22-4-2010 | Aus MONITOR 3/2010 Gedruckt am 20-10-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/12785
IKT-Fachmessen & Events

IKT-Fachmessen in Österreich

Was wünscht die Branche?

MONITOR hat der Branche in Sachen IKT-Messen ein wenig auf den Zahn gefühlt. Das Ergebnis ist so heterogen wie die Branche selbst. Dem Wunsch nach einer gemeinsamen Veranstaltung steht eine prinzipielle Skepsis gegenüber, die eher Spezialevents bevorzugt.

Dominik Troger

Gefragt wurde, welche Bedeutung man einer IKT-Fachmesse in Österreich zumesse, ob man das klassische Fachmessenkonzept noch für zeitgemäß halte, wie man die als ITnT-Nachfolger geplante Cross Con im Vorfeld beurteiltet hat und ob Messen im Ausland, z. B. im süddeutschen Raum, eine Alternative darstellen. Die Antworten sind im Folgenden zusammengefasst und alphabetisch nach Firmennamen sortiert.

Monika Düsterhöft, Marketing Director, Cubeware GmbH

Eine alljährliche Fachmesse für Informations- und Kommunikationstechnologie hat aus unserem Blickwinkel auf dem österreichischen Markt grundsätzlich ihre Berechtigung. Allerdings muss so eine Fachmesse eindeutig "IKT fürs Business" thematisieren, klar strukturiert sein und darf sich nicht etwa als Bauchladenplattform in einem wilden Sammelsurium aus verschiedensten Angeboten verlieren.

Man braucht nur auf den Niedergang der Systems, die weit hinter den Erwartungen gebliebene Premiere der discuss & discover oder auch auf die Gesamtentwicklung der CeBIT zu schauen - ja, das klassische Fachmessekonzept befindet sich in einer Krise. Der Weg heraus kann nur über eine Fokussierung der Inhalte erfolgen und dem Schaffen von Mehrwerten für die Besucher. Gefragt sind scharfe Messeprofile, stimmige Hallenkonzepte und eine eindeutige Zielgruppenansprache. In Summe also muss für einen Besucher ein Informationsmehrwert gegenüber anderen Medien wie beispielsweise dem Internet vorhanden sein. Dieser Mehrwert kann nur im persönlichen Kontakt, einem schnellen Vergleich verschiedener Anbieter und dem Live-Erlebnis bestehen - auf einer Messe darf und muss es "menscheln".

Die Cross Con haben wir nicht tiefergehend evaluiert, da sich uns kein klares Konzept dargeboten hat, das uns hätte überzeugen können. Stattdessen haben wir ein eigenes Roadshow-Konzept aufgelegt und sprechen darüber hinaus den österreichischen Markt auf fokussierten BI-Veranstaltungen und in gemeinsamen Events mit unseren Business Partnern an.

Im Hinblick auf Fachmessen kann man Landesgrenzen zwar nicht ausblenden, aber immerhin bis zu einem gewissen Grad hintenanstellen. Das gilt insbesondere für Süddeutschland und österreichische Interessenten, die sich dort durchaus gut aufgenommen fühlen. Jedoch kann das kein Ersatz für einen eigenen, lokalen Marktplatz bedeuten, zumal mit Blick auf BI-Lösungen im gesamten ITK- Umfeld das Potenzial und der Bedarf in Österreich absolut gegeben sind.

Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich

Im Hinblick auf die Kommunikation der E-Government Strategie und den offenen Standards bzw. Tools hat die IKT-Branche einen ganz wichtigen Stellenwert. Eine IKT-Fachmesse bietet darüber hinaus nicht nur die Möglichkeit der Präsentation der österreichischen E-Government Landschaft, sondern auch die Vertiefung der Kontakte bei persönlichen Gesprächen.

Wie schon heuer die CeBIT gezeigt hat, ist eine reine IKT-Fachmesse ohne innovative Konzepte bzw. klaren Schwerpunkten auf die Dauer nicht überlebensfähig. Ein möglicher Ansatz ist eine Fachkonferenz mit begleitender Ausstellung. Allerdings muss hier klar die Zielgruppe definiert werden, um ein maßgeschneidertes Konzept zu liefern.

