Warum der Relaunch von www.wien.at?
"www.wien.at ist in den 15 Jahren seines Bestehens enorm gewachsen - an Seiten, Applikationen und Zugriffen. Das Content-Angebot muss gut strukturiert, neue Services integriert, den Ansprüchen der Leserschaft Rechnung getragen werden. Der letzte Relaunch war immerhin 2005 - Zeit für das nächste Kapitel!"
Was ist dabei Ihr Ziel?
Die Leserschaft und den Content zusammenbringen! Es gibt verschiedene Suchsituationen, mal hat man ein Stichwort im Kopf, dann ein nicht genau umrissenes Thema. Oft sucht man heute topografisch, also nach lokalen Informationen, die man vorzugsweise in einer Karte darstellt. Diesen verschiedenen Zugängen wollten wir Rechnung tragen.
Und dann gibt es noch den umgekehrten Fall: Content sucht User.
Was meinen Sie damit konkret?
Wir haben ein sehr umfangreiches Angebot, es war mitunter schwer geworden, die Leserschaft innerhalb der Plattform auf neue Services aufmerksam zu machen. Durch bessere, zum jeweiligen Content passende Bewerbung anderer Angebote soll uns das besser gelingen.
Und schließlich wollten wir die mit der Zeit entstandenen langen "Klickpfade" verkürzen. Der Content wird verdichtet, zum Beispiel durch die neuen Channel-Seiten oder direkt eingebundene Stadtplanausschnitte oder Videos. Das alles natürlich in einem zeitgemäßen, freundlichen Erscheinungsbild verpackt.
Welche Veränderungen bringt der Relaunch?
Die Gliederung der Seite wurde geändert: horizontale und kontextabhängige - je nach aufgerufener Seite - vertikale Navigation. Es gibt fünf Hauptbereiche - wir verwenden hier den Begriff "Zugangswelten" - Themen, Virtuelles Amt, Stadtplan, TV, Bezirke.
D. h. hier wird die gesamte Leistungspalette der Stadt Wien im Internet auf einen Schlag sichtbar - sehr dicht der Bereich Themen mit allen Inhalten aus den Fachabteilungen, neu gegliedert in neun "Channels".
Welche Veränderung fällt sofort ins Auge?
Wohl das neue Design: eine neue Anmutung, eine neue Schriftart, größerer Stellenwert der Bildelemente. Auf der Startseite die große Top-Story. In der Vergangenheit hatten wir ja immer mehrere gleich große (oder besser gesagt gleich kleine) Bild-Anreißer. Wir haben es bei vielen Themen bedauert, sie nicht entsprechend ihrer Bedeutung mit einem großen schönen Bild darstellen zu können.
Was ist neu im breiten Angebot? Neue Inhalte?
Nun, Content hatten wir ja schon in der Vergangenheit genug - je nach Definition zwischen 40.000 (redaktioneller Content) und über 100.000 Seiten (inklusive Aussendungen, Protokollen etc.), hunderte Formulare und Anwendungen.
Unser primäres Ziel war es ja, diese Angebote noch besser ins Licht zu rücken.
Aber es gibt auch neuen Content: der neue Stadtplan zum Beispiel enthält mittlerweile über 50 Layer (Datensätze), von aktuellen Baustellen über Museen, Kindergärten, Schulen bis zu den Stadtwanderwegen. Alle diese Daten sind übrigens über die "Erweiterte Suche" des Stadtplans auch barrierefrei abrufbar. Und neu ist die Sammlung von rund 700 Video-Clips aus den letzten Jahren unter dem Namen "wien.at TV", die laufend ausgebaut wird.
www.wien.at hat einen exzellenten Ruf in Sachen Barrierefreiheit. Warum ist das so wichtig für die Stadt?
Jeder Mensch hat das Recht auf die Informationen, die für ihn wichtig sind und die er im täglichen Leben braucht. Dazu muss eine Information nicht nur vorhanden, sondern auch zugänglich und verständlich sein. Nur so ist ein selbstbestimmtes Leben möglich.
Der Relaunch von www.wien.at bringt bei einigen Artikeln das neue Zeichen "LL". Was heißt das?
Es bedeutet "Leicht Lesen". Wenn Sie dieses Zeichen anklicken, kommen Sie auf Seiten, die so geschrieben worden sind, dass sie möglichst viele Menschen leicht verstehen können. Das gilt zum Beispiel für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das gilt aber auch für Menschen, die schlecht lesen können oder auch für Menschen aus anderen Ländern, die nicht gut Deutsch sprechen.
"Leicht Lesen" bedeutet nicht, dass die Inhalte verkürzt oder zusammengefasst werden. Es bedeutet nur, dass zum Beispiel möglichst wenige Fremdwörter verwendet werden, dass die Sätze möglichst einfach geschrieben werden oder dass man keine unverständlichen Abkürzungen benutzt. Wenn die Informationen für viele Menschen leicht verständlich sind, ist das auch eine Entlastung für die Kundinnen und Kunden und auch für die Beamtinnen und Beamten.
Was war die größte Herausforderung beim neuen medialen Angebot?
Als öffentliche Behördenwebseite sind wir dazu angehalten, Inhalte barrierefrei zugänglich zu machen. Das nehmen wir sehr ernst, www.wien.at hat diesbezüglich seit vielen Jahren einen sehr guten Ruf.
Beim Aufarbeiten eines Jahre alten Video-Bestands stößt man hier aber mitunter an die Grenzen der Ressourcen: Filme sind zu untertiteln, eine vollständige Transkription ist erforderlich, zusätzliche Audiospuren sind ebenso gefordert. Wir haben derzeit etwas mehr als die Hälfte der fast 700 Clips transkribiert und untertitelt.
Wie viel Arbeit steckt im Relaunch?
Das ist bei so großen und lang dauernden Projekten mit vielen Beteiligten nur ungefähr zu berechnen. Mehr als ein Jahr hat ein Team von rund fünf Kolleginnen und Kollegen nahezu ausschließlich an diesem Projekt gearbeitet. Dazu kommen noch die internen und externen Programmier-Leistungen. Und genau genommen müsste man auch jene sicher mehr als 100 Personen dazuzählen, die in unterschiedlichem Ausmaß an dem Projekt mitgearbeitet haben: Feedback, inhaltliche Anpassungen, Organisation ...



1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 