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Strategien

Serie: IT-Forschung in Österreich

Auf der Suche nach der intelligenten Interaktion

IT ist nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an den heimischen Unis und in der Forschung immer mehr präsent. MONITOR sprach darüber mit Martin Hitz, seit zehn Jahren Univ.-Prof. für interaktive Systeme an der Uni Klagenfurt.

„Wissenschaftler müssen sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren dürfen.” Martin Hitz, Univ.-Prof. für Interaktive Systeme, Institut für Informatik-Systeme, Uni Klagen­furt (Foto: privat)

Was sind derzeit zentrale Fragestellungen in Ihrem Forschungsgebiet?

Wir beschäftigen uns generell mit Benutzerschnittstellen für interaktive Systeme. Das umfasst Usability Engineering (die ingenieurmäßige Entwicklung gebrauchstauglicher Systeme) sowie die Erforschung klassischer und nichtklassischer Benutzerschnittstellen, insbesondere auch Aspekte der abnehmenden Interface-Stabilität. Denn die Schnittstellen sind längst nicht mehr auf Tastatur und Bildschirm beschränkt, sondern werden immer unsichtbarer und vielfältiger.

Die zentrale Frage im klassischen Bereich lautet: Welche Art von Menügestaltung führt zur effizientesten Interaktion? Im nichtklassischen Bereich kümmern wir uns u. a. um Gebrauchstauglichkeit von 3D-Interaktionen bzw. um Akzeptanzfragen im Kontext von komplexen interaktiven Systemen, etwa am Beispiel von Smart Homes.

Welche Forschungsprojekte haben Sie gerade laufen?


Aktuell arbeiten wir an „Casa Vecchia”, einer Langzeitstudie zu Akzeptanzfragen im Smart-Home-Bereich. Dabei werden 20 Haushalte von alleinlebenden älteren ­Personen in Hinblick auf die Bedürfnislage in Bezug auf bzw. den Umgang mit intelligenten Steuerungskomponenten untersucht www.casavecchia.at. Ein weiteres Projekt ist „WeCare” zur Nutzung des Wissens der Vertriebs- und Kunden-Communities für personalisierte Konfigurations- und Rekonfigurationsprozesse, mit dem Ziel der Erhöhung des Kundeninteresses und der Beratungsqualität, wobei sich meine Arbeitsgruppe um entsprechende Benutzerschnittstellen kümmert.

Zwei weitere Forschungsprojekte sind gerade in der Begutachtungsphase: Das eine beschäftigt sich mit der Vereinheitlichung von Entwurfsmustern im Bereich Mensch-Maschine-Kommunikation, das andere mit der Optimierung von 3D-Interaktionen im Kontext von psychologischen Kognitionstests für ältere Menschen.
Darüber hinaus sind wir an drei Interventionsprojekten beteiligt: Das Interreg IV-Projekt Tri-ICT soll Angebot und Nachfrage im Bereich der IKT-Entwicklungskompetenz von KMUs grenzüberschreitend (mit Friaul-Julisch Venezien) zu einander führen www.tri-ict.eu, während „Villach 2020” die Stadt Villach bei der Optimierung ihres Strategieprozesses zur nachhaltigen Sicherung der Qualität des Wirtschaftsstandorts unterstützen soll. „My featured space” www.myfeaturedspace.info schließlich ist ein Sparkling-Science-Projekt für Mittelschulen im Dreiländereck.

Meine Arbeitsgruppe ist seit 2000 Teil des Instituts für Informatik-Systeme. Wir sind derzeit sieben Wissenschaftler, drei davon sind Dissertanten. Die Drittmitteleinnahmen variieren stark, das derzeitige Projektvolumen beläuft sich auf rund 700.000 Euro. Die letzten drei Jahre waren einerseits durch eine (universitätsweite) Stagnation der Globalmittel charakterisiert, andererseits aber durch eine verstärkte interdisziplinäre Vernetzung meiner Arbeitsgruppe, insbesondere in Richtung Wirtschaftswissenschaften und Psychologie.

Sie sind auch Dekan der Fakultät für Technische Wissenschaften, wie viel Zeit bleibt Ihnen persönlich noch für Forschung?

Das Dekanat ist tatsächlich relativ aufwendig und in Zeiten von Budgetreduktionen auch nicht besonders amüsant. Mein Zeitbudget verteilt sich exakt wie folgt: 38 % Dekanat, 33 % Lehre, 12 % Forschung und Projekttätigkeit, 10 % Verwaltungstätigkeit am Institut, 5 % Arbeit in der akademischen Community (Begutachtungen etc.) sowie 2 % Fahrtzeiten.

Sie haben in Wien studiert und sind seit zehn Jahren in Klagenfurt. Was schätzen Sie da und dort, was finden Sie weniger gut?

Die TU Wien war damals und ist wohl heute auch noch das österreichische Flaggschiff in diesem Bereich. An der Uni Klagenfurt ist allerdings der Betrieb deutlich persönlicher und die Betreuung individueller, und es gibt mittlerweile sehr viele spannende Spezialisierungsmöglichkeiten. Insgesamt gibt es 14 Informatik- und Informationstechnik-Lehrstühle.

Was halten Sie von der heimischen IT-Forschung?


Ich halte sie für ausgezeichnet. Probleme sehe ich primär in der Grundfinanzierung, die allerorts stagniert oder gekürzt wird, was sich bei der Projektakquise aufgrund der Selbstbehalte, die in vielen Fördermodellen vorgesehen sind, negativ auswirkt.

Was würden Sie sich von der Wissenschaftsministerin wünschen?

Die Wiedereinführung von Studiengebühren, die in der gegenwärtigen Budgetlage unverzichtbar sind und die Ermöglichung effektiver Steuerungsmechanismen für überlastete Studienrichtungen. Und eine Abkehr von der permanenten „Reformitis” im Universitätssystem. WissenschaftlerInnen müssen sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren dürfen.

www.uni-klu.ac.at/tewi/in4f

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Termine

18. Juni - 22. Juni

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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