Der Ansatz beziehungsweise der Aufbau der Cross Con war sicherlich richtig und folgt auch dem internationalen Trend. Allerdings muss der Nutzen für die IKT-Branche anscheinend noch klarer zum Ausdruck gebracht werden. Für Österreich als Wirtschaftsstandort ist "eine" große IKT Veranstaltung unbedingt sinnvoll, jedoch verzetteln wir uns derzeit in viele kleine Hausmessen.

Die Plattform Digitales Österreich ist das Koordinationsgremium der Bundesregierung für E-Government in Österreich. Daher liegt für uns ein klarer Schwerpunkt auf den Ausbau der Services und der Flächendeckung des Angebotes in Österreich. Eine Teilnahme an ausländischen Messen mit einem Gemeinschaftsstand unter der Flagge "Digitales Österreich" macht nur Sinn, wenn sich auch diejenigen beteiligen, die vom möglichen Export einen Nutzen haben beziehungsweise international tätig sind.

Johann Deutinger, Vorstand Ferrari electronic AG

Das klassische Fachmessekonzept ist in einem Veränderungsprozess begriffen. Die klassischen Messen haben nicht mehr wie früher das Ziel, neue Produkte vorzustellen. Durch die zunehmende Vernetzung und Mobilität werden Neuigkeiten zeitgleich zum Produktlaunch im Internet veröffentlicht. Webcasts, Blogs und Co. informieren in aller Tiefe und Nutzer können die Informationen überall und jederzeit einsehen.

Es war auch früher nie Sinn und Zweck einer Messe, Geschäftsabschlüsse zu tätigen, sondern einen ersten Kontakt zu ermöglichen. Heute findet dieser erste Kontakt bereits vorher online statt. Die Messe selber wird zu einer Plattform, neue Kunden und Interessenten persönlich zu treffen und alte Kontakte zu pflegen. Das "Socializing" steht viel mehr im Vordergrund. Fachmessen sollten dies als Chance sehen und das Internet und Social Media nicht als Wettbewerb betrachten. Werden diese neuen Werbeformen ins Konzept integriert und den Ausstellern kombinierte Beteiligungsformen angeboten, ist die Fachmesse nach wie vor für Besucher sowie Aussteller attraktiv.

Generell haben wir als Aussteller im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit unseren Messebeteiligungen gemacht. Die Qualität der Gespräche hat uns überrascht. So kamen viele Besucher mit konkreten Fragen und konnten detailliertes Hintergrundwissen vorweisen. Mit der Mehrzahl der Besucher hatten wir einen festen Gesprächstermin ausgemacht, was zeigt, dass das Laufpublikum rar ist. Fast alle unsere Interessenten sagten, sie kämen mit festen Terminen zur Messe, anstatt sich nur allgemein zu informieren. Auffällig war, dass sich auch Aussteller untereinander Kontakte vermittelt haben, zum Beispiel vom Hersteller zum Systemhaus. Für Kunden hat dies einen großen Vorteil, da sie gleich vor Ort Projektabläufe konkret durchsprechen können und alle beteiligten Unternehmen "an einem Tisch sitzen". Die Veranstaltungen wurden so zu einer echten Austauschplattform.

Gerade weil ich in einem deutschen Unternehmen arbeite, liegt mir als Österreicher die Tuchfühlung mit den hiesigen Unternehmen sehr am Herzen. Uns sind lokale Plattformen in Österreich, auf denen wir mit Interessenten und Kunden in Kontakt treten können, besonders wichtig. Unserer Erfahrung nach sprechen ITK-Messen in Süddeutschland die Österreicher nicht gezielt an. Nur eine lokale Veranstaltung kennt die Bedürfnisse des Marktes und kann aktuelle Themen und lokale Trends aufgreifen. Wir werden immer Veranstaltungsformate unterstützen, die uns ermöglichen aktiv den österreichischen Markt anzusprechen.

