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Thema: Business Software

Interview mit Mirko Waniczek, Contrast Management-Consulting

"KMUs haben Controlling Hausaufgaben nicht gemacht"

MONITOR sprach mit Mirko Waniczek, Senior Manager bei Contrast Management-Consulting und ÖCI (Österr. Controller-Institut), der große Trends zu integrierter Planung und Operational BI sieht.

Mirko Waniczek, Senior Manager bei Contrast Management Consulting und Practice Leader Controlling und Business Intelligence (Foto: privat)

Die alljährliche Business-Intelligence (BI) Tagung vom April, veranstaltet von ÖCI (Österr. Controller-Institut) und BARC (Business Analysis Research Center) ist schon wieder eine Weile her. Wie ist Ihr Resümee? Wo gibt es Veränderungen?

In Österreich ticken die Uhren langsamer, es gibt keine dramatischen Umbrüche, auch nicht am Markt. Dass der Markt dennoch nicht einfach ist, zeigt die Tatsache, dass sich bei etablierten Anbietern die Firmengründer selbst wieder intensiv um das operative Geschäft kümmern, so hat etwa Manfred Winterheller wieder die Geschäftsführung bei Professional Planner übernommen.

In der Beratung merken wir, dass integrierte Planungswerkzeuge wie etwa Co-Planner, Professional Planner und SAP BW-IP (Business Warehouse - Integrierte Planung) gefragt sind. Das Thema BI ist jedenfalls mehr als aktuell, wir erhalten dazu derzeit auch viele Beratungsanfragen.

Wie würden Sie BI definieren oder klassifizieren?

Prinzipiell sehe ich zwei Gruppen. Auf der einen Seite sind das jene Werkzeuge mit starkem BWL-Fokus, gut geeignet auch zur Management-Steuerung. Auf der anderen Seite steht die Operational BI, die sich an den Geschäftsprozessen orientiert und erlaubt, aus Auftragseingang, Produktionsausstoß und anderem mehr Rückschlüsse zu ziehen.

Wohin läuft der Trend?

Die technischen Entwicklungen, der Trend zu Mobile Devices und In-memory-Technologie, können stärker in der Operational BI genutzt werden. Mobile Devices werden eine zunehmend größere und intelligentere Rolle spielen. Billa und Coca Cola, um nur zwei Unternehmen zu nennen, nutzen derzeit im Sinne einer Push-Technologie bereits mobile BI. Bei Billa werden die Kassenumsätze etwa per SMS weitergegeben.

Mobile Devices werden auf alle Fälle in Zukunft noch intelligenter. Das bedeutet zum Beispiel: Der Außendienst-Mitarbeiter schaut sich einen Umsatz an und kann vor Ort direkt Abfragen und Analysen starten. Wir sehen auch, dass immer mehr Anbieter reüssieren, die auf die Trends Mobilität und In-Memory-Abfragen setzen. Mit der In-Memory-Technologie ist ein schnellerer Zugriff auf die Daten möglich, daher können auch schneller Abfragen und Analysen gestartet werden.

Sie haben in der August-Ausgabe der Zeitschrift CFO aktuell - Zeitschrift für Finance und Controlling - eine Klassifizierung der BI-Tools in drei Gruppen vorgenommen. Können Sie das kurz erklären?

Ja, gerne. Wir sehen erstens reine Reporting-Lösungen, dann Reporting- und Planungslösungen und drittens integrierte Werkzeuge für Planung und Konsolidierung. Die erste Gruppe ist aufgrund des relativ engen Anwendungsgebiets nicht sehr weit verbreitet, die dritte Gruppe eher bei großen Unternehmen im Einsatz. Österreich ist in Folge seiner KMU-Unternehmensstruktur da allerdings eingeschränkt repräsentativ. Daher wird die zweite Gruppe wohl insgesamt derzeit am meisten genutzt.

Sie haben bereits Mobilität und die In-Memory-Technologie angesprochen, was wird denn bei Planung und Reporting-Lösungen künftig noch gefragt sein?

Wichtigste Voraussetzung überhaupt ist es erst einmal, die internen Daten im Griff zu haben. Das ist Vorbedingung, wenn eine BI-Lösung gesucht wird. Auch im Internet generierte Daten werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade bei der Strategieberatung sehen wir, dass wichtig ist, was in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter transportiert wird.

Ein Beispiel: Einer unserer Kunden hat damit geworben, dass seine Produkte am billigsten sind. In Webblogs wurde bereits heftig kommentiert und diskutiert, dass das nicht wahr sei. Was ich damit sagen will ist, dass es für ein Unternehmen wichtig ist, zu wissen: Wie redet und denkt die Internet Community über mich?

Wie sehen Sie den Markt und warum haben Unternehmen wie Qliktech oder Informations Builders, letztere vor allem in Deutschland, derzeit so großen Erfolg?

Qliktech profitiert sicher davon, dass beide technischen Trends gut abgedeckt sind, sowohl die In-Memory-Technologie als auch die Möglichkeit, mobile Devices anzubinden. Außerdem kommt Qliktech der starke Fachabteilungs-Zugang zugute. Information Builders sind in Österreich nicht sehr aktiv. Hier ist die Situation offenbar in Deutschland anders. Allerdings handelt es sich um eine reine Reporting-Lösung, Pluspunkte sind die Unterstützung der In-Memory-Technologie sowie eine gute Visualisierungstechnik.

