KMUs stellen die ERP-Anbieter vor große Herausforderungen. Einerseits besitzen diese eine hohe Individualität, Flexibilität und Marktorientierung andererseits sind die IT Budgets meist sehr gering.
Gerade im deutschsprachigen Raum ist der Einsatz von Enterprise Resource Planning (ERP)-Systemen weit verbreitet, wobei die fortschreitende Globalisierung die lokalen Anforderungen internationalisiert. Zusätzlich bietet der schnelle technische Wandel immer mehr Chancen unternehmerisch zu agieren und auf Herausforderungen und Problemfelder zu reagieren. Vice versa stellen gerade diese Chancen auch Risiken dar.
Im Rahmen der ERP Future 2010 in Innsbruck präsentierten die teilnehmenden Unternehmen Terna GmbH, SIAB Business Solutions GmbH & CoKG, CMC-Solutions, PSIPENTA Software Systems GmbH und Comarch Solution GmbH zusammen mit Anwendern aktuelle Lösungen. Eine abschließende Podiumsdiskussion schlug die Brücke zur Forschung, vertreten durch Dr. Kurt Promberger vom Institut für Verwaltungsmanagement der Universität Innsbruck.
Abwarteposition ERP?
Christian Kranebitter, Terna, beleuchtete vor dem Hintergrund der Microsoft-Lösung Dynamics AX die aktuellen Anwenderbedürfnisse. Laut Kranebitter erfordert das Business agile und flexible Systeme. Die eingesetzte Software ist aber oft veraltet und kann meist mit den aktuellen Anforderungen nicht mit halten. Viele Unternehmen haben Bedarf, eine neue Lösung zu implementieren, trotzdem befinden sie sich in einer "Abwarteposition" ERP.
Für ihn sind folgende beispielhafte Punkte für eine zeitgemäße ERP-Lösung relevant: nahtlose Integration der gesamten Business Software (Reporting), integriertes Geschäftsprozessmanagement, Optimierung der Abläufe, Prozesskostenreduktion, angepasste Implementierungsmethoden, hohe Eigenständigkeit nach Implementierung , flexiblere Softwarelizenzmodelle.
Merkmale zukunftsweisender ERP-Systeme
Auch Karl Haag (CMC-Solutions) und Michael Horner (Flatz Verpackungen-Styropor GmbH) stellten sich der Frage nach zukunftsweisenden ERP-Systemen. Man erwartet von ERP-Systemen heute, dass sie alles können und alle Bereiche im Unternehmen abdecken. Zudem sollen sie das Unternehmen bei seiner Entwicklung unterstützen und wenn möglich zu einem Wettbewerbsvorteil verhelfen. Der Vortrag legte den Fokus vor allem auf die Performancesteigerung durch ERP-Systeme und mögliche Strategien, diese zu optimieren. Dazu zählen das Handling zu vereinfachen und transparent zu machen, Programme und Module voll zu integrieren und Prozesse zu automatisieren. In diesem Zusammenhang wurden auch drei "Mega"-Trends ausgemacht: das Ende der Papierablage, der vermehrte Einsatz von Performance Cockpits bei kritischen Prozessen und eine optimierte, "fitte" Verwaltung.
Sascha Trathnigg (SIAB Business Solutions GmbH & CoKG) und Gernot Eder (ewe Küchen GmbH), präsentierten passend zu diesen "Vorgaben" die Umsetzung eines Vertriebscockpits basierend auf SAP Web Application Server für ein neues, webbasiertes User-Interface mit voller ERP-Integration.
Der Stellenwert von ERP
Herbert Hadler (Psipenta Software Systems GmbH) und Martin Pauli (Wilhelm Schwarzmüller GmbH) widmeten sich der Frage nach dem Stellenwert von ERP-Systemen in und nach der Wirtschaftskrise und zukünftigen Entwicklungen.
Dabei zeigte sich, dass eine Renaissance von Best of Breed-Strategien gibt und das die Anforderungen an den Systemlieferanten bzw. Systemintegrator in Beratung, Konzeption und Umsetzung gestiegen sind. Außerdem muss, je verzweigter und internationaler Unternehmen arbeiten, desto mehr Augenmerk auf Planung, Steuerung und Kontrolle gelegt werden. Hier kommen dann auch Lösungen im Business Intelligence-Umfeld (BI) oder Manufacturing Execution System (MES) im Fertigungsbereich ins Spiel.
Gerhard Reiter (Comarch Solution GmbH) und Eric-Jan Kaak (Blizzard Sport GmbH) referierten über die ERP-Einführung bei Blizzard, über die Herausforderungen des Projekts vom ersten Kontakt mit dem Anbieter auf der ITnT in Wien im Jahre 2008 bis zum Projektabschluss des ERP-Teils etwas über ein Jahr später.
Podiumsdiskussion
Die abschließende Podiumsdiskussion bot gewissermaßen die Querschnittssumme aus den Vorträgen. Dr. Kurt Promberger betonte, dass sich die Wissenschaft mit der Praxis beschäftigen sollte und dass die Anbieter noch mehr Augenmerk auf Bedienerfreundlichkeit legen sollten. Speziell für KMUs liege die Hürde in der Komplexität und im mangelnden betriebswirtschaftlichen Denken. Oft fehlen die Qualifikationen für den Einsatz von ERP. Er regte an, bereits Studenten mit ERP-Systemen vertraut zu machen. Controlling sei heute ohne ERP und BI nicht mehr denkbar.
Auf die Frage eines Teilnehmers nach der ERP-Landschaft der Zukunft wurde ziemlich übereinstimmend eine Konsolidierung der Anbieter in Erwägung gezogen, wobei kleineren Anbietern gute Chancen in Nischen und auf lokalen Märkten eingeräumt wurden.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 