Am Markt für Computerserver herrscht Nachfrage wie in Vor-Krisenzeiten: Laut aktuellen Zahlen des Branchenforschers IDC sind die Umsätze im zweiten Quartal dieses Jahres um 11 % auf 10.9 Mrd. Dollar gestiegen. Das sei der höchste Zuwachs seit 2003, erklärte IDC.
Die globale Finanzkrise hat also offenbar einen Bogen um den Servermarkt gemacht. Die großen der Branche, Hewlett-Packard, IBM, Dell, Oracle und Fujitsu freuen sich über solide Auftragseingänge, und der Bedarf bei Unternehmen scheint ungebrochen.
Trotz weltweitem Downsizing in vielen Sektoren ist der Hardwarebedarf in vielen Unternehmen also aufrecht. Firmennetzwerke sind Nervenzentren für das gesamte Business, und kaum ein IT-Chef kann sich leisten, im Konkurrenzumfeld abzufallen, was Leistungsfähigkeit und Innovation im Serverumfeld betrifft.
Allerdings zeigt sich doch ein Trend zum Sparen: Laut IDC sind die Umsätze bei den günstigeren Massenmarkt-Servern und bei Geräten im mittleren Bereich gestiegen, während es bei den High End-Servern einen deutlichen Rückgang von mehr als 27 % gegeben hat. Während die Firmen also konsequent aufrüsten, muss es nicht mehr das allergrößte, beste und teuerste sein.
Davon profitieren naturgemäß die großen Hersteller, die in der Lage sind, Massenware, in diesem Fall x86-Server, zu attraktiven anzubieten. Unix- und Mainframe-Server waren weniger gefragt, jedoch rechnen die Marktforscher mit einem Anziehen der Nachfrage im laufenden Halbjahr, was neben IDC auch Gartner feststellte.
Ein bisschen Wehmut bleibt aber doch, weil der Trend zum Billigprodukt die Erträge in der Branche drückt und so auch die nötigen Entwicklungsinvestitionen schmälert. Es wäre also etwas zu früh, um die Krise für beendet zu erklären. Investitionsentscheider in Unternehmen bleiben realistisch und wollen keine großen Sprünge machen. Die Serverbranche wird diesen Ansprüchen gerecht werden müssen.
Für die gesamte Branche hat Gartner nämlich seine Wachstumsprognose für heuer von 5,3 auf 3,9 % gesenkt. Die Begründung: In Europa werden vor allem öffentliche Großkunden angesichts der Schuldenkrise ihre Ausgaben einschränken, zudem verteure der schwache Euro die Investitionen. Private Branchen wie Telekommunikation könnten dies nur bedingt wettmachen. Doch auch hier stellten die Analysten fest: Der Hardwaremarkt bleibt das Zugpferd der IT-Branche.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 