Daher entschloss sich mobil-data für die weitere Entwicklung des md-planner, einem Tool zur Disposition mobiler Mitarbeiter, im Rahmen eines geförderten Forschungsvorhabens, Wissenschaftler der Universität Wien und von Salzburg Research in ein gemeinsames Projekt einzubinden.
Die Herausforderungen auf diesem Weg sind aber groß: Gilt es doch, neben den Mitarbeitern, den Fahr- und Werkzeugen auch die häufigen ungeplanten Störungen zu berücksichtigen. Daher mussten die Entwickler verschiedene, bisher getrennte Optimierungsverfahren verbinden, um zum Erfolg zu kommen.
„Da es für ein derart dynamisches System keine exakte Lösung geben kann, mussten wir für diese Variante des ‚Traveling Repairman Problem’ das Metasucherverfahren ‚Adaptive Large Neighborhood Search’ einsetzen“, umschreibt Dr. Günter Kiechle, Teamleiter Transportoptimierung, Forschungslinie Mobile und Web-basierte Informationssysteme bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft die Herangehensweise an das planmäßig auf 16 Monate angelegte Forschungsvorhaben.
Auf der Suche nach der „Zauberformel“
„Die Aufgabenteilung in dem Projekt war klar definiert: Während wir uns um die Entwicklung und die Tests kümmerten, war Salzburg Research mit der Definition der Schnittstellen und die Umsetzung in wartbaren Softwarecode betraut“, erläutert Sophie Parragh, PhD, vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien. Ausgehend von einfachen Näherungsverfahren wurde das Optimierungsmodul in unzähligen Tests immer weiter verbessert.
Die so erstellte Lösung übertrifft die Möglichkeiten einer rein manuellen Planung deutlich. Bei der Evaluierung mit Testdaten eines Unternehmens zeigte sich ein durchschnittliches Einsparungspotential von etwa 10% der Gesamtkosten. „Neben den eingesparten Kosten verbessern wir mit jedem eingesparten Kilometer auch die Umweltbilanz und unterstützen den Klimaschutz. Durch Annäherung an die „Zauberformel“ senken wir also Kosten und Umweltbelastung gleichzeitig“, unterstreicht Stephan Hüttner, mobil-data Gesellschafter und für die Produktentwicklung zuständig, die positiven Auswirkungen einer optimierten Planung.
Nach der Entwicklungs- und Testphase war es Aufgabe von Salzburg Research, die Software für den praktischen Einsatz vorzubereiten. „Ziel war es, auf der Basis von vorliegenden Auftragsdaten und Fahrzeiten sowie unter Berücksichtigung der dynamischen Eigenschaften kostenoptimale Tourenpläne für Servicetechniker zu erzeugen und auch laufend aktuell zu halten“, so Kiechle. Um eine Kostenoptimierung bei der Auftragsabwicklung zu erreichen, ist es notwendig, für eine Vielzahl von Parametern die Kosten genau zu spezifizieren. „Da diese Daten im md-planner ja bereits vorliegen, sind die Voraussetzungen optimal erfüllt.“ Darauf aufbauend liefert das Optimierungstool kostenoptimierte Tourenpläne für die einzelnen Teams/Fahrzeuge zurück.
Neue Release – Optimierte Disposition
„Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft liefert uns wesentliche Erkenntnisse, um unser Produkt md-planner optimal weiterentwickeln zu können“, ist Hüttner zufrieden. Entgegen seiner ursprünglichen Konzeption als mobiles System wurde nun dafür gesorgt, dass die neue Release md-planner 2.5 auch rein stationär zur Ressourcenplanung einsetzbar ist. Damit wurde eine Anforderung aus der Praxis verwirklicht, den jeweiligen Auftragsstatus auch ohne den Einsatz mobiler Geräte im System verändern zu können. In der Grundausstattung umfasst das System die Module Ressourcen-Planung, Kalender, Terminliste und Ressourcen-Auslastung. Die Module Auftragsplanung, Landkarte, Alarme und Ordermanager können je nach Bedarf zugekauft werden. Da die Forschungsarbeit noch nicht abgeschlossen ist, sind die derzeit vorliegenden Ergebnisse nur auf konkrete Anfrage verfügbar.
Ein Matrixgenerator dient zur Berechnung von Distanzmatrizen. Diese bilden die Grundlage für das Optimierungsmodul, das unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Parametern einen kostenoptimalen Tourenplan berechnet. Das Abweichungsdetektionsmodul überprüft eingehende Echtzeitdaten, ob planmäßige Servicezeiten eingehalten werden bzw. wie groß die aktuelle Abweichung vom Plan-Soll ist. Das Dispositionssystem enthält alle Auftragsdaten und liefert Echtzeitdaten wie die aktuellen Fahrzeugpositionen der Servicetechnikerflotte.
Die Kommunikation zwischen den Komponenten erfolgt auf Basis von Web-Services nach dem XML-RPC Standard. Sie wird über ein zentrales Element („Fassade“) gesteuert, das Anfragen von externen Systemen einheitlich entgegen nimmt.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 