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Studie

Krisenzeiten sind gut für Firmenübernahmen

Laut einer A.T. Kearney-Studie nimmt in Zeiten wirtschaftlicher Depression die Anzahl von Firmen-Übernahmen ab, obwohl die Erfolgsaussichten dann am größten sind.

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney untersuchte die 50 größten Übernahmen in Europa pro Jahr in der Zeit von 1998 bis 2009 und kommt zu einem überraschenden Ergebnis:

Die Aktienperformance von Unternehmen, die in der Rezession zugreifen, ist im Durchschnitt um 15 bis 20 % höher als die von Unternehmen, die nur in konjunkturellen Hochphasen akquirieren. Sie wachsen auch schneller als der jeweilige Branchendurchschnitt. Übernahmen bleiben dennoch ein Risiko. Nur in den seltensten Fällen, so die Studie, werden alle damit verbundenen Ziele auch wirklich erreicht.

„Während Konjunkturkrisen agieren die meisten Unternehmen sehr defensiv und sind in erster Linie damit beschäftigt, Kosten zu reduzieren oder das Nettoumlaufvermögen zu optimieren. So gehen auch die Fusionsaktivitäten in solchen Phasen stets merklich zurück“, sagt Dr. Robert Kremlicka, Partner und M&A-Experte bei A.T. Kearney: „Diese Phasen sind jedoch eine einzigartige Gelegenheit, offensiv zu agieren und die sich bietenden Chancen zu nutzen. Dabei haben wir gar nicht so sehr auf die Transaktionspreise geschaut. Es geht vielmehr um die grundsätzliche Fusions-Bereitschaft der potenziellen Übernahmekandidaten, die in Krisenzeiten sehr viel höher als in Boom-Phasen ist.“

Viele Unternehmen begreifen eine Rezession als eine Art „Überlebenskampf“, in der es unmöglich scheint, sich auch noch der Herausforderung Mergers & Acquisitions (M&A) zu stellen. Das beweist auch ein Blick auf die M&A-Aktivitäten der letzten Jahre, in denen sowohl Anzahl als auch Volumen von Fusionen in Krisenzeiten stets abgenommen haben.

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Börsenkursentwicklung nach einer Fusion, zeigt sich, dass Unternehmen, die in konjunkturellen Abschwungphasen andere Unternehmen mehrheitlich übernommen haben, nach zwei Jahren einen um 15 bis 20 % besseren Aktienkurs vorweisen können als jene Unternehmen, die nur in wirtschaftlichen Boom-Phasen aktiv werden. Unternehmen, die antizyklisch akquirieren, stehen nach zwei Jahren in dieser Hinsicht sogar besser da als der jeweilige Branchendurchschnitt.

Der Anteil der Unternehmen, die durch eine Übernahme nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielen, ist in Krisenzeiten mit 55 % sehr viel höher als in konjunkturellen Hochphasen mit 34 %. So oder so sind Übernahmen jedoch immer auch kritisch und eine weitreichende strategische Planung und konsequente Umsetzung unerlässlich, um die Fusions-Risiken weitestgehend auszuschließen.

Die meisten Fusionen oder Übernahmen bleiben hinter den Erwartungen in Bezug auf Synergie-Potenziale des fusionierten Unternehmens zurück. In Boom-Phasen sind Restrukt-urierungsprogramme besonders schwierig durchzuführen, da in den Unternehmen das Bewusstsein für Kostenoptimierungen meist fehlt. In Abschwungphasen ist die hohe Dringlichkeit jedoch allen bekannt und damit auch die Bereitschaft, Einschnitte hinzunehmen – was die Realisierung von Synergie-Effekten erleichtert.

„Die Herausforderung, in wirtschaftlichen Abschwungphasen ein anderes Unternehmen zu übernehmen, ist in Summe sicherlich sehr viel größer als in Boom-Phasen. Die Zeitfenster sind enger, die Daily-Business-Belastungen größer und die Anforderungen an einen reibungslosen Integrationsprozess sehr viel höher – doch die Chancen, dadurch mehr Wert zu schaffen und auf innovative Art und Weise zu wachsen, auch ungleich größer“, berichtet Kremlicka aus der M&A-Praxis. 

www.atkearney.at

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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