Die Cyber-Attacke, die mit dem Virus Stuxnet auf Atomanlagen im Iran ausgeführt wurde, hat weltweites Aufsehen erregt: Damit sehen wir nun der virtuellen Kriegsführung entgegen, eine Situation, die zuvor hauptsächlich aus Science Fiction-Filmen bekannt war.
Das sagt auch der russische Antivirenspezialist Kaspersky: Mit Stuxnet sei ein neues Zeitalter der Cyberkriegsführung angebrochen. Sogar Kaspersky räumt ein, dass es sich bei diesem Trojaner um einen "einzigartigen und sehr ausgefeilten Malware-Angriff" handelt, der mit fundiertem Wissen um Industrieanlagensteuerung (in diesem Falle von Siemens-Programmen) durchgeführt wurde. Aus diesem Grund meint Kaspersky, dass es sich um einen "staatlich unterstützen Angriff" handelt. Ein Angreifer kann dadurch die Kontrolle über zentrale Systeme etwa von Kraftwerken, Pipelines oder Fabriken übernehmen und die Anlagen im schlimmsten Fall zerstören.
Zum ersten Mal erlebten wir einen perfekten, umfassenden und extrem gefährlichen Cyber-Angriff ohne klassischen kriminellen Hintergrund, also etwa um Geld oder Kreditkartennummern zu stehlen, persönliche Daten auszuspionieren oder Spam zu verschicken. Vielmehr war dieser vermutlich per USB-Sticks übertragene Virus einzig und allein darauf konzipiert, Fabriken und industrielle Anlagen zu sabotieren. "Damit wurde die Büchse der Pandora geöffnet", sagt Kaspersky-Gründer Eugene Kaspersky. Und weiter: "Das Zeitalter der Cyberkriege und des Cyberterrorismus hat begonnen". Und das könnte, so der Virenspezialist, weltweit ein Wettrüsten von Schadprogrammen in Gang setzen.
Für Viren vom Schlage eines Stuxnet ist tiefgehendes Insiderwissen notwendig, das nur durch ein Team von sehr spezialisierten Experten zur Verfügung steht, mit dem derartig vielschichtige Angriffe durchgeführt werden können. Für die Ausführung der Attacke dieser Größenordnung ist es auch undenkbar, dass nicht geheimdienstliches Material zur Verfügung gestanden hat.
Dem Siemens-Konzern, dessen Industriesoftware durch Stuxnet angegriffen wurde, und Microsoft, in dessen Windows die Hacker eine bisher unbekannte Sicherheitslücke ausgenutzt haben, ist die Sache natürlich peinlich. Schon gibt es einen Stuxnet-Patch, doch ob diese Sache damit so leicht zu bereinigen ist, ist zweifelhaft. Mittlerweile hat sich das Virus, das die Eigenschaften von Rootkits, Würmern und Trojanern vereint, nämlich weltweit weiter verbreitet, vor allem in Europa, Indien, Pakistan und China, und es ist noch kein Ende abzusehen.




1/2012
8/2011
7/2011


