Es zeigt sich, dass freie Software in Kombination mit einem Geschäftsmodell zur Wartung und Pflege die etablierten Anbieter proprietärer Software zunehmend in Bedrängnis bringt.
Noch vor einigen Jahren boten sich den Betreibern von Online Shops nur wenige Gestaltungsmöglichkeiten: Es gab für Kleinanbieter Mietshops oder günstige Shopsoftware, wobei Funktionsumfang, Anpassbarkeit und Usability auch nur für diese ausgelegt waren. Automatisierte E-Commerce Prozesse waren nicht möglich.
Am oberen Ende dominierten Anbieter großer Standard-Software wie Intershop den Markt für sogenannte Enterprise E Commerce Lösungen. Einrichtung, Betrieb und Anpassung wurden dabei vom Anbieter übernommen, waren aber mit zusätzlichen Kosten verbunden. Für die Mehrzahl der Anwender waren jedoch beide Systeme wenig geeignet, um mit relativ kleinem Budget flexible und leistungsstarke E-Commerce Shops aufzubauen.
In diese Lücke stoßen nun die Open Source-Angebote. Die Vorteile bestehen in den geringen Anschaffungskosten - einige Lösungen werden sogar kostenlos bereitgestellt. Zudem sind die Shopbetreiber nicht an einen einzelnen Hersteller gebunden, vielmehr entwickelt sich über den frei zugänglichen Quellcode eine dynamische Dienstleisterbranche zur Anpassung und Wartung von Open Source Software.
Parallel bilden sich aktive Communities aus Benutzern und Entwicklern, die mit Erfahrungsberichten, Anleitungen, Problemlösungen und Modifikationen gemeinsam die Entwicklung der Software vorantreiben. Mittlerweile unterstützen die Anbieter diesen interaktiven Prozess und sichern mit dem entsprechenden Qualitätsmanagement die Funktionalität und Zuverlässigkeit der Software.Theoretisch präsentieren sich Open-Source Lösungen somit kostenlos und für jeden verfügbar. In der Praxis haben sich allerdings professionelle Open Source Lösungen mit erweiterten Funktionen und Support durchgesetzt. Obwohl sie preislich oft weit unter den Lizenzgebühren einer aktuellen Standardlösung (wie Intershop oder Hybris) liegen, sind sie in puncto Funktionsumfang mit großen Standardlösungen wie Intershop vergleichbar. Die Investitionskosten sind deutlich geringer und damit attraktiv für Unternehmen, die neu in den E-Commerce einsteigen wollen.
Um die Frage zu klären, ob Open Source Software zur Umsetzung der eigenen Projekte in Frage kommt, sollte eine kurze Anforderungsanalyse durchgeführt werden. Nur bei genauer Planung lässt sich das optimale System identifizieren. Als Hilfestellung zur Ermittlung der Anforderungen lassen sich vier zentrale Fragen stellen:
- Was wird verkauft? Haptische Güter (Bekleidung, Elektronik, Bücher etc.) oder digitalen Güter wie MP3-Downloads? Nicht jedes Shopsystem eignet sich für alle Güter. Komplexe Datenstrukturen und Prozesse (Verrechnung, Rechtemanagement) müssen sich mit der Software darstellen lassen.
- Wie hoch ist der Anpassungsbedarf an individuelle Anforderungen und Prozesse? Eine Standardsoftware bietet wenig Konfigurationsspielraum, so dass starke Modifizierungen problematisch sein können.
- Welches Projektbudget steht zur Verfügung und welche weiteren Dienstleistungen sollen ausgelagert werden? Anbieter wie Intershop bieten heutzutage die ganze Kette an Dienstleistungen an.
Fazit
Das Vordringen Open Source-Lösungen in den professionellen Bereich bringt Bewegung in den Software Markt. Diese Dynamik hat gerade erst begonnen. Auch hier zeigt sich, dass die Etablierung einer großen und engagierten Community strategische Vorteile schafft. Die Platzhirsche für E-Commerce Software geraten zunehmend unter Druck und versuchen entweder auf den Zug aufzuspringen (bspw. brachte Oxid kürzlich eine Open Source Variante von eSales raus), oder sich auf den Service rund um den E Commerce zu spezialisieren. Die gute Nachricht für die Kunden liegt in der neuen Angebotsvielfalt. Sie hat allerdings den Preis, dass eine detaillierte Anforderungsanalyse vor der Entscheidung für ein System zur Pflicht wird.
Die Autoren Achim Himmelreich, Alexander Steffan sind Berater bei Mücke, Sturm & Company, www.muecke-sturm.de





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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 