22-4-2010 | Aus MONITOR 3/2010 Gedruckt am 23-10-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/12786
IKT-Fachmessen & Events

Wechselvolle Geschichte:

IKT-Fachmessen in Österreich

Heuer wird es also keinen großen IKT-Fachevent in Österreich geben. Die Cross Con, für Ende April als Nachfolgeveranstaltung der ITnT geplant, wurde abgesagt. Die wechselvolle Geschichte heimischer IKT-Fachmessen ist um eine Facette reicher.

Dominik Troger

Messe Wien

Es begann mit der ifabo und es endete mit der ITnT - vorläufig zumindest. Die ifabo war in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein gut besuchtes Konglomerat aus Fachevent und Publikumsmesse gewesen, das neben IT- und Telekommunikation auch die Büromöbelhersteller einbezogen hatte. Wer sich heute an die ifabo jener Jahre erinnert, denkt dabei an das alte Messegelände mit vielen kleinen, schlecht klimatisierten Hallen und engen, von Besuchern überquellenden Gängen - und (hoffentlich) auch an gute Geschäfte.

Die letzte ifabo fand 2002 statt, damals schon ohne Büromöbel und unter anderen Voraussetzungen. Der großflächige Umbau des Messegeländes hatte bereits begonnen und der Veranstalter war auch schon ein anderer. Im Jahr 2000 waren Messename und Markenrecht - wie die von 21 anderen Wiener Messen - von Reed Exhibitions übernommen worden.

Die Neuausrichtung der Messe als reiner IKT-Fachevent scheiterte, nicht zuletzt wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage nach Platzen der Dotcom-Blase. Zudem wurde die ifabo 2001, mit der das neue Messemanagement noch einmal durchstarten wollte, ein Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York. Der Fachkongress, zu dem hochkarätige Vortragende auch aus den USA einfliegen sollten, musste abgesagt werden.

Im Jahr darauf erlebte die ifabo einen starken Besucherrückgang, die Zahlen brachen von 2001 auf 2002 deutlich ein - von rund 31.000 auf 22.000. Ohne sich einer weiteren Unterstützung der Branche zu erfreuen, wurde sie kurz darauf zu Grabe getragen.

Messe-Doppel

Nachdem die 2003 von Reed angekündigte ifabo-Nachfolge-Veranstaltung "enter" nur ein äußerst schwaches Lebenszeichen setzte, schien es zuerst, als habe die exponet das Rennen um den IKT-Messeplatz Wien gemacht.

Die exponet war 1994 vom Veranstalter DC international ins Leben gerufen worden und hatte sich im Austria Center Vienna als Spezialmesse für Netzwerk- und Telekomanbieter etabliert. Mitte der 90er-Jahre konnte sie auf rund 200 Aussteller und etwa 15.000 Besucher verweisen. Mit dem zunehmenden Schwächeln der ifabo wuchs die Messe deutlich an und verdoppelte in Folge ihre Ausstellerzahlen. Auch die Besucherzahlen schnellten in die Höhe. Die exponet scheiterte jedoch in Folge an den Kapazitätsengpässen der Örtlichkeit und an einer von vielen Ausstellern als - vorsichtig formuliert - zu einseitig empfundenen Kundenbeziehung. Das neu errichtete Messezentrum bot sich als Alternative an - und die Branche wagte den Aufstand, kreierte in Kooperation mit der Reed Messe die "ITnT".

Schlusspunkt ITnT?

Der Termin der neuen Messe wurde pointiert zeitgleich mit der exponet im Februar 2005 angesetzt und das Votum war eindeutig: Bei Reed konnte man mit etwa 13.500 Besuchern und rund 200 Ausstellern bilanzieren, die exponet im Vienna Austria Center verzichtete auf eine Bekanntgabe ihrer Besucherdaten. Es sollte ohnedies die letzte gewesen sein.

Die ITnT war von vornherein als dreitägiger Fachevent konzipiert, eine Ausstrahlung in den zentraleuropäischen Raum wurde angestrebt, aber nie wirklich erreicht. Die Messe entwickelte sich zuerst recht gut, 2008 wurde die 400 Aussteller-Marke überschritten, man konnte über 17.000 Besucher zum Kommen animieren. Ein Jahr später erfolgte im Sog der weltweit schwächelnden Wirtschaft ein deutlicher Einbruch: 335 Aussteller und 13.849 Besucher erzeugten Handlungsbedarf: die Geburtstunde eines neuen Veranstaltungskonzeptes, der Cross Con, hatte geschlagen.

Der Versuch der Reed Messen in Kooperation mit den großen Keyplayern der heimischen IKT-Branche die Cross Con als ITnT-Nachfolgeformat ins Rennen zu schicken, scheiterte schließlich an der knappen Zeitvorgabe, an den Eigeninteressen der einbezogenen Branchenvertreter und an der zu undeutlichen Kommunikationsstrategie des Veranstalters. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und für Mai sind erste Gespräche betreffend einer möglichen Cross Con 2011 angekündigt.

Klassische Fachmessen in der Krise?

Die Antwort auf diese Frage ist stark branchenabhängig und hat auch mit "Moden" zu tun. Gerade in der IKT-Branche wird man derzeit aber kaum von einem Fachmesse-Boom sprechen können, leidet doch selbst die CeBIT, das große Flaggschiff der Branche, seit Jahren unter Schwunderscheinungen.

Auch neue Messeformate wie "Conventions", sozusagen Hybride zwischen Fachkongress und Messe, haben sich zumindest im deutschsprachigen Raum nicht als die große Alternative erwiesen: die zur Discuss & Discover mutierte Systems erlitt 2010 dasselbe Schicksal wie die Cross Con - nämlich auf 2011 verschoben zu werden. Allerdings belegen kleinere Events im süddeutschen Raum - wie die auf Security spezialisierte it-sa in Nürnberg oder die IT & Business in Stuttgart (Schwerpunkt: Business Software) - dass erfolgreiche Messen nach wie vor möglich sind. Beide Veranstaltungen werden auch 2010 über die Bühne gehen.

Österreichische Spezialitäten?

Außerdem verleitet die Frage nach einer "Krise der IKT-Fachmessen" vielleicht dazu, den möglichen Erfolg eines IKT-Events nur am Veranstaltungsformat messen zu wollen: eine Argumentation, die auch gut als Ausrede dienen kann. Gerade in Österreich mit seinem kleinen Markt ist das Bekenntnis der Branche zu einer solchen Veranstaltung essentiell - und hier sind insbesondere die großen IKT-Unternehmen gefragt, deren Zugkraft dann auch vielen kleineren Ausstellern ein wirtschaftlich ansprechendes Ökosystem verheißt.

Aber gerade diese Großen zieren sich: Das kann mit internationalen Vorgaben zu tun haben, mit der ohnehin weitreichenden Kenntnis des österreichischen Marktes, mit dem Fokussieren auf Eigenveranstaltungen oder gar mit den Marketing-Philosophien einzelner handelnder Persönlichkeiten. Möglich, dass sich das in Zukunft wieder ändert - der heimischen IKT-Branche, die zu den wirtschaftskräftigsten Sparten dieses Landes zählt, würde es sicher gut tun.

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