Geocaching ist ein gutes Beispiel für die Eigendynamik, die Communities webgestützt entwickeln – und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen durch einen webgestützten Multiplikationsfaktor weltweite Präsenz erlangen. So hat es das amerikanische Unternehmen Groundspeak geschafft, aus Geocaching ein Business-Modell abzuleiten. Groundspeak betreibt die weltweit größte Geocaching-Datenbank geocaching.com und verdient an Premium-Mitgliedschaften und dem andockenden Merchandising. Mit naturnahen, familienfreundlichen Botschaften lädt das Unternehmen weltweit zum Verstecken von Plastikdosen ein, die dann mittels GPS-Navigationsgerät oder Smartphone gesucht werden können. Die Versteckorte sind als geografische Koordinaten in einer Web-Datenbank abgelegt und mit Beschreibungen versehen.
Kommerziell interessant
Dass die innerhalb von 10 Jahren gewachsene, weltweite Cacher-Community immer stärker kommerzielle Begehrlichkeiten weckt, verwundert nicht. Allein hierzulande gibt es derzeit rund 14.000 versteckte Geocaches und rund 5000 aktive Sucher. In Österreich haben bis jetzt zum Beispiel Tourismusverbände, ein Sport- und Freizeitausstatter und eine Getränkefirma versucht, Geocaching als Marketingtool einzusetzen – mit unterschiedlichem Erfolg.
Vor diesem Hintergrund war die Veranstaltung mit dem klingenden Motto „Suchst du noch oder verdienst du schon?“ hochkarätig besetzt: Dr. Gerhard Laga, Wirtschaftskammer Österreich; Mag. Gerhard Gstettner MBA, Produktentwicklung Ötztal Tourismus; Roman Temper, Reviewer von geocaching.com; Michael Schellnegger, Marketing Leiter von Garmin Austria, sowie Mag. Johannes Brimmer, Geschäftsführer des IT-Unternehmens IQSoft, die das Geocaching-Karten-Tool „Cach'Eye“entwickelt hat.
Doch wer sich im Publikum hauptsächlich Informationen zur kommerziellen Verwertbarkeit erwartet hatte, wurde nur bedingt zufrieden gestellt. Dass Garmin als Hersteller von Navigationsgeräten im Outdoorbereich Geld verdient, war zu erwarten gewesen. Michael Schellnegger berichtete aber auch, dass man zunehmend Anfragen von Firmen erhalte, die Geocaching beispielsweise im Rahmen von Events nützen wollen.
Gerhard Gstettner sprach über Geocaching und Tourismus. Demnach machen Geocacher oft dort Urlaub, wo es die meisten Caches zu holen gibt. Daher ließe sich das „Spiel“ für den Tourismus durchaus nutzen. Jedoch sei der Tourismus gefragt, sanfte Konzepte zu entwickeln, da die Community auf aggressives Marketing eher sensibel reagiert. Gerhard Laga, WKÖ, verwies in diesem Zusammenhang auf die Präsentation des Themas „Tourismus und Geocaching“ im Rahmen des „E-Day“ der Wirtschaftskammer im März 2010.
Roman Temper, Reviewer von geocaching.com, gab eine selbstironisch eingefärbte Einführung in die nicht unkomplexe Geocaching-Thematik, die für Interessenten an einer kommerziellen Nutzung einige Fallstricke bereithält. Johannes Brimmer hat Hobby und Beruf ideal verknüpft: Mit seiner Erfahrung im Bereich der professionellen Aufbereitung und Visualisierung von umfangreichen Geodatenbeständen hat er eine interaktive Karten-Webseite für Geocaching entwickelt. Dabei gemachte Erfahrungen, etwa in der Benutzerführung, wurden und werden für Kundenanwendungen genützt.
Konsens herrschte darüber, dass sich die Community nicht von der Wirtschaft vereinnahmen lassen möchte und dass zu viele Geocacher dem Spiel und der Natur langfristig gesehen nicht gut tun würden.
Die Schattenseiten
Dem aufmerksamen Zuhörer wurde allerdings bewusst, dass Geocaching nach dem unglaublichen Wachstumsschub der letzten Jahre mit den Schattenseiten einer üppigen, wenig kontrollierten Verbreitung zu kämpfen hat. Diese Schattenseiten verweisen auch auf einen rechtlichen Graubereich (zum Beispiel die Frage nach dem (Privat-)Grundbesitzer des Versteckortes), der möglicherweise erst dann negative Auswirkungen zeigt, wenn gewisse Akzeptanzgrenzen überschritten werden – das heißt, wenn der versteckte Cache (zu) oft gesucht wird.
Wenn also ein Tourismusverband oder eine Firma mittels Geocaching ihre Marke und/oder ihren Gewinn „auffetten“ möchten, dann kann nur empfohlen werden, sich schon im Vorfeld nach wissenden Ansprechpartnern umzuschauen. Schließlich soll sich der sorgsam versteckte und womöglich mit Gratisgutscheinen „vollgestopfte“ Cache nicht als Bumerang für das Unternehmensimage erweisen.
Weitere Einstiegsinformationen zur österreichischen Geocaching-Community unter:



1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 