zeigt ihren Erfolg, indem Österreich alle im Benchmark definierten „Back office enablers“ im Einsatz hat. Die Arbeit der Plattform „Digitales Österreich“ wird in der Studie der Europäischen Kommission explizit als Beispiel für effiziente E-Government Koordination anerkannt. Der nachhaltige Erfolg im E-Government in Österreich ist damit zu begründen.


1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 