Die Handy-Penetration beträgt laut letztem Bericht der Telekom Regulierungs-Behörde RTR (4. Qu. 2009) 133 %. Doch im Businessbereich etwa hat noch fast jedes fünfte heimische Unternehmen kein Mobiltelefon im Einsatz. Jene 83 % (1), die ihren Mitarbeitern ein Handy zur Verfügung stellen, gebrauchen die Mobiltelefone vor allem zum Telefonieren. Dass man das Handy bereits vielseitig im Business einsetzen kann - angefangen von SMS, Surfen und E-Mail über mobiler Leistungserfassung und Personalplanung bis hin zu mobilem CRM und zur Steuerung von Unternehmensprozessen - davon sind viele Unternehmen noch meilenweit entfernt.
Die derzeitige Nutzung liegt noch weit hinter den Erwartungen der Mobilfunkanbieter zurück. Insgesamt nur jedes zehnte Unternehmen hat Smartphones, MDAs und Blackberrys überhaupt im Einsatz. Je größer ein Unternehmen desto mehr werden die neuen mobilen multitasking-fähigen Endgeräte genutzt: Bei den großen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern ist es immerhin mehr als jedes zweite Unternehmen (55 %).
Neben dem Telefonieren wird in erster Linie SMS genutzt: 35 % versenden SMS an Kollegen, 32 % auch an Kunden und Geschäftspartner. Nur jeder Vierte Business-User verwendet sein Handy zum Senden oder Abrufen von E-Mails, knapp jeder Fünfte surft mobil. Nur 15 % greifen per Handy auf das Unternehmensnetzwerk zu. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 %) gibt an, Handys ausschließlich zum Telefonieren zu verwenden. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen (53 %) sagen, sie wollen das auch 2010 nicht ändern.
Mobile Marktsituation

Quelle: INTEGRAL - Austrian Internet Monitor Business (AIM-Business), rep. österr. Unternehmen, Oktober 2009, n=754
"Wir sehen künftig drei Themenfelder: Machine-to-machine Lösungen, Branchenspezifische Lösungen sowie den Ausbau der Zeit- und Leistungserfassung vor allem in den Branchen Transport, Logistik, Bau und Dienstleister", betont mobilkom-Sprecher Werner Reiter. Große Hoffnungen aller Anbieter ruhen auf den großen Bereichen "mobile Zeit- und Leistungserfassung" sowie "Disposition und Auftragsmanagement".
Außendienst verbessern
Gemeinsam mit A1 Solution Partner LG Nexera wurde etwa eine mobile Leistungserfassung und Einsatzkoordination für das Wiener Hilfswerk realisiert. Etwa 300 Krankenschwestern und Pfleger sind mithilfe eines identen Touchscreen-Handy vernetzt und erhalten ihre Aufträge sowie wichtige Informationen zu ihrer Klientel direkt und top-aktuell auf das Handy. "Wir haben durch den Einsatz dieser mobilen Lösung die Betreuungs- und Arbeitsplatz-Qualität enorm gesteigert", freut sich DI Evi Pohl-Iser, Leiterin "Hilfe und Pflege daheim" des Wiener Hilfswerks. Außerdem konnten Kosten gesenkt werden: Etwa 80 bis 210 Euro pro Pflege-Mitarbeiter und Monat durch mehr Effizienz und weniger Verwaltungsaufwand, wird geschätzt.
Auch Machine-to-Maching-Tracking (M2M), der direkten, automatischen Kommunikation zwischen Geräten über Mobilfunk, werden hohe Chancen eingeräumt. Beispiel für eine erfolgreiche M2M-Anwendung ist das Flottenmanagement für die Dr. Richard-Verkehrsbetriebe, Österreichs zweitgrößtes Busunternehmen mit rund 850 Autobussen. Ist ein Buslenker etwa zu langsam oder schnell unterwegs, erhält er eine unmittelbare, automatische Mitteilung der Fahrplanabweichung und muss versuchen, diese wieder auszugleichen. Routenoptimierung, dynamische Fahrgastinformation, verbesserte Personal- und Fahrzeugdisposition und Diebstahlschutz (durch ständige Busortung) sind die Features dieser A1-Lösung.
Kosten und Zeit sparen

