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Strategien

Interview mit Karl-Heinz Täubel, Unit-IT

"Outsourcing ist salonfähig geworden"

Karl-Heinz-Täubel, Geschäftsführer von unit-IT, ortet im MONITOR-Gespräch eine Renaissance von Outsourcing und eine zunehmende Branchenfokussierung.

„Unternehmen haben in den letzten Monaten sehr stark in bestehende Systeme investiert.” Karl-Heinz Täubel, Geschäftsführer von Unit-IT (Bild: Unit-IT)

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Situation ein?

Unternehmen haben in den letzten Monaten sehr stark in bestehende Systeme investiert wie in die Supply Chain, Logistik, Lagerwesen, um ihre Prozesse zu optimieren und kurzfristig ihre Kostenstruktur zu verbessern. ERP-Einführungsprojekte waren rar, wobei auch dieser Markt jetzt langsam wieder in Schwung kommt, weil viele Projekte aufgeschoben wurden.

Wir werden im aktuellen Geschäftsjahr, das noch bis Ende September geht, den hohen Level des Vorjahres halten können. Auffallend ist aber der starke Zuwachs des Outsourcings im Verhältnis zum klassischen SAP-Geschäft.

Was sind die Gründe für den Outsourcing-Boom?

Outsourcing ist aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation beim Mittelstand angekommen. Dieser möchte sich mit dem klassischen Betrieb von ERP-Systemen nicht mehr beschäftigen. Er sucht einen Partner, der ihm das abnimmt. unit-IT übernimmt dann den SAP-Basisbetrieb, der Kunde kauft aber nach wie vor Lizenzen. Mietmodelle werden zwar angefragt, aber derzeit selten realisiert.

Spielt die Vertrauensfrage beim Outsourcing immer noch eine große Rolle?

Vor der Wirtschaftskrise wäre Outsourcing speziell für klassische, oft noch eigentümergeführte österreichische Mittelständler nicht einmal im Traum in Frage gekommen. Aber inzwischen ist Outsourcing salonfähig geworden. Man sieht darin keine unternehmerische Schwäche mehr. Viele Unternehmen erkennen, dass man zwar selber eine IT braucht, dass es aber kostengünstiger und besser für die Stärkung der eigenen Kernkompetenzen ist, wenn man nicht alles selber macht.

Zudem hat man erkannt, dass mit Outsourcing die Sicherheit und die Kosten kalkulierbarer werden, dass man dadurch viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten gewinnt. Dass unit-IT in Oberösterreich ein eigenes, lokales Rechenzentrum betreibt, wird von den Kunden gerne gesehen und bestärkt sie in ihrem Vertrauen.

Haben die lautstarken Diskussionen rund um die SAP-Wartungskosten der Kundenzufriedenheit geschadet?

Es hat tatsächlich Unruhe gegeben und die Kunden waren verunsichert. Insbesondere in unserer Branche ist hohe Kundenzufriedenheit das Maß aller Dinge und deshalb sind solche Entwicklungen auch für die Partner schwierig. Das ursprünglich geplante Modell wurde dann auch zurückgezogen.

Aber Kundentreue hat heute auch sehr viel mit Branchen- und Prozesswissen zu tun. Es ist zu wenig, wenn man "nur" ein "SAP"- oder "nur" ein "Microsoft"-Partner ist und dem möglichen Kunden großartig erklärt: "Ich implementiere dir jetzt ein neues ERP-System".

Es reicht nicht mehr, einfach "nur" SAP-Spezialist zu sein?

Nein, die spezifischen Geschäftsprozesse des Kunden müssen verstanden werden! Diese sind von der einzelnen Branche abhängig und oft sehr komplex. unit-IT ist zum Beispiel in der Nahrungs- und Genussmittelindustie sehr erfolgreich, bei Molkereien haben wir für Mitteleuropa schon fast ein Alleinstellungsmerkmal. Für die Umsetzung einer Molkereilösung ist extremes Prozesswissen notwendig.