Zurück zum Markt allgemein: Ich würde auf der Controlling-Schiene eine weitere Marktkonzentration vermuten. Je größer, desto SAP-lastiger werden die Unternehmen. Das heißt konkret: Wenn ein großes Unternehmen SAP in der Basis im Einsatz hat, ist der Druck sehr groß, auch in Planung und Reporting SAP einzusetzen. Da wird die Luft für andere Anbieter sehr dünn. Überall, wo es in Operational BI hineingeht, wird es dagegen immer spezifischer. Da können auch kleinere Anbieter mit Branchen-Fokus oder Fach-Know-how zu gewissen Problemen oder Themenstellungen gut überleben.

Sie sind ja nicht als reiner IT-, sondern als Managementberater positioniert, wie viele Kunden haben Sie zur Zeit?

Bei Contrast betreuen wir derzeit rund 80 Kunden, in etwa gleich verteilt zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen. Bei den Unternehmen stellt derzeit der Infrastruktur-Bereich mit Energieversorgern wie Verbund und Wien Energie sowie die Bauwirtschaft mit der Alpine als Kunden einen Schwerpunkt dar. Das zweite wichtige Feld sind für uns Consumer Goods, sowohl Händler wie der REWE-Konzern als auch Markenartikler wie Almdudler, Manner oder Felix werden von uns beraten.

Wie sieht die Nachfrage zum Thema BI aus?

Vor allem integrierte Planung ist derzeit gefragt. Gerade große Unternehmen wie z.B. Energieversorger haben da eine ausgeprägte SAP-Strategie und setzen trotz der Verbreiterung der SAP-Produktpalette in diesem Bereich nach wie vor auf SAP BW-IP. Bei der integrierten Planung müssen je nach Komplexität der Inhalte für die Konzeption drei bis fünf Monate veranschlagt werden, die Umsetzung dauert dann nochmals so lange.

Es empfiehlt sich, für ein solches Vorhaben in Summe ein Jahr zu veranschlagen. Aber es gibt auch Kunden, die uns nur für die Auswahl einer SW-Lösung kontaktieren. Das ist in ca. sechs bis acht Wochen zu schaffen.

Wie geht es KMUs Ihrer Meinung nach mit dem Thema BI?

Viele KMUs kratzen eher an der Oberfläche. Das Problem ist, dass viele ihre Hausaufgaben im Controlling noch nicht gelöst haben. Man muss da also eher einen Schritt zurück machen und erst einmal die Basisdaten richtig aufsetzen. Das ist wie bei einer Krankheit: Zuerst die Symptome aufmerksam interpretieren und dann die richtige Medizin verabreichen.

Haben Sie Ratschläge und Tipps für die BI-Einführung für Unternehmen?

Viele Eltern haben schöne Töchter. Diesen Slogan sollte man im Bewusstsein haben, denn es gibt viele Lösungen am Markt. Da braucht es ein bisschen Gehirnschmalz, Geld und Zeit, um die passende SW-Auswahl zu treffen. Wichtig ist es auch über den Controlling-Ist-Zustand und die fachlichen Anforderungen in Ruhe nachzudenken.

Ich empfehle auch, dass sich Unternehmen überlegen sollen, wie die Kompetenzen zwischen Fachabteilung und IT verteilt sind. Die Frage ist: Wie funktioniert das Zusammenspiel in punkto SW-Auswahl und später im SW-Betrieb? - Wichtig ist es außerdem, auf die optische Aufbereitung achten. Das ist derzeit die große Baustelle im Reporting. Rund 60 % der ÖCI-Mitglieder, und das sind rund 530 in Österreich, sagen, wir müssen hier etwas verbessern. Hier gibt es auch den Trend, die Visualisierung interaktiver zu machen.

Können die BI-Tools letztlich Excel verdrängen oder bleiben die Controller Excel-verhaftet?

Die Durchdringung von Excel im Controlling ist sehr stark, gewisse Aktivitäten wie Vor- und Nebenberechnungen werden auch weiterhin in Excel passieren. Allerdings sollte man für Standard-Abfragen und Analysen wohl besser spezifische Planungs- oder Reporting-Werkzeuge nutzen.

Die Ablöse von Excel wurde bereit vor über zehn Jahren angekündigt, aber es wird weiter genutzt, denn es ist weit verbreitet und jeder kennt sich damit aus. Viele Anbieter sind daher auch dazu übergegangen, statt einer proprietären Oberfläche einfach Excel als Frontend anzubieten.

Wird der Controller der Zukunft ein Beruf sein, der mehr IT-Know-how abverlangt?

So lange wir in der SAP-Welt denken, sind viele Lösungen recht sperrig. Andere SW-Lösungen sind schon viel komfortabler. Generell wird es für Controller aufgrund der verbesserten Frontends einfacher werden. Allerdings bedeuten die BI-Werkzeuge nicht die Ablöse des Controllers. Die menschliche Planungs- und Reporting-Schnittstelle zwischen Fachabteilungen und Management wird auch in Zukunft wichtig bleiben.

Können Sie schon einen ersten Vorausblick auf die ÖCI-BARC-Tagung 2011 geben?

Wir bemühen uns, Jahr für Jahr die großen, wesentlichen Anbieter-Lösungen zu zeigen, auch jene, die Österreich neu oder wieder bearbeiten, heuer etwa Bissantz mit DeltaMaster - oder Veränderungen am Markt zu zeigen, etwa wenn ein Anbieter gekauft wurde wie Hyperion von Oracle.

In den letzten Jahren waren immer auch Open Source Anbieter bei der Tagung mit dabei. In Amerika scheint sich dieser Trend wieder verstärkt zu haben. Ob aber bei der Tagung 2011 auch wieder eine Open-Source-BI-Lösung zu sehen sein wird, kann ich aus jetziger Sicht noch nicht sagen. Wir würden es uns aber wünschen.

www.oeci.at

www.contrast.at

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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