Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das auf mehr Effizient und Sparsamkeit bei IT-Prozessen angelegte Cloud Computing soll ein Umweltfeind erster Ordnung sein. Das meint zumindest die Öko-Organisation Greenpeace, die in einer aktuellen Studie festgestellt hat, dass die Treibhausgas-Emissionen der IT-Branche durch Cloud Computing deutlich ansteigen könnten.
Wie das? Durch die Datenströme, die Cloud Computing hervorruft, werden immer mehr Server in Rechenzentren und immer leistungsfähigere Telekom-Netze gebraucht. Der Energiekonsum zum Betrieb dieser Netze steige damit stark an, meint Greenpeace. Wenn das derzeitige Wachstum des Cloud Computing anhalte, dann werden die Serverfarmen zusammen mit den Breitbandnetzen bis zum Jahr 2020 enorme Mengen an Strom verbrauchen, und zwar laut Greenpeace-Schätzung knapp 2000 Terawattstunden pro Jahr. Und da zumindest derzeit noch die IT-Welt hauptsächlich mit Energie aus Kohlekraftwerken gespeist wird, steigen damit naturgemäß die Treibhausgase, bemängelt Greenpeace.
Diesem Gedankengang folgend, kommt man zu dem Schluss, dass sich die beiden aktuellen Megatrends der IT-Welt, nämlich Cloud Computing und Green IT, diametral zueinander verhalten. Eine Lösung des Problems liegt also nur darin, dass so viele Rechenzentren wie möglich auf erneuerbare Energie setzen, wie es Google, Yahoo und Microsoft teilweise bereits tun. Erneuerbare Energiequellen erfordern allerdings wieder Investitionen der betroffenen Unternehmen, was die Einsparungen durch Cloud Computing locker wieder aufhebt. Firmen werden sich also entscheiden müssen, ob sie dem guten Ruf und der Umwelt zuliebe alternative Energiequellen für ihre IT einsetzen, oder im Sinne einer gesunden Jahresbilanz, über die sich Aktionäre am meisten freuen, lieber Einsparungen durch - laut Greenpeace - umweltschädliches Cloud Computing umsetzen. Man braucht kein Experte zu sein, dass vor allem mittelgroße und kleinere Firmen sparsamere IT dem Umweltgedanken den Vorzug geben.
Ein weiterer Aspekt wurde von Greenpeace schonungslos enthüllt: Das soziale Netzwerk Facebook ist offenbar ein Umweltsünder größeren Ausmaßes: Die Energie für die Serverfarmen des Facebook-Betreibers PacifiCorp wird laut den Umweltschützern überwiegend von Kohlekraftwerken zur Verfügung gestellt. Somit leistet jeder Facebook-Nutzer mit seinen Einträgen einen nachhaltigen Beitrag zur Umweltschädigung und hinterlässt zusätzlich zu seinem Profil im Internet auch einen ordentlichen ökologischen Footprint. Wer hätte das gedacht?




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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 