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CEE muss sich neu definieren

Studie entwirft Zukunftsszenario für Mittel- und Osteuropa

Mittel- und Osteuropa (Central and Eastern Europe; CEE) wird eine Wachstumsregion bleiben, wenn auch mit niedrigeren Wachs­tumsraten als bisher. Die Region muss sich allerdings neu ausrichten: Energie und IT in den kommenden zehn Jahren boomen.

Aufgrund seiner geogra­fischen Lage eignet sich CEE als Bindeglied zwischen Westeuropa und Russland. Für die Region spricht außerdem die kulturelle Nähe und das hohe Bildungsniveau der Bevölkerung. Bürokratie, Korruption und mangelhafte Infrastruktur werden mittelfristig dagegen Schwachstellen bleiben. Die derzeit wichtigsten Branchen (rohstoffintensive Industrien, Chemie­branche, Automobilsektor) werden im CEE-Raum an Bedeutung verlieren. Dagegen werden Energie und IT in den kommenden zehn Jahren boomen.

Das sind die Ergebnisse der Studie "CEE in 2020 – Trends and perspectives for the next decade" von Roland Berger Strategy Consultants. Für die Unter­suchung wurden mehr als 320 Manager in Mittel- und Osteuropa befragt.

"CEE als einheitliche Managementregion wird es in dieser Form nicht mehr geben", sagt Studienautor Dr. Vladimir Preveden, Partner im Wiener Büro und Managing Partner für Südosteuropa von Roland Berger. Grund dafür ist die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder: Während die mitteleuropäischen Staaten 2020 weitgehend innovationsgetriebene Volkswirtschaften sein werden, stehen die süd- und osteuropäischen Länder dann als Produktionsstandorte weiterhin im Wettbewerb mit den BRIC-Staaten. "Die Region wird noch heterogener werden. Deshalb beginnen Unternehmen schon jetzt, CEE in Subregionen aufzuteilen", so Preveden. Drei Fünftel der befragten Manager erwarten, dass sich dieser Trend in der kommenden Dekade noch verstärken wird.

Deutliches Umsatzwachstum, aber kaum neue Jobs

Auch CEE als Ganzes wird sich grundlegend verändern. Durch die Wirtschaftskrise verlor die Region ihre Rolle als globaler Wachstumsmotor. Die befragten Manager rechnen nicht damit, man die Rolle wieder aufnehmen kann. "CEE muss sich in den kommenden Jahren als europäische Wachstumsregion etablieren. Wir rechnen mit Wachstumsraten von etwa zwei Prozent über westeuropäischem Niveau", so Preveden. Zwar gehen die Befragten von einem deutlichen Umsatzwachstum aus, bei der Zahl der Arbeitsplätze sind sie allerdings sehr zurückhaltend. "Während für die Ukraine, Rumänien und Polen zusätzliche Jobs erwartet werden, sehen die Manager in Kroatien und Tschechien eine Stagnation. Österreichische Manager befürchten sogar einen leichten Rückgang bei der Anzahl der Arbeitsplätze in ihrem Land", erklärt der Berater.

Geografische Lage und Bildung als Standortvorteile

Die geografische Lage und die kulturelle Nähe zu Westeuropa nennen die CEE-Manager als das große Plus. "Interessanterweise sehen Manager in allen mittel- und osteuropäischen Staaten die geografische Position ihres Landes als wichtigsten Standortvorteil. Tatsache ist, dass CEE als Brücke zwischen Westeuropa und nicht nur Russland, sondern auch der Türkei und den Wachstumsmärkten Asiens fungieren kann. Dazu bedarf es aber einer entsprechenden Strategie", so Preveden. Gerade Russland wird im kommenden Jahrzehnt eine wichtigere Rolle spielen, vor allem in den Rohstoffindustrien.

Demografische Entwicklung wird unterschätzt

Als weiteren Standortvorteil sehen CEE-Manager das Bildungssystem. Doch dieses Erbgut aus früherer Zeit droht zu erodieren: In der aktuellen PISA-Studie sind die Teilnehmer aus CEE zwar im Mittelfeld zu finden, aber in den Universitätsrankings ist das Spitzenfeld anderweitig besetzt. Generell kann Humankapital zu einem limitierenden Faktor in den kommenden zehn Jahren werden: "Die Bevölkerung wird in allen CEE-Ländern schrumpfen und der Brain Drain nach Westeuropa und Nordamerika geht weiter. Dieser Umstand alarmiert noch zu wenige Manager und Politiker", so der Berater.

Auch auf die Arbeitnehmer kommen in naher Zukunft einschneidende Veränderungen zu. "Es kommt nicht mehr nur auf die fachliche Qualifikation, sondern immer mehr auf Soft Skills wie Fremdsprachen, Personalentwicklung und Komplexitätshandling an. Englisch als Arbeitssprache ist in den meisten Unternehmen schon Realität, auch Russisch wird wichtiger", meint der Strategieberater. Die deutsche Sprache wird vor allem in Mitteleuropa ihre Bedeutung behalten. Gesucht werden in Zukunft verstärkt Mitarbeiter mit unternehmerischem Denken und Problemlösungskompetenz.

Schwache Institutionen und mangelhafte Infrastruktur

Bürokratie, Korruption und fehlende rechtliche sowie steuerliche Rahmenbedingungen werden aus Managersicht die Nachteile des Wirtschaftsstandorts CEE bleiben. "Auch wenn die meisten Volkswirtschaften mittlerweile EU-Mitglieder sind, haben die Institutionen aller Länder nach wie vor Aufholbedarf", meint Preveden. Mangelhafte Infrastruktur ist vor allem für die osteuropäischen Länder ein wesentlicher Nachteil.

Energie als Zukunftsthema

Rohstoffmangel und Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sind das zentrale Thema der kommenden Dekade. An zweiter Stelle steht die Sanierung der Staatsfinanzen, gefolgt von den Auswirkungen des technologischen Fortschritts. Dagegen spielt der Klimawandel für die Entscheider der Region nur insofern eine Rolle, als sie den Energiebereich als wichtigste Wachstumsindustrie sehen. IT & Telekom sowie der Pharma- und Gesundheitsbereich schließen sich an.

Als Wachstumstreiber werden dementsprechend Themen aus dem Energiebereich (Energieeffizienz, erneuerbare Energien) und IT-Lösungen gesehen. Dienstleistungen werden vor allem in den reiferen Volkswirtschaften der Region einen Boom erleben. Stagnieren oder an Bedeutung verlieren werden hingegen die rohstoffintensiven Industrien, die Chemiebranche und der Automobilsektor. "Doch gerade das sind die derzeit wichtigsten Branchen in der Region. Diese muss sich daher in den kommenden Jahren dringend neu ausrichten", so der Berater.

www.rolandberger.at

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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