Mit dem Outsourcing ist es so eine Sache: Einerseits wollen viele Unternehmer "Nicht-Kernkompetenzen" auslagern, andererseits gibt man damit auch Know-how aus dem Haus. Was also tun? - Eines ist klar: Jedes Outsourcing verlangt absolutes Vertrauen in den Partner, der künftig die gewünschte Arbeitsleistung für das Unternehmen erbringt. Besonders heikel ist Outsourcing da, wo es explizit um hochsensible Unternehmensdaten geht - wie etwa im großen Bereich des Enterprise Resource Planning (ERP). Noch dazu, wo in Zeiten wie diesen immer höhere Anforderungen an "integrierte ERP-Systeme" gestellt werden.
Gerade aber in Zeiten wie diesen, wo auch Cloud Computing und Software as a Service (SaaS) von Anbietern und Analysten zum Megatrend stilisiert werden, liegt es nahe, dass auch ERP-Systeme outgesourct werden könnten. "Zurzeit bremsen die Entwicklungskosten der Anbieter und Sicherheits- und Datenschutzbedenken der Anwender die Marktentwicklung. Aber SaaS-ERP wird weiter wachsen, doch die Komplexität der integrierten ERP-Suites wird Großunternehmen davon abhalten, komplett auf SaaS zu setzen", prognostiziert Frank Naujoks, Forschungsleiter beim Consulter i2s, und Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie (vgl. Monitor 10a/2009).
Eine Frage der Definition
SaaS beschreibt ein Modell der Softwareverteilung, das als Dienstleistung basierend auf Internettechniken bereitgestellt, betreut und betrieben wird. Outsourcing, bei dem ein Unternehmen vertraglich genau definierte Bereiche abseits seiner Kernkompetenzen an einen Dienstleister auslagert, kann SaaS-Technologien einsetzen.
SaaS kann aber auch ein Insourcing bedeuten und zwar dann, wenn ein externer SaaS-Dienstleister am Standort und in den Räumlichkeiten des Unternehmens eingesetzt wird. Das kann beispielsweise eine Maßnahme aus Sicherheitsgründen sein, wenn ein Unternehmen seine sensiblen Daten nicht außer Haus geben möchte. Das große Plus einer SaaS-Lösung sind die überschaubaren (Miet-)Kosten sowie die Flexibilität, sofern es sich um eine On-Demand-Lösung (Nutzung flexibel je nach Bedarf) handelt.
Für Outsourcing spricht die nach wie vor wirtschaftlich angespannte Situation der Unternehmen. Umfragen etwa von Aberdeen haben allerdings ergeben, dass ein Großteil der Unternehmer, vor allem im mittelständischen Bereich, mit veralteten ERP-Systemen arbeitet. Veränderte Markt- und Kundenanforderungen können damit genauso wenig berücksichtigt werden wie die moderne Abwicklung von Geschäftsprozessen (möglichst standardisiert, durchgängig, weitgehend automatisiert).
Unter diesen Voraussetzungen werden viele Unternehmen ihr ERP-System modernisieren müssen, sei es durch ein Upgrade oder einen Softwarewechsel. Mehr und mehr Softwareanbieter offerieren ihre Lösungen in einem Software-as-a-Service-Modell (SaaS). Anwender beziehen dabei die gemietete Softwareleistungen via Internet und müssen sich selbst nicht mehr um Implementierung und Betrieb der Software kümmern. Dieses Modell könnte in naher Zukunft auch im ERP-Bereich an Attraktivität gewinnen. Gegen das SaaS-Modell sprechen vor allem Sicherheitsbedenken sowie die Furcht vor eingeschränkter Verfügbarkeit (z.B. wegen Netzausfall).
Ende des Lizenzgeschäfts?
Der Trend in Richtung SaaS und On-Demand-Lösungen wirft darüber hinaus die Frage auf, inwieweit das klassische Lizenz-Wartungsmodell überhaupt noch Zukunft hat. Die Debatte rund um die Erhöhung der Wartungsgebühren durch SAP hat das Thema aktuell ins Blickfeld gerückt und zunehmend wird hinterfragt, welche Art von Wartungssupport überhaupt notwendig ist.
