Der Schock saß tief, und weltweit wurde der Bilanzskandal sogar als das „indische Enron” bezeichnet: Im Januar 2009 kam es zutage, dass der indische IT-Riese Satyam jahrlang seine Bilanzen auffrisiert und das Firmenvermögen als viel zu hoch angegeben hatte.
Insgesamt erwuchs ein Schaden von umgerechnet mehr als 1 Mrd. Euro, der Kurs des Unternehmens an der Börse in Mumbai brach binnen einer Stunde um 75 % ein, der Marktwert kollabierte von 7 Mrd. auf 500 Mio. Dollar. Gründer und Ex-Vorsitzender Ramalinga Raju, verantwortlich für die Fälschungen, erklärte: „Ich habe einen Tiger geritten und nicht gewusst, wie ich absteigen kann.”
Wie auch immer, Raju sitzt nun im Gefängnis in Hyderabad und hat allerbeste Aussichten, seine Karriere fortzusetzen, wenn auch unter anderen Voraussetzungen. Die indische Gefängnisbehörde hat eine neue Outsourcing-Sparte gegründet, um die chronisch leeren Kassen zu füllen. Ein neues Business Process Outsourcing (BPO) Center soll Gefangenen eine Beschäftigung geben und gleichzeitig Umsätze für die Gefängnisverwaltungen bringen. Und niemand geringerer als Raju soll nach den Vorstellungen der Gefängnisbehörde dieses BPO leiten.
Mittlerweile hat das neue Unternehmen auch schon Kundschaft. Eine kanadische Firma will sich ihre Buchhaltung vom „Prison-BPO” erledigen lassen.
Die Behörden betonen, dass keine sensiblen Daten von den Gefängnisinsassen unter der Leitung von Raju verarbeitet werden, sondern simple Buchhaltungsdokumente digitalisiert werden sollen. Weitere Aufträge sollen für das Statistische Zentralamt Indiens erledigt werden.
Die Hoffnung konzentriert sich dabei auf den früheren IT-Star Raju. Für die Gefängnisverwaltung ist er durch seine „langjährige Erfahrung im IT-Outsourcing” so etwas wie ein Garant dafür, dass ein „Prison-BPO” auch profitabel sein kann. Ob er allerdings auch für die Finanzen verantwortlich sein wird, ist nicht bekannt.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 