Über das Angebot auf EU- und Bundesebene hinaus hat die Stadt Wien in den vergangenen Jahren eine Förderstruktur mit den verschiedensten Instrumentarien entwickelt. Ob es um die Ansiedlung eines Unternehmens geht oder einzelne Forschungsprojekte. Für fast jede Gelegenheit bieten die Wiener Förderstellen das passende Programm.
Nicht immer richten sich diese speziell an die IKT-Branche wie etwa der 2007 vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) eingerichtete IKT-Schwerpunkt. Häufig weisen die Calls oder Programme nur einen Bezug zum IKT-Sektor auf oder sind so offen gehalten, dass sie grundsätzlich für alle Unternehmen gelten, etwa im Bereich der Internationalisierung.
Auf der Landesebene gibt es folgende Förderstellen:
Wirtschaftsagentur Wien
Seit 29. März 2010 tritt die Wirtschaftsförderung in Wien mit neuem Namen und neuem Aussehen an die Öffentlichkeit. Aus dem Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) wurde nach 28 Jahren die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien. Was gleich bleibt ist die Kernaufgabe der Wirtschaftsagentur Wien und seiner Tochterunternehmungen: Wiener Unternehmen zu fördern und bei der Modernisierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.
Neben dem neuen Namen wurde die Wirtschaftsagentur Wien mit einem neuen und modernen Corporate Design versehen. Dieses wird in Zukunft für alle Projekte und Tochterunternehmen als Dachmarke fungieren und so ein einheitliches Erscheinungsbild nach außen sicherstellen.
Renate Brauner, Vizebürgermeisterin der Stadt Wien sowie Präsidentin der Wirtschaftsagentur Wien zum neuen Außenauftritt der Wirtschaftsagentur Wien: "Wirtschaft zu fördern, bedeutet in Wien schon lange mehr als nur die Vergabe von Fördermitteln. Die Anforderungen für die Wiener Wirtschaft haben sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert und so hat auch die Stadt Wien ihre Angebote für Unternehmen laufend angepasst und verbreitert. Die Wirtschaftsagentur Wien ist heute eine Full-Service-Stelle und bleibt auch künftig ein verlässlicher Partner für Unternehmen in Wien. Der neue Name und die neue Markenstrategie sollen das noch stärker unterstreichen."
Das Leistungsangebot der Wirtschaftsagentur ist dabei äußerst umfassend. Deren Experten beraten Unternehmer, Gründer und Investoren über das bestehende Angebot an finanziellen Förderungen und stehen aber auch zur Verfügung, wenn es um die Bereitstellung und Erschließung von geeigneten Grundstücken geht. Gleichzeitig übernehmen sie das weltweite Standortmarketing für den Wirtschaftsstandort Wien.
Mit Hilfe ihrer zwei Tochterunternehmen Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) und departure entwickelt sie ganz spezielle Angebote für forschende und innovierende Unternehmen in Wien sowie die Medienwirtschaft.
Die Wirtschaftsagentur Wien wird vorwiegend aus öffentlichen Mitteln der Stadt Wien finanziert, als einer der größten Grundstückeigner der Stadt und die Bewirtschaftung von Gewerbe- und Industriegrundstücken gelingt ihr in zunehmendem Maße eine sektorale Selbstfinanzierung. Ebenso steigt der Anteil an EU-Mitteln, die zur Finanzierung wirtschaftsfördernder Maßnahmen lukriert werden können.
Mit der Umbenennung in Wirtschaftsagentur Wien bringen die Verantwortlichen aber auch zum Ausdruck, dass neben den Förder- und Beratungsleistungen Service und Information groß geschrieben werden. Einrichtungen wie das Europaservice oder mingo, die Anlaufstelle für Kleinstunternehmen, bieten ihre Leistungen kostenlos an und tragen so dazu bei, dass die Unternehmen in Wien ihr Potenzial ausschöpfen können.
Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT)
Auf der Wiener Landesebene ist die im Jahr 2000 gegründete Technologieagentur ZIT der zentrale Akteur im Bereich der IKT-Förderung. Aufgabe ist es, ein optimales Umfeld für Technologieunternehmen zu schaffen und damit die Wiener Wirtschaft zu stärken. Die Aktivitäten des ZIT umfassen direkte finanzielle Unterstützungen für Unternehmen, die Bereitstellung technologiespezifischer Infrastruktur sowie flankierende Maßnahmen in allen Phasen des Innovationsprozesses.
Da die reine Projekt- oder Unternehmensfinanzierung im Rahmen der Technologie- und Innovationsförderung heute nicht mehr ausreichend ist, hat das ZIT ein umfassendes Förderprogramm entwickelt, das sowohl die wirtschaftlichen Besonderheiten Wiens als auch die spezifischen Bedürfnisse forschender und innovierender Unternehmen berücksichtigt (siehe dazu die Informationen über das Technologieförderprogramm ZIT08 plus). Im Rahmen von Calls versucht das ZIT darüber hinaus thematische Schwerpunkte zu setzen, die sich teils direkt an die IKT-Branche richten.
INiTS
Seit 2002 unterstützt, fördert und berät das universitäre Gründerservice INiTS Akademiker auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Das Wiener Zentrum des AplusB-Programms möchte mit seinen Aktivitäten einen dauerhaften Anstieg der Zahl akademischer Spin-offs in Wien erreichen und deren Erfolgschancen erhöhen. Zielgruppe des Gründerservice sind alle Wiener akademischen Einrichtungen, thematisch liegt das Augenmerk vor allem auf den Branchen Inforations- und Kommunikationstechnologien und Life Science. Die Kernkompetenz von INiTS liegt im Bereich Business Development, Unternehmensgründer haben die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von 18 Monaten im INiTS Inkubator betreuen zu lassen, was finanzielle Unterstützung miteinschließt.
departure
departure wurde 2003 als Österreichs erste eigenständige Wirtschaftsförderungs- und Servicestelle für den Bereich der Creative Industries gegründet und gilt inzwischen europaweit als erfolgreiches Modell der Innovationsförderung auf Wettbewerbsbasis. Seit Mai 2004 wurden 48 Programme durchgeführt. 1.166 Projekte (vor allem aus den Bereichen Design, Multimedia, Mode, Musik und Architektur) wurden dabei eingereicht, 282 erhielten am Ende eine Förderung.
Insgesamt wurden bis jetzt 18,5 Millionen Euro an Fördergeldern ausgeschüttet, die private Investitionen in der Höhe von 73,8 Millionen Euro auslösten und 1.350 Arbeitsplätze sichern beziehungsweise neu schaffen konnten.
departure ist eine Tochtergesellschaft der Wirtschaftsagentur Wien und wird durch die Stadt Wien finanziert. Inhaltliches Ziel der Aktivitäten ist die Integration von kulturellem Schaffen in das Wirtschaftsgeschehen Wiens und Österreichs, indem die Zahl an nachhaltiger Unternehmensgründungen in den Creative Industries erhöht und kleineren und mittleren Unternehmen durch gezielte Fördermaßnahmen Wachstum und Expansion ermöglicht wird.
Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds
Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) wurde 2001 gegründet, um die Rahmenbedingungen für Spitzenforschung in Wien zu verbessern. Der Fonds fördert exzellente wissenschaftliche Forschung (universitäre und außeruniversitäre sowie einzelne Forscher) und zielt darauf ab, den Forschungsstandort Wien zu stärken.
Der WWTF legt für seine Fördertätigkeit Schwerpunkte in Form von thematischen Programmen fest, die eine Laufzeit von mehreren Jahren haben. An Förderinstrumenten stehen dem Fonds sowohl die Projektförderung als auch Stiftungsprofessuren zur Verfügung.
2007 richtete der WWTF den Programmschwerpunkt "Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)" ein, in dessen Rahmen bis jetzt zwei Calls (2008 und 2010) veröffentlicht wurden. Von den 2010 eingereichten 67 Anträgen wurden am Ende zehn Projekte mit einer Gesamtsumme von 5,1 Mio. € gefördert.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 