Dabei werden selbstverständlich auch Begehrlichkeiten geweckt, die es im Anschluss zu befriedigen gilt. Die Alternative, darauf zu verzichten und eine aus IT-Sicht optimale Lösung zu etablieren, ist vom Ansatz her zum Scheitern verurteilt, weil dies bestenfalls zu einer Schatten-IT führt, die aus Unternehmens-, Anwender- und letztlich auch aus IT-Sicht unbefriedigend ist, so die Experten des IT-Analysten.
„Die meisten Unternehmen setzen derzeit noch auf Fat-Clients, überwiegend Desktops und Notebooks, und versuchen über geeignete Systemwerkzeuge das Management und vor allem das Patchen der Betriebssysteme und Applikationen einigermaßen effizient zu gestalten“, stellt Wolfgang Schwab, Senior Advisor und Program Manager Efficient Infrastructure der Experton Group, fest.
Um dies noch zu unterstützen, versuchen viele Unternehmen die Modellvielfalt der Clients stark zu begrenzen, so dass unterschiedliche Treiber nicht zum Problemfall werden. In einer idealen Welt ist dies eine Option, in der realen aber weniger. Untersuchungen zeigen, dass mehr und mehr Consumer-Produkte wie iPad, iPhone, Netbooks, etc. von den Mitarbeitern in den Unternehmen genutzt werden, häufig ohne das Wissen der IT-Verantwortlichen und ohne offiziellen Support. Was die Anwender nicht daran hindert sich über den fehlenden oder schlechten Support zu beklagen.
Was bei den Unternehmen häufig fehlt, ist eine umfassende und zukunftsorientierte Client-Strategie, die einerseits die Schwächen des Status Quo adressiert und andererseits offen mit den Herausforderungen neuer Endgeräte umgeht und nicht versucht, diese zu umgehen – was früher oder später ohnehin nicht mehr haltbar sein wird.
Wie kommt man zu einer zukunftsorientierten Client-Strategie, die alle Beteiligten, also die unterschiedlichen Anwendergruppen, IT, den Sicherheitsbeauftragten und den CFO zufrieden stellt und gleichzeitig auch die Unternehmensbelange optimal adressiert?
„In einem ersten Schritt geht es nicht um eine möglicherweise bessere Technologie, sondern um die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse der Anwender und des Unternehmens“ stellt Schwab weiter fest. Mit anderen Worten, bevor über Technologien wie Application Streaming oder VDI nachgedacht wird, sollte ein Untersuchung mit dem Ziel erfolgen, die Anforderungen der relevanten Gruppen einerseits und die Möglichkeiten der IT andererseits zu erfassen. Auf dieser Basis kann dann entschieden werden, wie weiter zu verfahren ist. Nach einer derartigen Analyse kann auch besser entschieden werden, ob die Client-IT weiterhin im Unternehmen betrieben oder vielleicht besser nach außen gegeben wird.
Eine gute Gelegenheit die Client-Strategie von Grund auf neu zu überdenken, ist das absehbare Ende von Windows XP im Jahr 2014 und damit verbunden eine mögliche Migration auf Windows 7 oder einen Nachfolger. Die größte Herausforderung ist in diesem Zusammenhang der Test aller Client-basierten Anwendungen. Bei den meisten Unternehmen sind dies zwischen 20 und 50 Kernanwendungen und zwischen 500 und 5.000 Spezialanwendungen, die nur von einzelnen Anwendern genutzt werden, nichtsdestotrotz aber getestet werden müssen. Die alleine für das Testen benötigten Budgets können je nach Komplexität extrem hoch sein, so dass Überlegungen in Richtung einer der möglichen Client-Virtualisierungsvarianten sinnvoll sein können.
Wie sollte also konkret vorgegangen werden?
Experton Group schlägt für die Entwicklung einer umfassenden und zukunfts-orientierten Client-Strategie das folgende Vorgehen vor:
In einem ersten Schritt ist es notwendig, die aktuellen und die absehbaren zukünftigen Bedürfnisse der unterschiedlichen Anwendergruppen zu erfassen. Dabei geht es nicht um Technologien, sondern um echte Business Anforderungen
Auf Basis dieses ersten Assessments sollten die Bedürfnisse gegenüber der Business Relevanz priorisiert werden, d.h. wichtige Anforderungen vom schmückenden Beiwerk zu trennen.
In einem dritten Schritt ist es notwendig, den aktuellen Client-Betrieb zu erfassen und zu bewerten. Entscheidend ist hierbei, eine Antwort auf die folgenden Fragen zu finden:
- Was kann mit den aktuellen Ressourcen erreicht werden?
- Welche zusätzlichen Ressourcen sind gegebenenfalls notwendig?
- Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?
- Welche organisatorischen Strukturen sind passend und welche müssen verändert werden?
- Welche Strategie wird derzeit verfolgt und wo liegen die Schwächen?
Auf dieser Basis kann eine neue Client-Strategie formuliert und eine technologische Adressierung begonnen werden. Die Umsetzung der einzelnen Anforderungen erfolgt dann im Rahmen der Möglichkeiten bei gegebenen Ressourcen in der Reihenfolge der Geschäftsrelevanz.


7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 