Einen flexiblen Einstieg ins Cloud Computing für Unternehmen skizzierte Bob Muglia, Bereichsleiter der Microsoft Server and Tools Business Division, auf der diesjährigen TechEd in New Orleans.
Für Systemadministratoren, IT-Manager, Programmierer sowie Geschäftsführer von IT-Firmen ist die Microsoft-Konferenz TechEd , die im Juni in New Orleans stattfand, eine Informationsquelle höchster Güte. Mit knapp 10.000 Besuchern aus der IT-Branche war der Ansturm dementsprechend groß. Dieses Jahr stand die Microsoft-Konferenz ganz im Zeichen von Cloud Computing.
In seiner Eröffnungsrede stellte Bob Muglia, Bereichsleiter der Microsoft Server and Tools Business Division, dann auch die Cloud-Computing-Strategie von Microsoft in den Mittelpunkt.
Im Zentrum von Microsofts Cloud-Strategie steht das Cloud-Betriebssystem Windows Azure, wobei Microsoft nicht nur die Applikationen über die Cloud zur Verfügung stellt, sondern auch die Anwendungsentwicklung als Service über die Cloud anbieten will. Diesen Ansatz bezeichnet man als Platform as a Service (PaaS). Der Clou bei Azure: Während andere Systeme automatisch hochskalieren, wenn mehr Rechenpower benötigt wird, aber dann im Leerlauf arbeiten sobald die Auslastung zurückgeht, skaliert Azure automatisch die benötigte Rechenleistung sowohl nach oben als auch nach unten.
Flexible Cloud-Strategie

Microsoft unterstützt sowohl private als auch öffentliche Clouds wie auch hybride Lösungen, wo Cloud-Services von der eigenen Cloud mit jenen aus dem öffentlich zugänglichen Internet kombiniert werden. (Grafik Microsoft)
Der größte Unterschied, der Microsoft in Sachen Cloud vom Mitbewerb abhebt, so Muglia weiter, sei, dass das Unternehmen die Cloud in drei verschiedene Einsatzgebieten ermögliche: im Rechenzentrum des Kunden, bei Hosting-Partner, aber auch für seine eigenen weltweit verfügbaren Rechenzentren. Dieses Angebot ist nicht unbedingt ein Fall von "entweder - oder", denn Microsoft unterstützt auch "hybride Lösungen"
Dazu muss man wissen, dass manche Großbetriebe ihre eigene Cloud im Unternehmen aufbauen und dort die benötigten Services ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Man spricht dann von einer Private Cloud. Werden andererseits die Services über das für jedermann zugängliche Internet bezogen, ist von Public Cloud die Rede. Microsofts hybride Lösung bezeichnet den Fall, wo ein Unternehmen sowohl Services aus der Public Cloud bezieht als auch eine Cloud-Infrastruktur im eigenen Betrieb (vor Ort, engl. on-premise) aufgebaut hat.
Besonders wichtig sei es für Microsoft, so Muglia, dass die bereits getätigten Software-Investitionen der Unternehmen auch beim Gang in die Wolke erhalten blieben, was bei Microsofts Cloud-Strategie der Fall sei. Das Ziel ist, dass es irgendwann egal sein wird, ob eine Anwendung lokal (on-premise) oder in der Cloud installiert ist. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.
Jedenfalls sieht Muglia in der Cloud bereits jetzt ein enorm großes Potenzial für Unternehmen. Je nach Unternehmen und Ausgangspunkt kann Cloud Computing die Kosten laut Muglia nochmals um den Faktor 10 reduzieren, und die Schnelligkeit um den Faktor 10 erhöhen. Muglia: "In ihrem Kern ist die Cloud ein Mittel, um IT als standardisiertes Service zur Verfügung zu stellen. Damit setzt sie Ressourcen frei, und ermöglicht Unternehmern, sich um das zu kümmern, was wirklich im Unternehmen zählt."
Auch wenn unterschiedliche Unternehmen unterschiedliche IT-Strategien benötigen und für manche Cloud Computing nicht so relevant sei, sollte man die dennoch in Betracht auf die eigenen Möglichkeiten hin untersuchen, so Muglia abschließend: "Denn jetzt ist die Zeit, ins Cloud Computing einzusteigen."
