Über 800 Kongressteilnehmer und insgesamt 4.250 Messebesucher strömten an den beiden Veranstaltungstagen im April in die Hallen auf dem Münchner Messegelände. Das waren 25 % mehr Besucher als im Vorjahr. Die Zahl der Aussteller ist ebenfalls um 25 % auf 112 gestiegen. Der Trend geht wohl weiterhin mehr zu fokussierten Spezialmessen. Bei der Internet World liegt das sicher auch an der seit Jahren verfolgten Strategie, einen hochkarätig besetzten Kongress mit aktuellen und mitunter kontroversen Themenangeboten mit einer begleitenden Fachmesse zu verbinden.
Dass Facebook und Co., Social Media also, ein Trendthema auf der Messe darstellten, verwundert nicht. Immerhin sind die schon eingetretenen oder zu erwartenden Veränderungen derzeit in aller Munde in der IT- und Internet-Szene. Dass diese Themen, die noch vor kurzem unter dem Namen Web 2.0 "vermarktet" wurden, aber auch im Bereich des E-Payment angekommen sind, ist dagegen zumindest ungewöhnlich.
Bei E-Payment denkt man zunächst einmal an sichere elektronische Zahlungssysteme in E-Shops, im elektronischen Handel, bei Banktransaktionen. Und darum, aber auch um Zukunftstrends in diesem Bereich drehten sich denn auch die Vorträge des Kongressprogramms bei den "Best Practices" zu E-Payment.
Bestimmen große soziale Netzwerk bald "Währungen" nicht nur im Internet?
"Ich erwarte, dass in den nächsten 36 bis 60 Monaten große soziale Netzwerke neue Zahlarten und "Währungen" initiieren, die sich über die Netze hinaus ausbreiten werden". Diese prophetisch anmutende These stellte Michael Hülsiggensen, Geschäftsführer der EOS Payment Solutions GmbH auf. Das Unternehmen gehört zur otto group, die einer der größten Handels- und Dienstleistungskonzerne weltweit ist. Ihm zufolge würden in sozialen Netzen wie Facebook die Anwender häufig in Cent-Beträgen zahlen (wollen).
Klassische Zahlsysteme wie Kreditkarten würden diese Minibeträge aber nicht wirtschaftlich abbilden können, weswegen die schnell wachsende Nachfrage dazu führen würde, dass neue "Währungen" entstünden. Entsprechend würden nationale Zahlarten im Web an Bedeutung verlieren während gleichzeitig aber Standardzahlarten ihre hohe Bedeutung bis auf weiteres behielten. Aus den fünf bis sieben aktuell in E-Shops verwendeten Zahlarten dürften ihm zufolge in der Zukunft 15 bis 20 werden. Am verbreitetsten ist die Zahlung mit Kreditkarte.
Dass E-Payment im Internet immer mehr zu einem Marketing-, Kundenbindungs- und Verkaufsförderungsinstrument wird, ist eine Ansicht, die alle Referenten des Kongresses teilten. E-Payment-Systeme weisen eine Vielzahl von Funktionen auf, die die Sicherheit der Zahlungen gewährleisten und den Shop-Betreiber bei der Analyse des Kunden unterstützen. Je nach Anbieter wird da eher die Scorecard, die bei Neukunden dessen Bestellung nach bestimmten Kriterien untersucht, oder die Mikrogeografie bemüht, bei der die Wohnlage des Bestellers eine wesentliche Rolle spielt.
Scorecardsysteme prüfen Neukundenanträge, führen Betrugsprävention durch oder analysieren das Kaufverhalten, um daraus Angebote für die bessere Kundenbindung abzuleiten. Die Prüfung der Neukundenanträge und die Betrugsprävention sind für große Onlineversandhäuser unabdingbar, "da die Forderungsverluste bei ihnen schnell mal siebenstellig werden können", so ein Referent.
Auch wenn alle Referenten betonten, dass das Bezahlen im Internet sicher sei, werden die entsprechenden Mechanismen ständig weiterentwickelt. So sichert seit nicht allzu langer Zeit bei Kauf über Kreditkarte (optional) das 3D-Secure-System die Zahlung mit zwei Passwörtern ab. Das PCI DSS-Regelwerk soll den Schutz von Kreditkarten ebenfalls verstärken. Wie die Sicherheitsmechanismen bei der vorhergesagten "Facebook-Währung" aussehen werden, ist allerdings noch völlig offen. Die Online-Überweisung ist nach Expertenmeinung so sicher wie Online-Banking von zuhause. PayPal und Moneybankers sind bei der jüngeren Generation beliebt. Welches dieser Systeme - oder ein heute noch unbekanntes - sich hier durchsetzen wird, ebenso. Sicher indes ist, dass E-Payment weiter wächst und an Bedeutung gewinnt.




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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 