Über das Wunderding Unified Communication (UC) - sei es, um damit alle Kommunikationsformen zu vereinen, mit Videokonferenzen Reisekosten zu sparen oder effizientere Teamarbeit zu ermöglichen - wird schon lange debattiert. Nun endlich soll der wirkliche Durchbruch dieser Technologie erfolgt sein. Davon sind zumindest die Anbieter überzeugt, die reichlich in komplexe Technologien investiert haben, um selbst in heterogenen Umgebungen mit alten Telefonanlagen und Co. alles über das Internet Protokoll zu vereinen. Längst wird nun von "Unified Communications and Collaboration" gesprochen.
Diese UCC-Lösungen versprechen schlicht, der Arbeitsplatz der Zukunft zu werden. Die geballte Kommunikationslösung in einem Stück Software über eine starke Netzinfrastruktur könnte bald als Technologiesprung gewertet werden wie einst der Telegraph oder das Telefon - nur eben in virtueller Form. Denn über eine simple Oberfläche wird die komplette Sprach-, Text- und Bildkommunikation mit einem Stück Software vereint. Das Display unterschiedlichster Zugangsgeräte dient zugleich als "Projektarbeitstisch", auf dem etwa mit geteilten Applikationen zusammen gearbeitet werden kann. Und selbst teures Server-Equipment im Haus ist nicht unbedingt erforderlich, denn die Dienste werden mittlerweile schon in der "Wolke" als Internetdienst angeboten.
Ganz soweit ist es aber noch nicht. Bislang bemängelten Anwender bei den feilgebotenen "universellen" Kommunikationsplattform, dass sie eher fragmentiert seien und sich nicht immer perfekt in bestehenden Systemumgebungen integrierten ließen. Ein Großteil dieser Probleme ist nun aber gelöst.
Wachstumsmarkt

„Wir setzen im Bereich Unified Communications hauptsächlich Lösungen von Alcatel, Cisco und Microsoft ein.” Robert Ludwig, nextiraOne Österreich
Kooperationen zwischen IT-Größen wie HP und Microsoft, die im Vorjahr eine vierjährige strategische Initiative zur Entwicklung einer integrierten UCC-Lösung gestartet haben oder Cisco und salesforce.com, die auf UC-Dienste aus der Wolke (Cloud Computing) abzielen, zeigen deutlich, welche Bedeutung dieser Technologie beigemessen wird. Der Marktforscher Forrester sagt dem UCC-Markt bis 2015 eine jährliche Wachstumsrate von 35,9 % voraus. Da soll der Markt dann rund 14,5 Mrd. Dollar schwer sein. Das deutsche Analystenhaus Experton geht gar von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 46 % in der nächsten Zeit aus.
Software gegen die Krise
VoIP und vereinte Netze sind in Unternehmen nichts Neues. Aber Möglichkeiten, wie etwa gleich aus diversen Anwendungen per Mouse-Klick zu telefonieren, um rasch ein Problem zu lösen oder Lagerbestände zu checken, werden erst selten eingesetzt.
Bei den neuen UCC-Lösungen schätzen klassische Teamarbeiter besonders die Statusanzeige der Kontaktpersonen, die mühsames Telefonieren ins Leere obsolet machen. Bei Bedarf kann während einer Sprach- oder Video-Konferenz schnell unaufdringlich mit einer Instant Message eine Frage geklärt werden. All dies erfolgt per Mouse-Klick von einer übersichtlichen Oberfläche aus. Und selbst ein Monteur oder Techniker kann beispielsweise einfach per Handy-Cam seinen Kollegen ein Problem direkt vor Ort zeigen. UC bietet zahlreiche Möglichkeiten samt oft beträchtlichen Kosteneinsparungen. Ein Punkt, weswegen trotz Krise der Markt stark wächst.
Heiß umkämpfte Zukunftstechnologie
Dieses relativ neue Marktsegment ist heiß umkämpft. Nun treffen nicht mehr im VoIP-Markt Netzwerkfirmen auf Telcos, sondern Softwaregrößen auf IT-Infrastrukturgrößen. Gefragt ist nun jene Software, die den Nutzen aus den Kommunikationsnetzen zieht. In Sachen Unified Communication und Collaboration (UCC) hatte lange IBM / Lotus mit seinen Groupware-Lösungen rund um Lotus Notes und Sametime die Nase vorne.
Doch in den letzten Jahren wertete Microsoft sein Mailprogramm Outlook zu dem zentralen Posteingang für alle Kommunikationsströme auf, um rundherum eine komplette UCC-Umgebung aufzubauen. Der Office Communicator integriert alle Kommunikationskanäle samt Präsenzanzeige in die Anwendungen des Office-Umfeldes und ermöglicht Desktop-Sharing. "Derzeit gehen alle in die Richtung, den Arbeitsplatz effizienter machen", so Peter Hössl, Product Marketing Manager bei Microsoft Österreich, "wir haben schon 500 Millionen User." Die sollen nun auch für die neuen Produkte gewonnen werden.
Ende des Jahres bringt Microsoft den Communication Server 2010 mit einigen neuen UC-Features heraus und hofft damit, zahlreiche Outlook- und Exchange-Kunden überzeugen zu können. Auf der anderen Seite stehen Konzerne wie Cisco, Avaya/Nortel oder Alcatel-Lucent, die ebenfalls im Softwarebereich kräftig investiert haben, aber freilich auch versuchen, als Infrastrukturgrößen möglichst gut mit vorhandenen Groupware-Anbietern auszukommen.




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8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 