Die heftige Diskussion um die beiden Internet-Megafirmen in der letzten Zeit hat gezeigt, dass der rechtsfreie Raum, in dem diese recht lebhaft agieren, dringend Regelungen bedarf. Am Beispiel Facebook: Was sich als größte Social Networking-Internetplattform weltweit etabliert hat, ist heute unter schwerem Erklärungsnotstand bezüglich der Privatsphäre-Einstellungen für seine User. Facebook-Chef Mark Zuckerberg argumentiert, dass gemäß seines Geschäftsmodells User-Daten an Werbefirmen weiter gegeben werden und aus diesen Nutzungsrechten Umsätze generiert werden sollen.
Dies bedeutet, dass die meisten Daten, die Facebook-User in ihr Profil eintragen - Alter, Geschlecht, Hobbies, Wohnort, intellektuelle und soziale Orientierung, Interesse, Bildungssstand usw. - von Internet-Werbefirmen für personalisierte Werbung ausgewertet und verknüpft werden können. Zwar hat Facebook unter öffentlichem Druck die Verwertungsbedingungen etwas zurückgeschraubt, doch was in Wirklichkeit mit den Daten passiert, weiß niemand so genau. Ein unterschätztes Feature ist zum Beispiel die E-Mail-Kontaktliste von Facebook-Usern, aus denen spezifische Werbe-Zielgruppen abgeleitet werden können.
Weniger bekannt ist, dass auch Nachrichtendienste Facebook-Daten analysieren. So ist der Silicon Valley-Venture Capital-Fonds Accel, der an Facebook beteiligt ist, im Gerede, dass er dem CIA nahe stehen soll.
Nun kann man natürlich sagen, dass jeder, der seine persönlichen Daten in ein Internet-Profil eingibt, selber schuld ist. Man kann auch ohne Facebook existieren. Allerdings führt sich dadurch die Idee des Social Networking, ein wesentliches Standbein von Web 2.0, ad absurdum. Es ist wohl an der Zeit, die Vertrauensfrage zu stellen.
Komplexer ist der Fall Google: Das Unternehmen sammelt Daten, wie es ihm gerade passt, und das ohne Zutun von Internet-Usern. Für die Projekte Google Books oder Google TV wird in der Regel zuerst kopiert und dann über Urheberrechte diskutiert (oder auch nicht). Für Google Street View werden Straßen, Häuser, Vorgärten und sogar Personen ungefragt fotografiert und so nebenbei auch WLAN-Netzwerke aufgespürt und gescannt, alles bisher im rechtsfreien Raum.
Zwar führte dies zu einem weltweiten Aufschrei von Datenschützern, aber man sieht, dass das Prinzip solange funktioniert, bis ihm widersprochen wird: Zuerst Daten sammeln, scannen, speichern und katalogisieren, und dann warten, ob jemand auf die Idee kommt, dass das vielleicht nicht Rechtens ist.



1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 