Fernsehen beim Friseur: Look TV von x-screen bringt auf 8-Zoll-Screens eine Mischung aus aktuellen Nachrichten, Beiträgen aus den Bereichen Fashion, Celebrities, News & Trends sowie Events & Szene. Die Geräte verbinden sich selbstständig mit dem „3”-Netz und laden neue Inhalte auf die Screens.
Eine wichtige Stoßrichtung in punkto Außendienst ist die Datenübermittlung von vor Ort zur Zentrale/zum zentralen Server. "Orange", drittgrößter heimischer Anbieter, hat sich bei der Zählerfernauslesung bei den Kunden einen Namen gemacht: TIWAG, VKW, Energie AG und auch die Wienstrom (Testbetrieb) zählen zu den Orange-Kunden. "Durch die elektronische Auslesung der beim Kunden montierten Stromzähler ersparen sich diese Unternehmen die sehr aufwendige manuelle Ablesung vor Ort durch einen Mitarbeiter", erklärt Orange-Sprecher Tom Tesch. Der Kunde müsse zudem nicht einmal zu Hause sein, die Daten werden automatisch übermittelt, sogar eine tägliche Auswertung sei dadurch kein Problem.
Stolz ist man bei Orange auch auf das Konzept der mobilen Nebenstellenanlage. Kunde sind etwa die Bezirksblätter: "Unser Stärke besteht darin, dass unsere Mitarbeiter bei den Menschen in den Regionen sind", sagt Bernhard Feurstein, technischer Geschäftsführer der Bezirksblätter. Jeder der 500 Mitarbeiter wurde mit einem Apple iPhone ausgerüstet, und die gesamte Festnetzinfrastruktur des Unternehmens wurde durch eine mobile Nebenstellenanlage ersetzt.
KMUs im Visier
Vornehmlich an Ein-Personen-Firmen sowie Kleinunternehmen richtet sich die mobile Unternehmensverwaltung von T-Mobile. Das Programm "epunet" von Blue Monkeys kann auch am Handy genutzt werden. "Epunet" ist eine ERP-Anwendung basierend auf einer Online-Plattform und kann zur Angebotserstellung, zur Abwicklung von Bestellungen, zur Verwaltung der Ein- und Ausgangsrechnungen und des Lagerstands genutzt werden. T-Mobile-Kunden können "epunet" mobil um 12 Euro monatlich nutzen.
T-Mobile setzt ähnlich wie mobilkom in punkto Applikationen auf Kooperationen. Mit der Fahrzeugortung Online von T-Mobile und YellowFox lassen sich alle Fahrzeuge der Flotte jederzeit orten und einem Fahrer zuordnen, Fahrtstrecken können kontrolliert werden. Unternehmen können ihr Fuhrparkmanagement optimieren, Fahrzeugdaten erfassen, Routen planen, Arbeitszeiten elektronisch erfassen und das Auftragsmanagement effizienter gestalten. Die Lösung erstellt zudem ein elektronisches Fahrtenbuch, das steuerlichen Prüfungen standhält.
T-Mobile bietet gemeinsam mit ilogs auch eine mobile Leistungserfassung. Zielgruppe dafür sind Gemeinden oder Servicedienstleister im Außendienst. Auf ihren mobilen Endgeräten finden die Mitarbeiter die ihnen zugeordneten Aufträge, Kunden und Kostenstellen und buchen darauf ihre Arbeitszeiten und erbrachten Leistungen.
Blick in die Zukunft

Kuhn Ladetechnik, Marktführer im heimischen Kran- und Staplerhandel, hat eine mobile CRM-Lösung gemeinsam mit A1-Solution Partner update realisiert (Foto: mobilkom)
In der Kategorie "Business Applikationen" gibt es bereits eine Reihe von Applikationen, vom Screenshot-Speichern oder dem "Skyfire Mobile Browser " - damit lassen sich etwa auch Flash-Applikationen abspielen bis hin zum "Smart Recorder" (Aufnahme und Speicherung von Telefonaten). Glaubt man den Prognosen, so werden in zwei bis drei Jahren die meisten Applikationen in den Shops der Endgerätehersteller heruntergeladen werden.
Noch in den Kinderschuhen aber ebenfalls stark im Kommen ist mobiles CRM (Customer Relationship Management) sowie mobiles ERP (Enterprise Resource Planning), technisch übrigens bereits ohne weiteres zu realisieren. "Dafür werden die kundenspezifischen Anforderungen für den effizienten externen Arbeitseinsatz erhoben und eine Spezifikation zur mobilen Abbildung der gewünschten Funktionen durchgeführt. Sowohl Anbindungen an Microsoft CRM (Microsoft Dynamics) als auch an SAP und Remedy Systeme sind bereits gängige Praxis", betont mobilkom-Sprecher Werner Reiter.
Hemmschuh bei allen mobilen Applikationen im Business-Alltag ist allerdings die noch störungsanfällige Qualität der Mobilfunknetze bedingt durch Überlastungen (zu viele User gleichzeitig) oder "Funklöcher".





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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 