Vor allem hat der Marktführer SAP auch eine SaaS-ERP-Lösung auf den Markt gebracht. Auf der diesjährigen Messe Sapphire im Mai hat SAP eine Neuversion der SaaS-ERP-Lösung "Business byDesign" angekündigt, die explizit auf Klein- und Mittelbetriebe abzielt. "Business byDesign" wurde erstmals 2007 auf einem Event in New York der Öffentlichkeit vorgestellt.
Aber SAP "fängt" im Outsourcing-Markt auch die Großunternehmen ein, zum Beispiel über die Partnerschaft mit T-Systems. Der renommierte Ziegelhersteller Wienerberger etwa hat im vergangenen Jahr seinen SAP-Outsourcing-Vertrag mit T-Systems für fünf Jahre weiterverlängert. Seit 2006 bezieht Wienerberger seine SAP-Anwendungen mit dem so genannten Dynamic Services Modell nach Bedarf.
"Wir haben mit T-Systems definierte Vorlaufzeiten und Behaltefristen vereinbart, sodass wir die benötigten Zusatzressourcen rasch bekommen und wieder zurückgeben können, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Wienerberger konzentriert sich darauf, die Geschäftsprozesse bestmöglich zu unterstützen und lagert standardisierte IT-Aufgaben wie den Betrieb des SAP-Systems aus", erklärt DI Gernot Zeman, Leiter der Konzern-IT-Infrastruktur bei Wienerberger. Das neue Modell verschafft Wienerberger hohe Flexibilität und reduziert Kosten. "Durch das Outsourcing senken wir den Stromverbrauch unseres IT-Betriebs um rund 70 %. Das spart nicht nur Kosten, sondern hilft auch der Umwelt", freut sich Zeman.
Andere SAP-T-Systems Großkunden in Deutschland, die die Cloud Computing-Idee für sich nutzen, sind der Mutterkonzern, die Deutsche Telekom, daneben auch Philips, Shell und Linde. Sie alle betreiben ihre SAP-Systeme nicht mehr selbst, sondern beziehen Speicherplatz, Bandbreite, Rechner- oder Applikationskapazitäten je nach Bedarf aus den Rechenzentren von T-Systems.
"Der vorherrschende Kostendruck ist sicher einer der Haupttreiber für Outsourcing, denn Outsourcing wird als Möglichkeit gesehen, die Kosten variabel zu gestalten beziehungsweise signifikant zu reduzieren. Im Jahr 2009 hatten wir 30 % mehr Outsourcing-Anfragen als im Jahr davor. Dieser Trend wird auch in diesem Jahr anhalten", glaubt Georg Obermeier, CEO von T-Systems Österreich. Er will T-Systems noch stärker als SAP-Full Service Provider - vornehmlich für Großkunden - positionieren.
Zurück zu SAP selbst: Beim Mittelstands-Produkt "Business byDesign" will SAP das Vertriebspartnernetz weiter ausbauen. Die Partner sollen künftig das Produkt nicht nur verkaufen, sondern auch zusätzlich kundenadäquat weiterentwickeln dürfen.
SaaS mit Dynamics NAV
"Wir bieten die beiden ERP Produkte Dynamics AX sowie Dynamics NAV sowohl für die Implementierung im Kundenunternehmen als auch für Hosting an", sagt Dorette Dülsner, Leiterin Business Solutions bei Microsoft Österreich. Der Vertrieb erfolgt über Partner.
Dynamics NAV richtet sich insbesondere an kleinere und mittelgroße Unternehmen. 2009 hat sich etwa der Reinigungsspezialist Cleanworxx entschlossen, eine professionelle ERP-Lösung einzuführen. Die Wahl fiel auf Microsoft Dynamics NAV als SaaS-Lösung. Abgewickelt und implementiert wurde die Lösung vom Microsoft Partner Navax.
Schwerpunkte von Cleanworxx sind bei der neuen ERP-Lösung Finanzbuchhaltung und Auftragsabwicklung (Angebotslegung, Bestellerfassung, Verrrechnung). "Wir haben mit der Auslagerung der ERP-Lösung eindeutig Kosten eingespart, die Einführung der Lösung erfolgte sehr rasch", ist Petra Berczkovics von Cleanworxx zufrieden. Seit Ende 2009 ist die neue ERP-Lösung bereits im Einsatz.




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8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 