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Thema: Business Software

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Microsoft rüstet als Business Intelligence Plattformanbieter auf

Im hartumkämpften Business Intelligence und Performance Management Markt ist der Trend zur Standardisierung auf einige wenige BI Plattformen unübersehbar. Microsoft als einer der großen vier Softwareanbieter erweitert laufend sein Angebot - und greift mit neuen Angeboten für große Data Warehouse Szenarien an. Ein Überblick.

Stefan Sexl

(Bild: stock.xchng)

Der Business Intelligence Markt, entstanden in den frühen 90er Jahren, blickt auf lange Jahre starken und stetigen Wachstums zurück. Viele Anbieter sind entstanden und in Nischen stark gewachsen - deswegen haben viele Unternehmen heute oft mehr als 10 unterschiedliche BI Lösungen im Einsatz. Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer des BARC Instituts, Würzburg, spricht von einem "Tool Zoo", den Unternehmen im Augenblick zu reduzieren versuchen. Im daraus resultierenden Kampf um die - möglichst unternehmensweite - "BI Plattform" sehen sich dabei die vielen kleinen und mittelgroßen Anbieter zunehmend dem Druck der "großen vier" Softwaregiganten SAP, IBM, Oracle und Microsoft ausgesetzt.

Denn drei der vier haben in den letzten beiden Jahren durch Übernahmen ihr BI Portfolio vollständig neu aufgestellt: IBM (durch die Übernahme von Cognos), Oracle (Hyperion) sowie SAP (Business Objects) haben sich 2007 durch große Akquisitionen in führende BI Anbieter verwandelt. Damit sind seit Ende 2007 mit einem Schlag laut dem englischen "OLAP Report" rund 90% des Marktes in den Händen der fünf größten Anbieter - neben den genannten vier wird hier noch MicroStrategy als fünfter hinzugerechnet, in anderen Analysen wird diese Rolle meist SAS zugeschrieben.

Stefan Sexl ist seit 20 Jahren im Markt für Business Intelligence und Performance Management tätig. Er ist Mitgründer und Vorstand der pmOne AG, München und Wien.

Der vierte im Bunde der Softwaregiganten, Microsoft, setzt traditionell stärker auf seine eigene Softwareentwicklung. Ausgehend von den OLAP Funktionalitäten in SQL Server, die seit Ende der 90er Jahre integriert sind, ist rund um Office und zunehmend auch SharePoint ein umfassendes BI-Portfolio entstanden. Dieses wurde in der neuesten Generation mit Office 2010 und SharePoint 2010 erneut stark erweitert.

In-memory OLAP mit "PowerPivot"

Eine der spannendsten Neuerungen im Microsoft Produktportfolio trägt den Namen "PowerPivot" und ist für Excel 2010 Anwender als kostenloser Download unter www.powerpivot.com verfügbar: Es handelt sich dabei um eine so genannte "In-Memory" OLAP Datenbank, also eine neue Komponente, die gegen Produkte wie TM/1 (heute Teil des IBM Produktportfolios) oder Qlikview positioniert ist. In-Memory Datenbanken haben sich seit den 80er Jahren zunächst vorwiegend in Nischen wie Finanz- und Controllinganwendungen etabliert und zeichnen sich durch schnelle Berechnungen und davon abgeleitet gute Simulations- und Modellierungsfähigkeiten aus und versprechen, die Vorteile von OLAP auf den Desktop von Fachanwendern zu bringen. In einem Praxisbeispiel demonstriert Microsoft mit PowerPivot, wie 100 Millionen Datensätze ohne Serverhardware auf einem Desktop in eine In-Memory Datenbank konvertiert werden und dort blitzschnell für Auswertungen zur Verfügungen stehen.

In der einfachen Modellierbarkeit für Fachabteilungen steckt vermutlich sogar der wichtigere Aspekt als der Umstand, dass Daten ab sofort optional im Hauptspeicher schneller verarbeitet werden: Mit Excel erhält das - laut einer Unzahl von Studien - mit Abstand populärste BI Frontend der Welt OLAP- Modellierungs- und Simulationsfähigkeiten, die bestehenden Anwendern sehr einfach zugänglich gemacht werden. Die Idee ist, dass Fachanwender semi-strukturierte Excel Dateien oder Datenbanken in strukturierte Analysen verwandeln können. Bisher setzten die "Analysis Services", also der OLAP Teil des SQL Servers, stärkere IT Kenntnisse voraus, bevor Excel als BI Frontend genutzt werden kann. Bis zu dem von Microsoft propagierten "BI for the masses" wird es wohl realistischer Weise noch ein weiter Weg sein - ein wesentlicher Schritt, BI einfacher zugänglich zu machen, wird damit aber zweifellos gesetzt.

