Ende 2009 wurde die Internetplattform wko.at einem Relaunch unterzogen. Was sind die wesentlichen Neuerungen und wie werden sie von den Unternehmen angenommen?
Der inhaltliche Aufgabenbereich der WKO ist sehr breit. Um eine bessere Orientierung zu schaffen, war es uns wichtig, eine klare Trennung zwischen den Leistungen der WKO als Interessensvertretung und den sonstigen Services für Mitglieder zu erzielen.
Zusätzlich wurde ein Hilfecenter mit den wichtigsten und am öftesten gestellten Fragen der Mitglieder integriert, der Bereich der Brancheninformationen wurde verbreitert, das "Firmen A-Z" und der Marktplatz funktional erweitert und natürlich auch ein zeitgemäßes optisches Auftreten erstellt. Zur Information über unsere neue Web-Plattform haben wir auch einen aktuellen Folder aufgelegt - das sehen wir übrigens nicht old-fashioned, sondern als gezielten Medienmix zum Nutzen unserer Unternehmen. Und mit 15% mehr Zugriffen als bisher wurde der Relaunch auch gut angenommen.
Welche Ziele werden aktuell von der WKO im "E"-Bereich forciert?
Ein prioritäres Ziel ist die Durchsetzung der Gleichstellung der elektronischen Rechnung mit der Papierrechnung, das kann enorme wirtschaftliche Vorteile bringen und ist ein aktiver Beitrag zur Erreichung der Lissabonner Ziele, hat also auch eine europäische Dimension. Für Österreich sehen Studien einen Produktivitätsgewinn von 600 Mio Euro pro Jahr, wenn circa 70% der österreichischen Unternehmen strukturierte elektronische Rechnungen verwenden.
Weiters zählen wir zu den längerfristigen Zielen, die Benutzerfreundlichkeit von E-Government-Angeboten zu erhöhen, wie auch den Nutzungsgrad bei den Unternehmen - zum gemeinsamen Nutzen für Unternehmen und öffentliche Verwaltung. Aufgrund unseres engen Kontakts zu den österreichischen Betrieben wissen wir, dass ermäßigte Gebühren für elektronische Amtswege die Nutzung von E-Government-Services drastisch erhöhen würde. Für rund die Hälfte der Mitglieder wäre das ein Anreiz, von den bekannten Papierformularen auf E-Government umzusteigen.
Auch wir selbst bieten mit der elektronischen Gewerbeanmeldung ein Service, das von den meisten Gründern sehr positiv angenommen wird. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch können alle Formalitäten direkt vor Ort erledigt werden, in dem der WK-Mitarbeiter für den Gründer die notwendigen Daten in die Datenbanken von Gewerbebehörden und künftig auch Sozialversicherung und Finanzverwaltung einträgt. Der Gründer verlässt danach die Wirtschaftskammer und hat alle nötigen Formalitäten erfüllt. Das funktioniert bereits in den meisten Bundesländern, der Vollausbau wird bald abgeschlossen sein.
Welche neuen strategischen Ziele wurden jetzt zusätzlich formuliert?
Wir beschäftigen uns natürlich auch ausführlich mit Themen, die erst mittelfristig praktische Auswirkungen bei den Unternehmen zeigen werden, hier sehen wir unsere Rolle als Wegbereiter der österreichischen Wirtschaft. Ein Bereich wird die Weiterentwicklung von Vertraulichkeit und Sicherheit der elektronischen Kommunikation sein. Konkret arbeiten wir an einem System des elektronischen Einschreibbriefes, damit Unternehmen die Garantie haben, dass ihre elektronischen Nachrichten auch wirklich ankommen.
Sehr wichtig ist uns die aktive Mitarbeit beim aktuellen Projekt des Bundes, dem Unternehmensserviceportal, damit bei diesem auch die Akzeptanz erreicht wird und der Nutzen für die Unternehmen stimmt. Weniger technisch aber nicht minder notwendig wird die Fortführung und thematische Vertiefung unseres Informationsprogramms sein, sei es bei großen breitenwirksamen WKO-Veranstaltungen, wie dem E-Day, aber auch bei kleineren spezifischen Events.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie bewegen sie sich selbst im Netz?
Ohne Internet ist effektive Arbeit heute nicht mehr vorstellbar, das ist klar. Mein Blackberry ist jederzeit dabei. Ich nutze sehr häufig Internetdienste, seien sie im E-Business oder E-Government und stehe neuen Anwendungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Entwicklung ist jedoch sehr schnell und wenn ich mir die Fortschritte von Smartphones und deren "Apps" ansehe, dann komme auch ich ins Schwitzen. Übrigens sehe ich in diesem Feld großes Potenzial für österreichische Firmen.



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