Um die Cloud-Strategie besser umsetzen zu können, kündigte Microsoft zahlreiche neue Software-Tools auf der TechEd an, wie ein verbessertes Entwicklungstool (SDK - Software Development Kit) für Windows Azure vor, Public Beta des Service Pack 1 des Windows Server 2008 R2 and Windows 7 (Ende Juli), ein überarbeitetes SQL Azure, die Windows AppFabric, den den Communications Server "14" sowie das das Exchange Server 2010 Service Pack 1.
Pinpoint Marketplace

Bob Muglia, Bereichsleiter der Microsoft Server and Tools Business Division auf der TechEd 2010: „Jetzt ist die Zeit, in das Cloud Computing einzusteigen.”
Dabei bleibt Microsoft nach wie vor ganz klar partnerorientiert, betont Muglia.
Apropos Partner: Auf der Partnerkonferenz Mitte Juli wird zudem ein neues Partnermodell vorgestellt, das für mehr Transparenz durch genau festgelegte Kompetenzen der Partner sorgen soll. Nicht länger ist ein Partner z. B. ausschließlich Gold- oder Silber-Partner, sondern er kann künftig verschiedene Kompetenzgrade erwerben. So kann ein und derselbe Partner eine Gold-Kompetenz in einem Bereich, aber eine Silber-Kompetenz in einem anderen Bereich haben.
Befürchtungen, dass Microsoft damit den Partnern Geschäft wegnehmen könnte, hat Nahed Hathahet, Geschäftsführer von der auf SharePoint-Lösungen spezialisierten Wiener Firma Hathahet Productivity Solutions und selbst ebenfalls Microsoft-Partner, keine. Dank der neu geschaffenen Transparenz bei den Kompetenzen und dem Online-Marktplatz Pinpoint sieht Hathahet vielmehr neue Geschäftsmöglichkeiten für Partner. "Besonders für kleine Partner ist Pinpoint eine große Chance ihre Cloud-Services an das richtige Unternehmen zu bringen", ist Hathahet überzeugt.
Für kleine und mittelständische Unternehmen sind die Microsoft Online Services gedacht. Damit kann ein KMU Rechenleistung, Speicherplatz und Software-Services via Internet beziehen. Die Online Services beinhalten MS Exchange Online (E-Mail, Kalender und Kontakte online und unterwegs nutzen, 25 GB Speicherplatz und die Sicherheitslösung Forefront for Exchange), MS SharePoint Online (Dokumente austauschen, verwalten und projektorientiert gemeinsam bearbeiten), MS Office Communications Online (Webkonferenzen, Kommunikation mit Leuten an anderen Orten) und MS Office Live Meeting (gehosteteter Webkonferenz-Service, virtuelle Meetings, verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten). Die Kosten reichen von 1,70 Euro/Monat bis 8,52 Euro/Monat für die komplette Business Productivity Online Suite.
Info unter www.microsoft.com/austria/cloud
IDC-Studie: Datenflut bewältigen (und Kosten sparen) mit der Cloud
Laut einer Studie, die das Marktforschungsunternehmen IDC für den Speicherspezialisten EMC erstellt hat, beträgt das geschätzte Datenaufkommen für das Jahr 2010 voraussichtlich 1,2 Zettabyte (eine Eins mit 21 Nullen bzw. 1,8 Billionen Gigabyte).
Der größte Teil dieser Daten, nämlich 80 %, fällt durch Unternehmen an. Die Datenverwaltung erledigen jedoch immer relativ zur Menge immer weniger IT-Verantwortliche. So stiegen laut IDC die verwalteten Datensätze um den Faktor 67, die IT-Manager aber nur um den Faktor 1,4. Auch die jährlich entstehende Information wächst gewaltig. Schon heute entstehen rund 35 % mehr Informationen als Speicherkapazität vorhanden ist. Ein Wert, der laut IDC in den nächsten Jahren auf über 60 % steigen soll. Deswegen werde, so die Ansicht der IDC-Experten, bis 2020 mehr als ein Drittel der Daten - zumindest zeitweilig - in Clouds vorgehalten.
Letztlich weist IDC auf das Einsparungspotenzial der Clouds hin: "Die Nutzung von Cloud-Services ermöglicht es Unternehmen, den Anteil ihrer IT-Ausgaben für Erhaltung und Pflege der Systeme zu senken und stattdessen in die Entwicklung innovativer Lösungen zu investieren", so die IDC-Experten. Die Marktforscher erwarten, dass diese Investitionen zu zusätzlichen Geschäftsumsätzen der Unternehmen in Höhe von mehr als einer Billion US-Dollar allein zwischen diesem und dem Jahr 2014 führen wird.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 