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Konferenzbericht

Demokratie in einer digitalen Gesellschaft

Die diesjährige Konferenz für elektronische Demokratie der OCG (Österreichische Computer Gesellschaft) fand am 6. und 7. Mai 2010 an der Donau-Universität Krems statt.

TeilnehmerInnen aus Europa, Asien, Australien und Amerika diskutierten Entwicklungspotenziale moderner Demokratien basierend auf der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Im Fokus lagen die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen Staat, Wirtschaft und BürgerInnen.

Die diesjährigen Keynotes befassten sich bewusst kritisch mit aktuellen Angeboten der Bürgerbeteiligung. Während sich Enthusiasten der elektronischen Demokratie noch vor einem halben Jahrzehnt am Beginn einer neuen Ära des öffentlichen politischen und demokratischen Diskurses glaubten, sehen aktuelle Analysen zwar neue Kommunikationsmedien als potenzielle Mittel um sich an der Öffentlichkeit zu beteiligen, allerdings kann eine Änderung der demokratiepolitischen Kultur nicht alleine auf technischen Neuerungen aufbauen.

Eine Kultur der Offenheit, Transparenz und Zusammenarbeit ist zwar erstrebenswert, da diese auch die Demokratie nachhaltig festigt, doch ein solcher soziokultureller Wandel benötigt Zeit und kann sich zu einer Generationsfrage entwickeln. Die oft genannten Digital Natives leben bereits in einer Welt, in der der sie Inhalte teilen und gemeinsam produzieren, doch ihre Stimme ist noch zu leise um von EntscheidungsträgerInnen wichtig genommen zu werden.

In seiner Keynote erklärte Andy Williamson (Hansard Society, UK) den Wandel von einer gemeinschaftlich orientierten zu einer individuellen Gesellschaft, in der die BürgerInnen von der Politik als KundInnen wahrgenommen werden. Ismael Peña-López (Open University of Catalonia, ESP) stellte fest, dass den Internet- und Medienkunden in unserer Gesellschaft mehr Bedeutung beigemessen werden muss, da es noch immer eine digitale Kluft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt. Das Wissen um neue Möglichkeiten der Beteiligung ist die Basis für E-Partizipation.

Den zweiten Tag eröffnete Micah L. Sifry (Personal Democracy Forum, Tech President, USA) mit einer kritischen Betrachtung der US-Administration. Während Präsident Obama den Wahlkampf nur mit Unterstützung sozialer Medien gewinnen konnte, wird die Einbindung der BürgerInnen in demokratiepolitische Prozesse derzeit nicht im selben Ausmaß gefördert. Der viel gepriesene Paradigmenwechsel in der Politik kann anscheinend nicht innerhalb weniger Monate vollzogen werden.

Stevan Harnad (American Scientist Open Access Forum, CAN/UK) verdeutlichte die Bedeutung von Open Access für die Wissenschaft, da der Großteil der jährlichen 2,5 Millionen Publikationen kaum zugänglich ist. Die Qualität eines wissenschaftlichen Artikels wird künftig nicht mehr über den Publikationsort sondern über die Anzahl der Zitierungen definiert werden, was für frei zugängliche Publikationen von Vorteil ist. Die Wissenschaft muss sich also verstärkt dem Thema Transparenz widmen.

Bei Diskussionen im Rahmen von Vorträgen und Workshops konnten sich alle TeilnehmerInnen der Konferenz einbringen um diverse Standpunkte zu erörtern. Dabei wurden weltweit gemeinsame Probleme der E-Demokratie offensichtlich, ebenso wie unterschiedliche Ansätze in verschiedenen Kulturräumen. Nächstes Jahr im Mai treffen sich internationale VertreterInnen aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung um sich bei einer neuen Konferenz an der Donau-Universität Krems unter den Schlagworten Open Government, E-Partizipation, E-Voting und Open Access auszutauschen.

Gesponsert wurde die Veranstaltung von OCG (Österreichische Computer Gesellschaft), BRZ (Bundesrechenzentrum), AIT (Austrian Institute of Technology) und Zebralog.

Informationen zur Konferenz 2010 (EDem10): www.donau-uni.ac.at/edem

EDem10 im Blog des Zentrums für E-Government: http://digitalgovernment.wordpress.com/tag/edem10/

Website der neuen Conference for E-Democracy 2011 (CeDEM11): www.donau-uni.ac.at/cedem

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