Präsident Univ.-Prof. DDr. Walter Barfuß wandte sich in der Pressekonferenz gegen das Vorurteilen, Normen würden von „oben“ bestimmt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht. Geschäftsführer Ing. Dr. Gerhard Hartmann und Stv. Geschäftsführerin DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha erläuterten die Bedeutung von Normen und Standards für die Wirtschaft im nationalen, europäischen und internationalen Kontext und zeigten die Rolle von Austrian Standards Institute auf.
Univ.-Prof. DDr. Walter Barfuß: „Normen kommen aus dem Leben und werden von denen gemacht, die sie brauchen und anschließend auch in der Praxis verwenden. Normen entstehen immer aus einem konkreten Bedürfnis, aus dem Bedarf nach einer Regelung. Die Lösung wird dann im Dialog und Konsens der interessierten und betroffenen Kreise erarbeitet.“
Das Austrian Standards Institute managt 5.880 Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, die an der Entwicklung von etwa 2.000 Normen jährlich mitwirken. Dem Institut kommt dabei die Aufgabe einer unabhängigen und neutralen Dienstleistungsorganisation zu, die die Infrastruktur für die Entwicklung von Normen zur Verfügung stellt und darauf achtet, dass die Verfahren, die zu einer Norm führen, transparent und nachvollziehbar sind.
„Austrian Standards ist keine Behörde, wir gehören uns selbst“, stellte Barfuß ein weiteres Missverständnis richtig. Das Institut finanziert sich zu 90 % aus Eigenmitteln, lediglich zehn % sind Förderungen. Anders als in den meisten europäischen Ländern ist die Mitwirkung am Normungsprozess für die Teilnehmer kostenlos. „Wer zahlt, der mahlt“, dürfe kein Grundsatz in der österreichischen Normung sein, betonte Barfuß.
„Normen sind ein gewichtiger Wirtschaftsmotor und nutzen Unternehmen, Staat und Volkswirtschaft“, erläuterte Ing. Dr. Gerhard Hartmann den wirtschaftlichen Aspekt. Internationale Studien belegen, dass Normen rund 25 % zum Wirtschaftswachstum beitragen. Für Österreich bedeutet dies einen jährlichen Anteil der Normung am Bruttoinlandsprodukt von einem % bzw. zwei Mrd. Euro (Stand 2010). Auf die österreichische Bevölkerung verteilt, sind dies ca. 250 Euro pro Einwohner. Jeder Euro, der in die Normung investiert wird, bringt den 40-fachen Ertrag.
Für Unternehmen schaffen Normen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln in einem transparenten und gesicherten Umfeld. Sie senken Transaktions- und Markteintrittskosten. Hartmann: „Europäische Normen waren ein Grundpfeiler bei der Realisierung des Binnenmarkts, indem sie unterschiedliche nationale Anforderungen und Nachweisverfahren beseitigten.“
Österreichische Norm im internationalen Kontext
Das 1920 als „Österreichischer Normenausschuß für Industrie und Gewerbe (Ö.N.I.G.)“ gegründete Normungsinstitut tritt seit Mitte 2009 als Austrian Standards Institute auf. Dieser Namenswechsel macht die wachsende europäische und internationale Orientierung des Instituts deutlich.
„Über Austrian Standards Institute sind österreichische Experten an der Europäischen (EN) und Internationalen Normung (ISO) beteiligt. Wir sehen unsere Verantwortung darin, das System kontinuierlich zu verbessern und so einen wertvollen Beitrag für die Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten“, erklärt DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha die Vorreiterrolle von Austrian Standards Institute im europäischen und internationalen Kontext. Österreichische Experten arbeiten in mehr als 80 % der europäischen und internationalen Technischen Komitees bei CEN und ISO mit. Österreich hat damit mehr Einfluss auf den Inhalt der Normen, als es seiner Größe entsprechen würde.
Zukunft der Normen – vier Trends
Die Zukunft der Normung beschreibt Stampfl-Blaha in vier Trends: Normen werden aufgrund der wachsenden Globalisierung internationaler. Der Bedarf an der Normung im Bereich Dienstleistungen steigt. Bedingt durch den technischen Fortschritt und kürzere Produktzyklen wird der Normungsprozess schneller, und Normen werden zunehmend Teil der Unternehmensstrategie – auch von Klein- und Mittelbetrieben – sein.



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 