Dr. Maria Christine Hofmann, it communications

Stünde ich vor der Aufgabe eine Marketing-Diplomarbeit schreiben zu müssen, so würde ich das Thema "The rise and fall der österreichischen IKT-Fachmessen" wählen. Von der ifabo, die wir mit viel Verve selbst todgeredet haben (ich kann mich an Jahre mit weit über 100.000 Besuchern erinnern, aber das Messe-Image war trotzdem schlecht), über die exponet, die sowohl von den Besuchern, als auch Seitens der Ausstellern eine hohe Akzeptanz genoss, bis die Messeleitung ihre Kunden konsequent vertrieb, bis hin zur ITnT, die mit viel Initiative einzelner Repräsentanten aus Anbieterschaft und Fachpresse gegründet wurde und bereits nach kürzester Zeit wieder gescheitert ist.

Die Frage, die sich schlussendlich stellt ist: War die letzte ITnT der Schwanengesang der IKT-Messen oder wird sich noch einmal genug Enthusiasmus in der Aussteller-Riege aktivieren lassen, um eine Fachmesse, die diese Bezeichnung auch verdient, auf die Beine zu stellen. Die Entscheidung darüber steht und fällt mit dem Einsatz des Messeveranstalters, der bei der Cross Con zu wünschen übrig ließ und dem Commitment der großen Hersteller. Ohne deren Teilnahme wird es keine Messe mit Aussicht auf Erfolg geben können.

Michael Botek, Geschäftsführer ITdesign

Ich denke das Konzept einer allgemeinen IKT-Fachmesse ist grundsätzlich zu überdenken. Das Problem ist die Breitbandigkeit. Welche Kunden sollen denn angesprochen werden? Wer ist das Zielpublikum? Jene die sich für IT interessieren?

Besser wäre eine Fokussierung im Rahmen einer Umbrella-Organisation wie etwa eine Fachmesse beispielsweise für Hardware, Storage und Netzwerk; eine für Dokumentenmanagement/Workflow und so weiter. Diese würden kleiner sein, aber für das Thema interessiertes Fachpublikum stärker anziehen. Teilweise gibt es solche Veranstaltungen, aber von einzelnen Organisationen, sodass sich kein Standard etablieren kann. Das Resultat ist eine Zersplitterung der Anbieter. Auf der Strecke bleiben die Kunden, die dann vieles sehen und doch nicht das finden, was sie suchen.

Ing. Mag. Christian Schober, Marketingleiter bei Kapsch BusinessCom AG

Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass die Bedeutung von Messen abgenommen hat. Als Österreichs führender Systemintegrator war es für uns immer selbstverständlich, dass wir uns an den vorhandenen Messen aktiv beteiligt haben. Doch sind wir in den letzten Jahren zunehmend dazu übergegangen kleine fachspezifische Veranstaltungen zu organisieren, in deren Rahmen wir aktuell auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen können. Ein solches Format ist auch überregional gut einsetzbar.

Jede Messe steht und fällt mit dem richtigen Mix aus namhaften Ausstellern, einem interessierten und finanzkräftigen Fachpublikum und entsprechenden attraktiven Begleitprogrammen. Somit macht meiner Meinung nach nicht die Fachmesse als Konzept eine Krise durch. In den letzten Jahren ist es zunehmend schwieriger geworden, Publikum zu Fachmessen zu bewegen. Sinkende Besucherzahlen bedingen naturgemäß auch eine gesunkene Motivation bei bedeutenden Ausstellern. Ein Kreis der nur schwer durchbrochen werden kann.

Für Kapsch BusinessCom stellte das Format der Cross Con hin zur Form einer Konferenz, mit dem Anspruch in direkteren Dialog mit Messebesuchern treten zu können, einen interessanten Ansatz dar. Bedeutete jedoch auf der anderen Seite, durch den modularen und stark normierten Messestandbau, auch eine starke Beschränkung der eigenen Darstellungsmöglichkeiten.

Vom heutigen Standpunkt aus ist eine Teilnahme an Messen in Süddeutschland für uns keine Alternative.

Thomas Lutz, Unternehmenssprecher, Microsoft Österreich

Microsoft hat bei allen seinen Aktivitäten stets ein besonderes Augenmerk auf den ganz klaren Nutzen für seine Kunden und Partner. Deshalb evaluieren wir die Teilnahme an Konferenzen und Messen jedes Jahr aufs Neue. Unabhängig davon wird Microsoft Österreich bestehende, österreichweite Partner- und Kundenveranstaltungen wie die sehr erfolgreiche BigDays Roadshow fortsetzen und mit dem neu geschaffenen Microsoft Innovation Center (MIC) eine zusätzliche, spannende Plattform für Kunden und Partner im Herzen Wiens bieten.