Eine weiteres Segmenent, das wir stark fokussieren, ist die Diskrete Fertigung. Aber wenn wir uns heute hinstellen und ERP-Einführungsprojekte für Finanzdienstleister propagieren würden, dann wären wir als Unternehmen für diese Branche nicht glaubwürdig. Diese Diversifikation wird noch stärker werden und sich auf die Partnerlandschaft auswirken. Gefragt sind spezielle Lösungen mit einem hohen Automatisierungsgrad, schneller Einführung und zu kalkulierbaren Fixpreisen.

Das macht es für die vielen kleineren Partner sicher nicht leichter?

Wir haben deshalb ein eigenes Partner-Programm ins Leben gerufen, dass sich "Super-VAR" nennt und womit das regionale und lösungsorientierte SAP-Partnergeschäft gestärkt wird. Unsere Partnern können in ihren Regionen und Kernbereichen mit unit-IT als starken SAP Channel-Partner im Rücken noch stärker Präsenz zeigen und wir können mit Hilfe unserer Super-VARs unser Lösungsangebot weiter ausbauen, wie zum Beispiel im Bereich Business Objects, und zusätzlich neues SAP-Lizenzgeschäft lukrieren.

Viele SAP-Systemhauspartner sind kleinere und mittlere Betriebe, die nicht über die heute am Markt nachgefragten Ressourcen verfügen. Durch die Einbindung der unit-IT in den Siemens Konzern können wir aber problemlos unsere Kunden seriös und zielgerichtet ins Ausland begleiten.

Wie sehen Sie die allgemeine und die SAP-Entwicklung im Bereich Business Intelligence (BI)?

Der BI-Markt im SAP-Umfeld ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Hier gab es zuerst einige Verwirrung im Markt, etwa was die Produktintegration von Business Objects betroffen hat. Prinzipiell geht aber die Tendenz auch bei BI ganz stark in Richtung Spezialisierung und Branchenfokussierung.

Wer glaubhaft BI-Lösungen verkaufen möchte, muss die wichtigen Messgrößen und Kennzahlen einer Branche kennen. Die schnelle Verfügbarkeit solcher Daten für das Reporting wird immer wichtiger. Ein Schlagwort in diesem Zusammen ist zum Beispiel "Production Intelligence" mit der Möglichkeit in der Fertigung Daten direkt vom Leitstand in den Management-Dash-Boards zu visualisieren.

unit-IT bewegt aber nicht nur mit SAP?

Wir haben zum Beispiel eine Kundendienstlösung im Programm, bei der der Kunde nicht einmal ein ERP-System im Einsatz haben muss. Diese branchenneutrale Lösung wurde für ein Projekt bei der Brau Union entwickelt und fokussiert Unternehmen mit etwa 10 bis 150 Außendienstmitarbeitern.

Hier konnten wir unsere Erfahrungen mit mobilen Lösungen einbringen, die zwanzig Jahre lang zurückreichen, und langjährige Partnerschaften mit Hardwarelieferanten wie Motorola beziehungsweise Symbol inkludieren. Diese Lösung wird auch im Rahmen eines Software as a Service-Modells angeboten, was vor allem für kleine Unternehmen interessant ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Das Unternehmen

Die zur Siemens Gruppe gehörende unit-IT zählt zu den wichtigsten heimischen SAP-Partnern (SAP Channel Partner des Jahres 2009) und zeichnet sich durch einen starken Branchenfokus aus. Im Geschäftsjahr 2008/2009 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern knapp 30 Mio. Euro Umsatz.

unit-IT startete als Nischenplayer für die Lebensmittelindustrie und bietet heute SAP ERP-Branchenlösungen für die gesamte Fertigungsindustrie an. Mobile IT -Logistiklösungen und mittelstandsgerechte IT-Outsourcing-Modelle runden das Lösungsangebot ab.

Im Hochverfügbarkeits-Rechenzentrum in Ranshofen in Oberösterreich wird der outgesourcte IT-Betrieb für eine Vielzahl namhafter Fertigungs- und Handelsbetriebe abgewickelt.

www.unit-it.at

 

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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