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Thema: Business Software

Orientierungshilfe

Stammdaten und BI

Stammdaten sind der Dreh- und Angelpunkt für die Bereitstellung dispositiver Systeme für die Planung und Steuerung eines Unternehmens. Unternehmensweite Gesamtarchitekturen für Stammdaten werden heute von allen großen Herstellern als konzeptionelle Grundlage ihrer Angebote verwendet - hier eine Orientierungshilfe.

Daniel Liebhart

Gemäß den jährlich durchgeführten weltweiten "BI Survey" Studien von BARC ist und bleibt die Datenqualität eines der zentralen Probleme bei der Realisierung von BI-Projekten. Die wichtigen Geschäftsentitäten werden in den verschiedenen Systemen unterschiedlich verwendet.

Die Möglichkeiten der modernen BI-Systeme, unterschiedliche Daten zu vereinheitlichen, sind zwar sehr ausgereift, sie stoßen jedoch immer an ihre Grenzen, wenn die Quelldaten zu unterschiedlich sind. Eine Lösung für diese Problematik ist der Einsatz eines Systems zur Verwaltung der Stammdaten, der wesentlichen Grunddaten eines Unternehmens.

Die Idee

Jedes Unternehmen verwendet eine Vielzahl von Informationen, um seiner Geschäftstätigkeit nachzukommen. Diese Informationen werden in verschiedensten Systemen auf unterschiedliche Art und Weise gehalten. Die Geschäftstätigkeit basiert jedoch auf einer endlichen Menge von Entitäten, die für das gesamte Unternehmen wichtig sind. Beispiele solcher Entitäten sind Kunden, Lieferanten oder auch Produkte. Sie werden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit unternehmensweit verwendet. Aus diesem Grund werden sie möglichst getrennt von anderen Daten mittels dedizierten Stammdaten Management Systemen verwaltet und den operativen Systemen zur Verfügung gestellt.

Es gilt: Was für operative Systeme gut ist, ist auch für die dispositiven BI-Infrastrukturen nützlich. Denn Stammdaten sind diejenigen Daten, die gleichzeitig Geschäftsobjekte für Transaktionen in den operativen Systemen und Dimensionen für die Analyse in den analytischen Systemen darstellen. Der Einsatz eines MDM (Master Data Management) Systems hilft, die Durchgängigkeit der Unternehmensdaten und damit die Qualität der Informationen für die Planung- und Steuerung zu verbessern.

Welches System ist das richtige?

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor des Buches „SOA goes real” (Hanser Verlag) und Co-Autor verschiedener Fachbücher.

Die Auswahl und die Einführung eines MDM-Systems ist kein leichtes Unterfangen, da in jedem Fall eine Vielzahl von operativen und dispositiven Systemen betroffen ist. Die Lösungen der großen Hersteller basieren auf Gesamtarchitekturen, die es auf die bestehende Infrastruktur abzubilden gilt.

Aus Architektursicht können diese Lösungen in zwei Bereiche aufgeteilt werden: die zentralen Systeme und die integrierten Systeme. In einem zentralen System erfolgt die Verwaltung, die Speicherung und die Erzeugung der Daten in einer getrennten Anwendung, welches auch für die Verteilung der Stammdaten an die verschiedenen Zielsysteme zuständig ist. In einem integrierten System ist die Verwaltung der Stammdaten Bestandteil eines operativen Kernssystems oder der BI-Infrastruktur.

Die zentralen Systeme: IBM und Oracle

IBM und Oracle basieren ihre Lösungen für Stammdaten - und davon haben sie nicht nur eine im Portfolio - auf einer Referenzarchitektur. Gemeinsam ist diesen Referenzarchitekturen, dass sie auf den unternehmensweiten Einsatz ausgelegt sind, sich also in die bestehende Anwendungslandschaft einfügen lassen.