Ing. Günter Neubauer, Geschäftsführung , Omega Handelsges.m.b.H.

Ich denke, dass keine IKT-Messe in benachbarten Ländern eine nationale Messe in Österreich ersetzen kann: Einerseits um Unternehmen die Möglichkeit zu bieten Ware oder Dienstleistungen zielgerichtet dem Publikum "vor Ort" zur präsentieren, als auch um den Wirtschaftstandort Österreich zu stärken.

Der Wandel der Märkte, als auch die vielbesprochene Krise wirkt sich natürlich auch extrem in der Bereitschaft der Unternehmen aus, in Marketing, Werbung und auch Messeauftritte zu investieren. Meiner Meinung nach ist es immer noch wichtig, Unternehmen und Kunden eine Plattform zu bieten, um ein Aufeinandertreffen qualifizierter Kunden und Marktkontakte zu erleichtern. Da ein unmittelbarer monetärer Erfolg im Regelfall nicht gegeben ist, Einsparungen in diesem Bereich sich jedoch sofort zu Buche schlagen, versuchen natürlich viele Unternehmen in Zeiten wie diesen, ihre Messeauftritte möglichst kostengünstig zu gestalten. Denn wie man es auch dreht und wendet, einem Unternehmen muss es letztendlich immer noch um Generierung von Gewinn gehen. Eine Fachmesse bietet in einem ausgewogenen Marketing Mix durch Auffrischung von Kundenkontakten, Informationsaustausch und Steigerung des Bekanntheitsgrades einen Weg, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Omega Handelsges.m.b.H. war ein treuer Aussteller der ITnT. Als Nachfolgeveranstaltung der ifabo war diese Messe für uns als Distributor namhafter Hersteller perfekt geeignet, um das Unternehmen und die von uns geführten Marken und Produkte dem Kunden näher zu bringen, sowohl kunden- als auch hersteller-seitig bestehende Kontakte zu pflegen und potentielle neue Kunden zu gewinnen. Das Nachfolgekonzept der Cross Con wäre für uns als Aussteller eine neue Herausforderung gewesen, da das Konzept dieser Veranstaltung über den bisherigen Präsentationscharakter hinaus gegangen wäre und vor allem der Aspekt des Kongresses im Vordergrund gestanden hätte.

Dr. Walter Huemer, Geschäftsführer PCS IT-Trading GmbH

PCS ist sowohl ERP-Anbieter, als auch Systemintegrator und großer Reseller von IT- Infrastrukturlösungen. Eine erfolgreiche jährliche IKT-Messe, wo wir uns gesamtheitlich präsentieren könnten, wäre daher sehr wichtig für uns. Es gibt hier auch wenige Alternativen.

Wie Fachmessen aus ganz anderen Bereichen zeigen, besteht durchaus ein Bedarf nach persönlichem Kontakt in realen Marktplätzen. Die Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch, dass die Messe einen ausreichend breiten Überblick über das aktuelle Angebot gibt. Im Fall der IKT heißt das, dass eine Messe ohne die großen Hardwarehersteller oder Microsoft niemals die kritische Masse erreichen wird.

Leider waren die Informationen zur Cross Con seitens der Messe äußerst spärlich. Was wir jedoch aus vorliegenden Medienberichten entnehmen konnten, hat uns nicht überzeugt, da das Konzept weder Fisch noch Fleisch war, also weder ein wirklich professioneller, hochkarätiger Kongress, noch eine Messe mit interessanten und attraktiven Ausstellerpräsentationen.

Fachmessen im Ausland sind für uns keine Alternative, da die österreichischen KMUs dieses Angebot nicht nutzen würden. Die unbefriedigende Besucherzahl aus den Bundesländern bei der ITnT zeigt, dass die Unternehmen nicht mehr bereit sind sehr viel Anreisezeit für einen Messebesuch zu investieren.

Oliver Prevrahl, Country Manager, retarus Österreich.

