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Thema: Business Software

ERP & Web 2.0

Businessapplikationen im Zeitalter sozialer Netze

Die Anwenderkulturen im IT-Bereich ändern sich immer deutlicher. Die "Generation Facebook" geht mit IT und ERP völlig anders um als die Generationen vorher. Für Anbieter und CIOs ergibt sich schleichend ein nicht unerheblicher Änderungsdruck.

(Bild: PhotoDisc)

Heute hat der "moderne Anwender" an Autonomie gewonnen und einen spielerischen Zugang zu IT-Systemen entdeckt. Anwender über Systeme wie Excel und Access haben das Entwicklungsmonopol der IT-Abteilungen längst gebrochen und entwickeln täglich unternehmenskritische Anwendungen, ohne die formalen und strategischen Vorgaben der Unternehmensleitung oder der IT-Abteilung zu befolgen.

IT ist mobil geworden und hat den Haushalt und das private Leben erobert. Mit E-Mail, Mobilkommunikation und sozialen Netzen, etwa Xing oder Facebook, erobern zunehmend Benutzerpraktiken und Handlungsmuster aus dem privaten Bereich das geschäftliche Anwendungsumfeld.

Während für viele IT-Leiter die neue User-Kultur und ihre nicht mehr zu kontrollierende Dynamik ein Gräuel ist, stellt sie für die Zukunft ein noch immer kaum erkanntes und in der Praxis noch viel weniger genutztes Potenzial dar. Innovationspotenziale bleiben ungenutzt oder werden auf der Ebene von Schlagworten abgehandelt, wie etwa der Anbietertrend zu Portaloberflächen zeigt. Die neuen technologischen und organisatorischen Potenziale moderner IT-Systemen und das neue Nutzerverhalten der "Facebook"-Generation bedürfen dringend einer vertieften Auseinandersetzung.

Spannungsfeld persönliche Arbeitsumgebung

Der Mensch ist mit seinen Qualifikationen, Interessen, Bedürfnissen eingebunden in ein Beziehungsdreieck aus Organisation und Technik. Am schnellsten ändert sich die eingesetzte Technik bei Arbeitsmitteln und Maschinen. Je nach Unternehmenskultur und Arbeitsumgebung hat die betriebliche Organisation ein großes Beharrungsvermögen.

Dem Menschen wird in der dynamischen Umgebung eine enorme Anpassungsleistung abverlangt. Sein einst (universitär) erworbenes Wissen veraltet innerhalb von kürzester Zeit. Es wird deutlich, dass kontinuierliches Lernen und sich ständiges Verändern als Anpassungsleistung an die geänderten Rahmenbedingungen unausweichlich wird.

Standardisierte Handlungsabläufe sind zwingende Voraussetzung für den Einsatz von klassischen IT-Systemen. Da deren Funktionsweise per Definition auf festgelegten Vorschriften beruht, erscheinen sie als probates Mittel des Organisierens, indem sie bestimmte Abläufe modellieren und formalisieren. Dabei muss die vom Umfeld geforderte Flexibilität erhalten bleiben. Dem Anspruch der Wissensgesellschaft zu genügen versuchen die in den meisten Unternehmen eingesetzten, auf standardisierten Funktionen und Prozessen aufbauenden ERP-Systeme. Ein hoher Integrationsgrad und eine gemeinsame Datenbasis für alle Anwender schaffen einen Überblick über das Geschehen im Unternehmen.

Veränderungsdruck der Web-2.0-Generation

Mit der zunehmenden Durchdringung der Web-2.0-Funktionalitäten, die zuerst in das Privatleben und immer stärker auch in das Berufsleben der Anwender Einzug erhalten, wachsen auch ERP-Systeme in den Bereich der Netzwerk-IT-Systeme hinein. Zunehmend werden Collaboration-Funktionalitäten wie Instant Messaging und Blogs nicht als Inselsysteme genutzt, sondern in die Unternehmens-IT integriert und als Quelle für Anregungen und neue Produkte verstanden. Deren effizienter Einsatz muss aber durch eine Verhaltensschulung erst kollektiv gelernt werden: Aufwendige Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Teilnehmer zunächst "soziale Plattformen" bilden:

  • geteiltes Grundwissen,
  • vereinbarte Regeln und Strukturen,
  • Rollenklarheit,
  • Vertrauen.

Stets besteht die Gefahr, dass sich die Teilnehmer uferlos in irrelevanten Interaktionen oder belanglosen Kontroversen verlieren. Auf Anwenderebene hat sich, durch den Siegeszug der IT im Privaten, eine erfahrene Benutzerschaft herausgebildet, die sich auch in der Freizeit und im täglichen Leben mit neuen Technologien auseinandersetzt und gewisse Standards, wie beispielsweise die Benutzerführung, gern in der Arbeitswelt einsetzen würde. Auf diese Weise geraten die Anbieter von Unternehmenslösungen immer stärker in Zugzwang.

Was im Privaten funktioniert, so die Erwartungshaltung, muss doch bitte auch im geschäftlichen Einsatz möglich sein. Gleichzeitig ändert sich auch das Nutzerverhalten. Die permanente Erreichbarkeit wird zum Zwang, Parallelwelten entstehen und die Kontrolle über die Nachrichten, die über ein Unternehmen in Umlauf sind, geht für die Betroffenen weitestgehend verloren.

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ERP - Enterprise Resource Planning

(ERP, „Planung [des Einsatzes/der Verwendung] der Unternehmensressourcen“) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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