Im Schadensfall summieren sich Ausfallzeiten leicht zu Kosten in fünf- oder sechsstelliger Höhe. Und doch: Fossile Rohstoffe sind endlich. Langfristig rücken somit Schlagworte wie "Klimaziele" oder "CO2-Ausstoß" auch in den Fokus wirtschaftlich denkender Unternehmen.
Schon heute zeigt die Politik Möglichkeiten auf und definiert Ziele, um das Umdenken auf Unternehmensseite zu fördern. So soll laut Bundesregierung der Kohlendioxidausstoß im Land von 1990 bis 2020 um 40 % sinken. Betreiber wissen, dass diese Pläne mit der gegenwärtigen Realität im Data Center schwer vereinbar sind: Prognosen der Europäischen Union zeigen, dass der Stromverbrauch der westeuropäischen Rechenzentren von 56 Terawattstunden 2007 bis zum Jahr 2020 auf 104 Terawattstunden steigt - eine offensichtliche Diskrepanz, welche die EU durch ihren Maßnahmenkatalog "EU Code of Conduct on Data Centre Energy Efficiency" adressiert.
Das Regelwerk umfasst einen freiwilligen Maßnahmenkatalog sowie optimale Vorgehensweisen, mit deren Hilfe Unternehmen und Behörden den Stromverbrauch ihres Rechenzentrums durch einfache Änderungen in der Gesamtheit um einen zweistelligen Prozentbetrag senken können. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen wie der Neuerwerb energiesparender IT-Systeme, die Anpassung der Service Level in Bezug auf Hochverfügbarkeit oder der Raumtemperatur- und Luftfeuchtigkeitsgrenzwerte, die Kühlluftzirkulation oder sogar der Rechenzentrumsstandort. Unternehmen, die sich dem Code of Conduct verschreiben, verpflichten sich gleichzeitig zur Überwachung ihres Stromverbrauchs, damit quantifizierbare Aussagen über die tatsächliche Energiebilanz gezogen werden können. Im nächsten Schritt folgt ein externer Audit, um Verbesserungen gemäß der Best Practices zu erzielen.
Der Maßnahmenkatalog ist bewusst so gestaltet, dass sich die einzelnen Punkte ohne große Anfangsinvestitionen umsetzen lassen. Außerdem stellt er sicher, dass die beschriebenen Prozesse nicht auf Kosten der betriebskritischen Funktion des Rechenzentrums gehen. Die Europäische Union und ihre Partner wie die SNIA Europe wollen so eine möglichst breite Unternehmensbasis zur Teilnahme motivieren. Es soll ihr Schaden nicht sein: Obwohl der grüne Gedanke im Mittelpunkt steht, senken Firmen durch den Code of Conduct die laufenden Kosten ihrer IT-Infrastruktur spürbar - dies ist bares Geld, welches sie am Quartalsende auf der Habenseite verbuchen. Nicht zuletzt hat die Deutsche Feinstaubverordnung gezeigt, dass eine landesweite Gesetzgebung gemäß umweltpolitischer Gesichtspunkte schnell Realität wird: Unternehmen, die schon heute ihre Data Center "grün" gestalten, sind auf mögliche zukünftige Gesetzesentscheidungen in diesem Sektor vorbereitet. Und sie können wirtschaftpolitischen Verschiebungen, die auf Grund ständig schrumpfender fossiler Rohstoffreserven entstehen, gelassener entgegensehen.
Der "EU Code of Conduct on Data Centre Energy Efficiency" ist online einsehbar: http://re.jrc.ec.europa.eu/energyefficiency/html/standby_initiative_data_centers.htm




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 