Eine jährliche IKT-Fachmesse in Österreich wäre wichtig, wobei die Betonung auf Fach(!)messe liegt. Allerdings ist das klassische Messekonzept tot. Messen müssen sich völlig neu positionieren und für den Fachbereich einen absoluten Mehrwert bieten. Es fehlt an exklusiven Key-Note-Speakern und Visionären der IT.

Ich denke da an "spezifischere" Veranstaltungen mit der klaren B2B-Zielgruppe und folglich in kleinerem Rahmen, dafür jedoch absolut themenfokussiert. Dadurch weiß der Besucher, was er sich erwarten kann und wird nicht von der Breite des IT-Angebots erschlagen. Er kann die Produkte und Lösungen der Firmen zu einem klar umrissenen Themengebiet rasch vergleichen und sich einen persönlichen Eindruck des Unternehmens machen.

Das "neue" Konzept der Cross Con habe ich nicht verstanden. Solange zum Beispiel Hardwarehersteller da noch immer Handys verkaufen, ist der Auftritt von Retarus, das mit seinen Messaging Services ausschließlich die B2B Zielgruppe adressiert, nicht sinnvoll.

Eine Messeteilnahme im Ausland ist möglich, aber nicht bevorzugt. Österreichische Fachkräfte sind bereit auf gute lokale Veranstaltungen zu gehen, im Ausland geht das "Familiäre" verloren. Man schaut noch immer zuerst darauf, was andere in der näheren Umgebung einsetzen, erst in zweiter Instanz wagt man den Blick über die Landesgrenzen. Wünschenswert wären also eher lokale Veranstaltungen mit internationaler Fachpräsenz.

Mag. Andreas Hrzina, Marketingleiter Rittal Schaltschränke GmbH

Österreich ohne eine einzige IKT-Fachmesse ist eigentlich unvorstellbar, doch es passiert wirklich. Technologie-Schübe der 80er und 90er-Jahre sind zwar nicht mehr in dem Umfang als Treiber von Messen vorhanden, dennoch ist der österreichische IT-Markt mit 10 Mrd. Euro IT-Spendings für eine eigene Messe groß genug.

Eine IKT-Fachmesse muss berücksichtigen, dass die Produkte und Leistungen, um die es geht, sehr unterschiedlich sind. Während die Hardware- und Infrastruktur-Hersteller eher das Ausstellungskonzept bevorzugen sind Lösungsanbieter eher an einem Kongresscharakter interessiert. Beides hat seine Berechtigung, beide müsste man unter einem Dach zusammenführen, was möglich ist.

Das Cross Con -Konzept war sehr ambitioniert. Jedoch konnten sich nicht alle Aussteller damit identifizieren. Im Endeffekt sind die "großen" Player ausgeblieben, womit dieselbe Situation geherrscht hat wie bei der letzten ITnT 09.

Da in den Nachbarländern eigene Rittal Tochtergesellschaften die Märkte betreuen steht uns die Option einer Messebeteiligung im Ausland nicht offen beziehungsweise ist hier Rittal bereits Aussteller. Wenn österreichische Bedarfsträger auf die Messen kommen ist Rittal deshalb meist präsent.

Markus Neumayr, Geschäftsführer Ramsauer & Stürmer Software GmbH

Als österreichischer Softwarehersteller stellt eine österreichische IKT-Fachmesse für uns eine wichtige Kommunikationsplattform zu unseren Kunden, Interessenten und Partnern dar, die wir auch in den letzten 20 Jahren immer genutzt haben.

Ich glaube nicht, dass das klassische Fachmessekonzept allgemein in der Krise ist, so verzeichnet etwa die GAST immer noch einen Zuwachs. Störend ist vor allem im IKT-Bereich das ständig wechselnde Messekonzept, das sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besuchern für Verwirrung sorgt. So war das Konzept der Cross Con für uns nicht schlüssig und es gab keine klare Ausrichtung. Zudem fanden wir auch die Package Module nicht wirklich attraktiv.

Die Messeteilnahme in Nachbarländern ist grundsätzlich schon eine Alternative, da mit unserem Firmenhauptsitz in Salzburg auch die räumliche Nähe zum süddeutschen Raum beziehungsweise der Schweiz gegeben ist. Eine klar positionierte österreichische IKT Messe steht allerdings an erster Stelle auf unserer Wunschliste.

