Der EMEA TPI Index, der kommerzielle Outsourcing-Verträge mit einem Wert jenseits von je 20 Mio. US Dollar erfasst, weist ein Volumen von etwas über sieben Mrd. Euro an Total Contract Value (TCV) aus. Das ist eine Steigerung von 7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schweden konnte auf das Jahr bezogen seinen TCV durch einen einzigen Großauftrag der 14 % des globalen TCV-Marktes entspricht, mehr als verdoppeln. Frankreich konnte Verträge im Wert (TCV) von fast 2 Mrd. Euro verbuchen, was die Franzosen auf den dritten Platz im ersten Quartal 2010 brachte. Ein Großauftrag von SNCF war größtenteils für dieses Ergebnis verantwortlich.
Deutschland konnte zwar die Ein-Milliarden-Euro-Grenze für TCV im ersten Quartal 2010 überschreiten, musste jedoch einen Rückgang beim Marktanteil hinnehmen. Großbritannien, das Land mit dem historisch gereiftesten und größten Outsourcing-Markt, sah sich einem Rückgang von beinahe 50 % gegenüber. Im Jahresvergleich wurden weniger als 800 Mio. Euro an TCV verzeichnet.
“Obwohl wir hier nur die Quartalsergebnisse betrachten, scheinen diese anzudeuten, dass eine Marktverschiebung von Ländern, die bisher den großen Anteil zu Europas Sourcing Services beigesteuert haben, hin zu noch weniger stark entwickelten Märkten stattfindet“, erläutert Bernd Schäfer, Partner und Managing Director TPI, Deutschland.
Vertragsveränderungen bei denen Kunden ihre Verträge erneuern, neu verhandeln oder erweitern, machen 40 % der regionalen TCVs aus und übertreffen damit sogar das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2006, als ein Zuwachs von 24 % verzeichnet werden konnte. Obwohl Restrukturierungsmaßnahmen auch Zusatzgeschäfte versprechen, nahm das Neugeschäft in Europa um 22 % ab. Auch die Anzahl der Verträge schrumpfte um 24 %. Dieser auch weltweit zu beobachtende Trend, stellt die seit 2006 gültige Maxime von den „höheren Volumina bei kleineren Werten“ in Frage. Es wird jedoch nicht erwartet, dass dieser Trend weiter Bestand haben wird.
Der TPI-Index bietet für Kunden, Service Provider, Analysten und Medien eine vierteljährliche Bestandsaufnahme der Sourcing-Branche. Im letzten Jahr stellte der EMEA TPI Index heraus, dass das IT-Outsourcing (ITO) bei der wirtschaftlichen Erholung eine wichtige Rolle spielte. Dieses Muster hat sich auch im ersten Quartal des neuen Jahres, mit lebhaften Geschäften – vor allem im Bereich der Umgestaltung bestehender Verträge – fortgesetzt.
Insgesamt wurden im europäischen Outsourcing-Markt 6,3 Mrd. Euro an ITO TCV umgesetzt, was einem Wachstum von 19 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der TCV von Restrukturierungsmaßnahmen im IT-Outsourcing hatte im ersten Quartal einen Anteil von 44 % am IT-Outsourcing gegenüber lediglich 29 % im Vorjahreszeitraum. Allerdings sank die Anzahl der Verträge um 36 % und das Neugeschäft ging um 17 % zurück.
Die schwierige wirtschaftliche Lage traf das Business Process Outsourcing (BPO) in besonderem Maße. Der BPO TCV in Europa fiel um 36 % im Vergleich zum Vorjahr auf nun 900 Mio. Euro. In diesem Segment hatten Restrukturierungsmaßnahmen nur minimalen Einfluss. Die meisten BPO Prozesse, mit Ausnahme der Verträge im Sektor Financial Services Outsourcing (FSO), die sich als robust erwiesen, gingen im ersten Quartal zurück.


1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 