Die Umsetzung einer effizienten, dynamischen und nachvollziehbaren Business Intelligence Umgebung stellt jedoch in vielen Fällen eine große Herausforderung dar, obwohl die Aufgabenstellung an sich auf den ersten Blick denkbar simpel scheint: Es sollen geschäftsrelevante Businesskennzahlen und "Key Performance Indikatoren" (kurz KPIs genannt) gesammelt und in einer leicht verständlichen und übersichtlichen Form aufbereitet werden, sodass basierend auf diesen Reports Entscheidungen getroffen und Probleme beziehungsweise Ist-Zustände rechtzeitig erkannt werden können.
Da die so getroffenen Entscheidungen jedoch meist mit hohem Kapital- und Ressourcenaufwand verbunden sind, sind auch die Anforderungen an die Zuverlässigkeit und Aktualität der Business-Intelligence-Umsetzung enorm.
Herausforderungen an "Business Intelligence" in modernen Unternehmen
Viele Unternehmen sehen sich in der heutigen Zeit mit schnell wechselnden und wachsenden nationalen beziehungsweise internationalen Reporting-Anforderungen konfrontiert. Egal ob sich die Definitionen der zu reportenden Kennzahlen ändern oder ob neue/stark veränderte Reports und Dimensionsstrukturen reportet werden müssen, die bestehende Business-Intelligence-Lösung soll diese neuen Auswertungen und Analysen liefern können. Wenn dies nicht mit der bestehenden Lösung möglich ist, muss diese entweder entsprechend modifiziert oder aber ein Workaround gefunden werden.

Lorenz Zechner, BI-Consultant, Newcon GmbH
Aber auch wenn eine Anpassung der bestehenden BI Lösung umgesetzt wird, gibt es Fallstricke zu beachten. Vor allem bei starren und unflexiblen Implementierungen ist ein Anpassen der BI-Implementierung mit nicht unerheblichem Ressourcen- und vor allem Zeitaufwand verbunden. Das kann leicht zu einem "Rucksack von neuen Anforderungen" führen, aufgrund der Situation, dass neue Anforderungen an das BI-System schneller auftreten als sie abgearbeitet werden können. In diesem Fall hinkt das System, auf dem reportet wird, immer einige Schritte hinter den aktuellen Anforderungen hinterher. Vor allem in größeren Konzernen, bei denen internationales Reporting einen wesentlichen Faktor darstellt, stellt dieser "Rucksack" zum Teil unüberwindbare Probleme und hohe interne Kundenunzufriedenheit dar.
Bei größeren Firmen ist auch eine einheitliche, allgemein zugängliche Definition der zu reportenden Kennzahlen ein Muss. Dies wird benötigt, damit auf der einen Seite bei der Erstellung der Reports ein einheitlicher Standard eingehalten werden kann, auf der anderen Seite, damit bei der Interpretation der Reports Missverständnisse und Fehlinterpretationen schon möglichst im Vorfeld vermieden werden können.
Wege aus der "Business Intelligence"-Problematik

Gerald Haidl, CEO, Newcon GmbH
- Multidimensionale, hochgranulare Reporting Cubes
Derartige Cubes, die eine große Datenmenge in einer höheren Granularität und Flexibilität als ein konventioneller Report verwalten, eignen sich vor allem, um einen schnellen Überblick über die aktuelle Ist-Situation zu erhalten, im Bedarfsfall, beispielsweise wenn Probleme ersichtlich werden, jedoch rasch "nachzugraben" und detailliertere Informationen in managementtauglicher Reporting-Form zu erhalten. Reporting Würfel besitzen eine hohe Flexibilität, da der Anwender seine Reports einfach (im Rahmen der im Würfel verfügbar gemachten Dimensionen) selbst zusammen stellen kann und so auch neuen Reporting-Anforderungen schnell gerecht wird.
- "Self Service" Umgebung für die Benutzer
Eine "Self-Service"-Umgebung stellt den mit der Datenanalyse befassten Mitarbeitern die im zugrundeliegenden Data Warehouse vorhandenen Daten als Packages zur Verfügung, aus denen sich die jeweiligen Mitarbeiter leicht, verständlich und vor allem schnell völlig neue Reports generieren können. Hierdurch können leicht neue Reporting-Anforderungen umgesetzt werden, was zu stark reduzierten Anpassungskosten im BI-System führt. Dadurch, dass der Anwender direkt auf das zugrunde liegende Data Warehouse zugreift, steht ihm (basierend auf der jeweiligen Umsetzung) eine größere Datenbasis und eine noch höhere Freiheit bei der Gestaltung der Auswertungen zur Verfügung als bei Reporting Cubes. Ein gründliches Design ist allerdings der Übersichtlichkeit wegen Pflicht
- "Data Lineage" Model
Ebenfalls eine wichtige Eigenschaft einer jeden BI-Lösung ist die sogenannte Data Lineage. Hierbei handelt es sich um ein System, das die verwendeten Daten nachvollziehbar macht, also ermöglicht, zurückzuverfolgen, wie die im Report ausgewiesenen Zahlen zusammengesetzt wurden, welche Definitionen ihnen zugrunde liegen und wie sie transformiert wurden, um schlussendlich in den Report geladen zu werden. Diese Informationen sind der Grundstein für eine unternehmensweite, einheitliche und auch jedem Endanwender zugängliche Definition der verwendeten KPIs und Kennzahlen, die ein Business-Intelligence-System erst sinnhaft einsetzbar machen.
Um alle für das jeweilige Unternehmen relevante Ansätze einer effizienten, dynamischen, flexiblen und kostengünstigen BI Lösung umsetzen zu können, ist es essentiell, entweder selbst langjährige Erfahrung in der Umsetzung verschiedenster BI Lösungen zu besitzen, oder auf einen Partner mit entsprechender Erfahrung zurückgreifen zu können. Denn Fazit bleibt: Technologie ist beherrschbar, die Risiken einer unflexiblen und unübersichtlichen BI Lösung sind hingegen unabsehbar.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 