22-4-2010 | Aus MONITOR 3/2010 Gedruckt am 31-08-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/12787
IKT-Fachmessen & Events

Interview mit Matthias Limbeck, Reed Exhibitions Messe Wien

"Marktplayer sind entscheidend"

Die Cross Con 2010 wurde abgesagt - erlebt sie 2011 ihre Premiere? MONITOR sprach über die aktuelle IKT-Fachmessen Situation in Österreich mit DI Matthias Limbeck, Geschäftsführer Marketing & New Business bei Reed Exhibitions Messe Wien, Veranstalter der ITnT und Cross Con.

Dominik Troger

„Der Wunsch der Branche nach einer gemeinsamen Plattform ist entscheidend.” DI Matthias Limbeck, Geschäftsführer Marketing & New Business bei Reed Exhibitions Wien

Gibt es eine Krise klassischer Fachmessen?

Diese Frage kann man nur branchenspezifisch beantworten. Wir hatten heuer schon über zehn erfolgreiche Messen in Salzburg und Wien, sowohl Fach- als auch Publikumsmessen. Ein gutes Beispiel ist die AquaTherm, die Internationale Fachmesse für Heizung, Klima, Sanitär, die heuer sehr gut funktioniert hat, und wo es nach Jahren gelungen ist, wieder alle Segmente geschlossen zu präsentieren.

Speziell auf die IKT-Branche bezogen trifft es sicher zu, dass sich das klassische Fachmessekonzept in der Krise befindet. Nicht nur nur hier in Österreich wird nach neuen Veranstaltungsformaten gesucht. IKT-Fachevents nach traditionellem Muster, die einen starken Community-Aspekt haben, werden nicht mehr angenommen.

Wie schaut aus Ihrer Sicht die spezifische Situation in Österreich aus?

Entscheidend ist, was die Branche will. Es hat sich ja schon bei der ITnT abgezeichnet, dass die großen Marktplayer weggebrochen sind. Österreich ist ein kleiner Markt, die Großen wissen über die Top österreichischen Unternehmen bis in den Mittelstand hinein aufgrund ihres Partnernetzes bestens Bescheid. Sie kennen nicht nur die IT- und Telekom-Ausstattung genau, sondern auch die Schuhgröße des zuständigen IT-Managers.

Viele sind der Meinung, dass sie deshalb keine gemeinsame IT-Community-Messe mehr benötigen, weil sie ihr Zielpublikum ohnehin kennen. Außerdem möchten sie die eigenen Kunden verteidigen und das funktioniert mit Corporate Events viel besser.

Die ITnT sollte durch die Cross Con abgelöst werden. Wie ist man hier vorgegangen?

Wir haben nach der letzten ITnT im Jänner 2009 mit Vertretern der Branche sehr viele, intensive Gespräche geführt und grundsätzlich positives Feedback erhalten. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Plattform war vorhanden, sie sollte aber einen anderen Fokus haben. Die Themen, bei denen sich die Firmen in den nächsten Jahren die größten Umsatzchancen erwartet haben, sollten im Mittelpunkt stehen, wie zum Beispiel E-Health, E-Government, Kernthemen aus dem betriebswirtschaftlichen Umfeld. Auf der Veranstaltung sollte außerdem der direkte Kontakt mit Entscheidungsträgern möglich sein, die von einem hochkarätigen Content-Angebot profitieren sollten.

Es hat sich bei der Umsetzung leider gezeigt, dass es in der Branche in den Details zu unterschiedliche Vorstellungen gegeben hat. Für 2010 ist es nicht gelungen, eine gemeinsame Formel zu finden. Oft ist es besser, dann zu sagen, zurück auf das Trocken-Dock, noch einmal überarbeiten - und in diesem Fall verschieben auf 2011.

Glauben Sie, dass das Konzept der Cross Con im Markt verstanden wurde?

Wahrscheinlich hat man die Cross Con als Nachfolgeveranstaltung der ITnT zu sehr als "Messe" wahrgenommen. Für 2011 könnte ich mir vorstellen, dass man den inhaltlichen Aspekt noch deutlich verstärkt. Dass könnte bedeuten, dass man zum Beispiel von einem zweitägigen Kongress ausgeht und mit nur mehr 50 bis 100 Firmen spricht, die sich dann einbringen.

Wird es eine Cross Con 2011 geben?

Gespräche für eine mögliche Cross Con werden ab Mai mit Branchenvertretern geführt werden. Wir sind da ganz offen. Grundsätzlich muss aber der Wunsch nach einer gemeinsamen Plattform vorhanden sein, wir bringen uns dann gerne als Dienstleister ein.

Wenn sich an der Situation nichts ändert, dann wird es auch 2011 keine Veranstaltung gegeben. Es macht keinen Sinn, das mit Gewalt durchziehen zu wollen. Möglicherweise dreht sich die Stimmung in einigen Jahren wieder. Bei der AquaTherm haben wir gesehen, dass die Zersplitterung der Branche schon so groß war, dass wieder alle einen gemeinsamen Event haben wollten und das auch voll unterstützt haben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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