„Wissen bewahren und zugänglich machen war schon immer der wichtigste Leitsatz von Bibliotheken. Diesem Grundprinzip folgend wird die Österreichische Nationalbibliothek in einer Public Private Partnership gemeinsam mit Google ihren gesamten historischen, urheberrechtsfreien Buchbestand digitalisieren und online zugänglich machen. Wir sind stolz, mit diesem Schritt einen weiteren Beitrag zur Demokratisierung von Wissen leisten zu können, so ONB-Generaldirektorin Dr. Johanna Rachinger im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Dr. Karl Pall (Country Manager Google Austria) und Annabella Weisl (Leiterin Google Bücher, Deutschland, Österreich, Schweiz).
In der Kooperation mit Google sieht Generaldirektorin Rachinger auch ein Beispiel für die Rolle der Österreichischen Nationalbibliothek als lebendige Brücke zwischen dem reichhaltigen Erbe der Vergangenheit und den zukunftsorientierten Ansprüchen der modernen Informationsgesellschaft. Die historischen Buchbestände der Österreichischen Nationalbibliothek zählen zu den fünf wichtigsten Sammlungen weltweit – eine Volltextdigitalisierung ist daher nicht nur von nationaler Bedeutung. „Wir haben vor, die Digitalisate auch über die Europeana, die gemeinsame Europäische Digitale Bibliothek, zugänglich zu machen“, betont Rachinger die internationale Dimension des Projekts.
Die Österreichische Nationalbibliothek folgt mit dieser Kooperation dem Beispiel der renommiertesten Bibliotheken weltweit: Die Bibliotheken von Universitäten wie etwa Harvard, Stanford oder Oxford arbeiten bereits seit mehreren Jahren mit Google zusammen. In Europa reiht sich die Österreichische Nationalbibliothek mit diesem Schritt zur Volltextdigitalisierung allerdings unter die Vorreiter. Google kooperiert bislang mit zehn europäischen Bibliotheken. Im deutschsprachigen Raum hat bisher nur die Bayerische Staatsbibliothek im Frühjahr 2007 einen Vertrag mit Google unterzeichnet.
Ein Projekt dieser Größenordnung sieht einen entsprechenden finanziellen Rahmen vor, der für die Österreichische Nationalbibliothek allein nicht zu bewältigen wäre, zudem die Bibliothek auch andere ambitionierte Projekte wie den Bau eines zusätzlichen Tiefspeichers anstrebt, um weiterhin ihrer Sammlungs- und Archivierungsverpflichtung nachkommen zu können.
Die Kosten für die Volltextdigitalisierung eines einzigen Buches sind enorm. Fast eine halbe Million Bücher sind für das Projekt vorgesehen – dementsprechend hoch und nicht leistbar wäre der Aufwand ohne Kooperation mit einem Partner wie Google. Google übernimmt zur Gänze die Digitalisierungskosten – die nicht unerheblichen Kosten für die Vorbereitung und Bereitstellung der Bücher sowie für Speicherung und Zugänglichmachung der Digitalisate trägt die Österreichische Nationalbibliothek.
Neben dem Kostenfaktor spielt auch der Zeitfaktor eine wichtige Rolle: aufgrund des von Google entwickelten Workflows kann die Digitalisierung des gesamten historischen Buchbestands der Österreichischen Nationalbibliothek in wenigen Jahren durchgeführt werden. Ein Digitalisierungsvorhaben dieser Größenordnung würde normalerweise mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.



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8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 