Christian T. Retinger, Head of IT Solution Business & Business Development bei Samsung Electronics

Eine jährliche IKT-Fachmessein Österreich wäre sehr wünschenswert da sie - wenn richtig aufgezogen - der IKT-Branche, und hier sprechen wir von dem Motor der heimischen Wirtschaft, entsprechende Impulse verleihen würde. Nachdem wir zu einem beträchtlichen Teil Hardware entwickeln ist der gemeinsame Messe-Auftritt mit Lösungspartnern für uns von hohem Interesse. Darüber hinaus sehen wir eine derartige Veranstaltung als ein Podium für die gesamte heimische IKT Branche, die wir nutzen sollten, um gemeinsame Anliegen entsprechend zu kommunizieren.

Meiner Meinung nach ist das klassische Fachmessekonzept tot. Im Zeitalter von Internet ist ein Schaulaufen der Branche nicht mehr opportun. Jeder Interessent kann bequem über das Internet die neuesten Produkte - teilweise noch bevor sie überhaupt auf dem Markt erhältlich sind - bestaunen, mit Mitbewerbsprodukten vergleichen und eine Kaufentscheidung treffen. Im Gegensatz zur Automobilbranche brauchen wir in unserer Industrie keine Probefahrt, um die Leistungsfähigkeit unserer Produkte zu erfühlen. Das klassische Messekonzept hat für mich nur noch dann eine echte Bedeutung, wenn wir von Hausmessen sprechen.

Die ITnT 2009 war ausschlaggebend dafür, dass ich eine Veranstaltung wie die Cross Con gefordert habe. Die ITnT 2009 hat ganz deutlich gezeigt, dass das klassische Fachmessekonzept, das ja viele Jahrzehnte perfekt funktioniert hat, nicht mehr zeitgemäß ist. Die IKT-Branche hat sich weiterentwickelt. Heute sind nicht Komponenten, sondern Lösungen gefragt. Und moderne, voll integrierte Lösungen sind komplex. Oftmals können solche Lösungen nur im Verbund von Unternehmen realisiert werden. Und genau dafür braucht es eine "convention-artige" Veranstaltung.

Samsung hat sich bereits sehr stark in das Projekt Cross Con eingebracht. Wir sind hier seit der ITnT 2009 mit Reed Messen sehr intensiv im Gespräch. Sollte es zu keiner Cross Con im Jahr 2011 kommen, dann werden wir eigene Wege beschreiten. Wir hatten heuer bereits das zweite Mal das Samsung European Forum in Wien abgehalten. Hier präsentieren wir Kunden aus ganz Europa unsere Produkte und Lösungen. Wir nutzen dieses eigene Forum aber auch ganz intensiv, um mit Partnern und Kunden über deren Anforderungen und Lösungswünsche zu diskutieren.

Elisabeth Unger-Krenthaller, Marketing Director SAP Österreich

Österreich braucht eine neue Plattform, die den wirtschaftlichen Nutzen von IT-Lösungen in den Mittelpunkt stellt und die IT Welt den Fachbereichen näher bringt. Eine Kombination aus Kongress mit wertvollen Inhalten, Networking und Socialising ist für SAP eine ideale Plattform. Wichtig ist für uns der zielgruppengerechte Aufbau, sodass die Besucher auch einen klaren Mehrwert erhalten. Die Grundidee der Cross Con war gut, die Umsetzung erfolgte leider zu spät.

Gerhard Reiter, Geschäftsführer der österreichischen SoftM / Comarch Solutions

Die großen Zeiten für breitgefächerte IKT-Messen mit klassischen Messeständen sind vorbei. Der Trend geht hin zu themenspezifischen Fachveranstaltungen, Tagungen, inhaltsbezogenen Events. Die CeBIT ist eine der letzten dieser breitgefächerten Veranstaltungen. Auch die ITnT war eher in diesem klassischen Messeumfeld angesiedelt.

Die Nachfolgeveranstaltung Cross Con wurde uns zu wenig deutlich kommuniziert. Messen zum Beispiel im süddeutschen Raum sind für uns eher nicht attraktiv, es ist schon schwierig, beispielsweise aus Wien Besucher für eine Veranstaltung in Salzburg zu motivieren.

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