Interessanterweise wird damit aber auch ein der "BI Standardisierung" gegenläufiger Trend gesetzt: Durch die Verlagerung von Modellierungsfähigkeiten auf den Desktop besteht die Gefahr, erneut Abteilungsinseln zu schaffen. Dieser Gefahr wird mit einer engen Einbettung in SharePoint begegnet: Um die strukturierte Nutzung von BI in Teams zu erleichtern, können Fachanwender Arbeitsergebnisse mit wenigen Klicks über Sharepoint für Kollegen im Team verfügbar machen - die dann in einer "zero install" Umgebung beispielsweise mit PowerPivot generierte Analysen multidimensional analysieren und kommentieren können.

Planung neu geordnet

Beim Thema Performance Management (betriebswirtschaftliche Steuerungsanwendungen wie Unternehmensplanung oder Konsolidierung) setzt Microsoft anders als die großen Mitbewerber auf Partnerschaften zu spezialisierten Anbietern wie Tagetik oder Clarity, wird aber auch von einer Reihe von lokalen Anbietern wie - am Beispiel des deutschsprachigen Marktes - Corporate Planner, prevero oder Winterheller unterstützt.

Die auf den ersten Blick überraschende Ausrichtung hat wohl den Hintergrund, dass Planung ein stark lokaler Markt ist: Planung als Performance Management Kernanwendung ist wesentlich lokaler als "globalisierte" Anwendungen wie beispielsweise Reporting, was an unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen liegen dürfte: Die integrierte Unternehmensplanung, die in Zentraleuropa als Ansatz meist gewählt wird, unterscheidet sich sehr stark vom amerikanischen "Budgeting" Ansatz. Durch die Entscheidung, die "letzte Meile" - also die Bündelung der Planungsfähigkeiten in eine fertige Applikation - Partnern zu überlassen, erhofft sich Microsoft also offensichtlich mehr lokale Marktnähe - und nimmt die geringere Durchschlagkraft der meist kleineren Anbieter in Kauf. Es wird spannend zu beobachten, wie sich der Ansatz in der Praxis bewährt.

Stärkere Wahrnehmung im Markt für "Enterprise Data Warehouse"

Im Umfeld der großen, unternehmensweiten Data Warehouse Lösungen haben Microsoft SQL Server basierende Installationen in den letzten Jahren langsam, aber stetig zugenommen. Die Skalierbarkeit ist von Version zu Version besser geworden, mittlerweile setzen zunehmend auch Unternehmen in datenintensiven Branchen auf Microsoft als backend Plattform mit vergleichsweise geringen "Total Cost of Ownership". Um diese Entwicklung zu beschleunigen und für eine bessere Wahrnehmung am Markt zu sorgen, bietet Microsoft gemeinsam mit Hardwarepartnern wie HP, Dell und anderen neue Komplettangebote an. Unter den Namen "Fast Track" werden fertig konfektionierte Kombinationen verkauft, die bis in hohe Terabyte Bereiche skalierbar sind. In einer weiteren Ausbaustufe namens "Parallel Data Warehouse" wird die Architektur durch Parallelisierung und Load Balancing für extrem große Einsatzszenarien erweitert.

Damit tritt Microsoft in ein Wettbewerbsumfeld, in dem Anbieter wie Teradata sich einen Namen gemacht haben. Die Bündelung der Leistungen aus Hardware, Software und auch Dienstleistungen soll dazu beitragen, Microsoft als ernsthaften Anbieter von Business Lösungen in diesem Segment weiter zu positionieren.

Homogenes Angebot für Partner

Generell ist und bleibt der Markt für Business Intelligence Lösungen ein extrem innovativer und bewegter. Das Match der kleinen, spezialisierten Anbieter mit den "großen 4" bleibt ebenso spannend wie die Verteilungskämpfe der vier großen Plattformanbieter untereinander. Ganz offensichtlich verfolgt Microsoft die Strategie, unternehmensweite BI Funktionalität in den drei Produkten SQL Server (Datenbank & Reporting), SharePoint (Web Portal) und Office (Excel als umfassendes BI Front-End inklusive Data Mining) bereitzustellen und bei der Vermarktung und "letzten Meile" der Lösung stark mit Partnern zusammenzuarbeiten. Microsoft spielt produktseitig dabei als Stärke die Homogenität in den Produkten aus - durch den weitgehenden Verzicht auf Akquisitionen und das Setzen auf Eigenentwicklung passen die BI-Komponenten besser zusammen als bei manchem Wettbewerber, der sein BI Portfolio durch Zukäufe zusammengestellt hat.

www.pmone.at

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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