Die IBM "Master Data Management Reference Architecture" sieht eine Arbeitsteilung zwischen der Verwaltung, der Strukturierung und dem Zugriff auf die Stammdaten vor. Diese Referenzarchitektur erlaubt die Umsetzung eines Systems, welches die Verwaltung des Stammdaten Lebenszyklus und der Datenqualität sowie die Harmonisierung und Analyse der Stammdaten unterstützt. Interessant an diesem Ansatz ist, dass er produktneutral alle möglichen Funktionen eines Master Data Management Systems abdeckt.

Die Referenzarchitektur für Stammdatensysteme von Oracle nennt sich "Ideal Information Architecture". Sie besteht aus zwei Teilen: aus der Technologie, um Stammdaten unternehmensweit zu profilieren, zu konsolidieren und zu synchronisieren sowie aus dem Master Data Management System, welches die Stammdaten verwaltet und die strukturierten und unstrukturierten Stammdaten anreichert. Die Architektur von Oracle sieht spezialisierte Ausprägungen von Master Data Management Systemen vor, die so genannten Data Hubs. Je nach Domäne (Kunde, Produkt oder andere) kommen andere Data Hubs zum Einsatz, die jedoch alle auf dieselbe Art und Weise aufgebaut sind und die mit vorgefertigten Datenmodellen und Verwaltungsprozessen ausgestattet werden.

Die integrierten Systeme: SAP und Teradata

SAP und Teradata verstehen die Verwaltung von Stammdaten als integralen Bestandteil eines Kernsystems. Die Referenzarchitektur für die Stammdatenverwaltung von SAP ist ein integraler Bestandteil der Enterprise Service Architecture (ESA), die die Grundlage für die Umsetzung adaptiver betrieblicher Informationssysteme darstellt. Das Master Data Management System ist damit ein zentraler Service der Technologieplattform, die in drei Teile (People Integration, Information Integration und Process Integration) aufgeteilt ist. Aus Architektursicht sieht SAP eine Arbeitsteilung zwischen dem eigentlichen Master Data Management System, einem Subsystem für die Datenqualität und einem anderen Subsystem für die Datenintegration vor.

Die Firma Teradata nennt die Referenzarchitektur für die Realisierung von Stammdatensystemen Master "Data Management Solution Architecture". Die Funktionen eines Master Data Management Systems sind integraler Bestandteil eines zentralen so genannten Warehouse Environments, welches sämtliche aus den operativen Systemen extrahierten Daten an einen einzigen Ort speichert. Die Stammdaten sind ein Teil dieser zentralen Daten.

Was eignet sich wofür?

Die IBM Referenzarchitektur für ein Master Data Management System ist mit seiner Arbeitsteilung und seinen detaillierten Komponenten das vollständigste abstrakte Modell eines Stammdatensystems. Es bietet gute Orientierungshilfen für die Realisierung umfassender Master Data Management Systeme. Die Ideal Information Architecture von Oracle geht von einem zentralen Master Data Management System aus. Dieses System stellt sowohl für die operativen als auch für die analytischen Systeme die Stammdaten bereit. Die Architektur eignet sich für die Realisierung getrennter Stammdatensysteme und hat ihre Stärke in der klaren Trennung zwischen der Verwaltung und der Bereitstellung der Daten, welche für viele praktische Anwendungen sehr nützlich ist.

Die SAP Referenzarchitektur für Stammdatenlösungen geht von einem zentralen Stammdaten-Server aus, der das Stammdaten Repository und eine Reihe von Services enthält. Falls ein Unternehmen ein SAP-System als wichtigstes Informationssystem einsetzt, kommt es nicht darum herum, bei der Auswahl einer Stammdatenlösung die SAP-Referenzarchitektur zu berücksichtigen. Die Referenzarchitektur von Teradata beschreibt die Stammdatenlösung als integralen Bestandteil des Enterprise Warehouse Environments, welches sämtliche aus den operativen Systemen extrahierten Daten an einen einzigen Ort speichert. Dieser Ansatz ist in der Praxis dann relevant, wenn ein Unternehmen eine so genannte "Singe Point of Truth" Architektur realisiert.

www.trivadis.at

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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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