1995 startete die Wirtschaftskammer Österreich mit einem eigenen Internetauftritt unter der Adresse www.wk.or.at. Die Abteilung für Außenwirtschaft stellte einen eigenen Internetauftritt mit Namen "David" ins Netz und auch www.wifi.at ging online. Ein historischer Vergleich sei an dieser Stelle kurz gestattet: Ebenfalls 1995 schwenkte eine Firma namens Microsoft ihr Schiff auf Internet-Kurs und veröffentlichte die erste Version des Internet-Explorers und Netscape ging als eines der größten IPO an die Nasdaq.
Zur besseren Betreuung der WKO-Mitglieder im Inland wurde der Internetauftritt im Jahr 2000 neu gestaltet und bietet seitdem auf der Plattform wko.at umfassende Informationen und Services für die 400.000 Kammermitglieder. Eines der bekanntesten E-Services ist sicherlich das österreichische "Firmen A-Z", das alle Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftskammern nach Branche oder Standort gegliedert auffindbar macht. Im Service-Bereich stehen Vertragsmuster, Kollektivverträge sowie eine umfassende Förderdatenbank zur Verfügung. Um die unterschiedlichen Zielgruppen - einerseits die Mitglieder der WKO und andererseits deren Kunden in der ganzen Welt - adäquat erreichen zu können, wird die österreichische Wirtschaft auf der Plattform "AdvantageAustria.org" (http://www.advantageaustria.org) im dem Ausland vertreten.
Neben den virtuellen Services bietet die WKO gerade für ihre weniger IT-affinen Mitglieder umfangreiche Informationsveranstaltungen zu IT-Themen an: "TELEFIT", mit mehr als 40.000 Besuchern seit 1997, tourt jährlich als größte Roadshow Österreichs im ganzen Bundesgebiet und verfolgt das Ziel, Unternehmen auf den neuesten Stand betreffend IT-Trends und aktuelle IT-Lösungen zu bringen. Speziell für Informationen aus dem "E"-Bereich bietet die WKÖ jährlich den "E-Day" an. Das Programm für den vor kurzem stattgefundenen E-Day 2010 war durchaus illuster, Themen wie Online-Videos, IT-Sicherheit, E-Government oder E-Business-Recht zogen wieder viele Unternehmen zum Lernen und Netzwerken an.
Außer Service und Events für Mitglieder der WKO ist für das "Kerngeschäft" der Interessensvertretung für die österreichische Wirtschaft auch die wirtschaftspolitische Entwicklung im E-Business von Bedeutung. Hier zählt auch der E-Government-Bereich dazu, die WKO versteht sich als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Aus diesem Grund wurde 2004 das "E-Center" eingerichtet, das sich mit der Entwicklung von wirtschaftsrelevanten Policy- und Governance-Themen und von Service-Angeboten im E-Business und E-Government beschäftigt. Wichtige Themen in diesem Zusammenhang sind die Unterstützung der Entwicklung und Durchsetzung der elektronischen Rechnung (auch bekannt als E-Rechnung oder E-Billing) und der sichereren elektronischen Zustellung für die österreichische Wirtschaft. Beides Themen, die im Naheverhältnis von hoher IT-Sicherheit und den E-Government-Agenden Österreichs stehen. Verantwortlich für das E-Center der WKO ist Dr. Gerhard Laga, ausgebildeter Jurist und bereits seit 1995 mit gesellschaftspolitischen und juristischen Herausforderungen der Informationsgesellschaft beschäftigt. An Dr. Laga ist übrigens die Entwicklung der IT ad personam nachvollziehbar - vom C64-Programmierer zum passionierten Geocacher mit GPS und Online-Maps.
Um das gestalterische Moment zu forcieren, hat die WKO im Jahr 1989 den Verein AUSTRIAPRO (http://www.austriapro.at) gegründet. In diesem Netzwerk aus Unternehmen und Organisationen aus allen Bereichen werden gemeinsam offene IT-Standards für den Datenaustausch zwischen Unternehmen entwickelt. Die von AUSTRIAPRO organisierten Arbeitskreise stellen offene Foren dar. Der mit Unterstützung der AUSTRIAPRO entwickelte technische Standard für E-Rechnungen "ebInterface" liegt bereits in Version 3.0 vor und wurde gemeinsam von Softwareherstellern, Buchhaltern und Wirtschaftstreuhändern entwickelt. Laut Dr. Laga wird ebInterface künftig auch von öffentlicher Seite - sowohl vom Bund als auch von der Stadt Wien - akzeptiert werden. Weitere AUSTRIAPRO-Arbeitskreise befassen sich mit Semantic Web, E-Zustellung und E-Trade & Transport.
Interview mit Herwig Höllinger, WKO
"Elektronische Rechnung im Fokus"

Generalsekretär Dr. Herwig Höllinger
Durch den weltweiten Wettbewerb, in dem die österreichische Wirtschaft steht, ist auch deren öffentliche Vertretung gefordert, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Wie dies auch in Zukunft gewährleistet werden soll, fragte MONITOR Herrn Generalsekretär Dr. Herwig Höllinger, Verantwortlicher für die E-Strategie der WKO.

Generalsekretär Dr. Herwig Höllinger
Ende 2009 wurde die Internetplattform wko.at einem Relaunch unterzogen. Was sind die wesentlichen Neuerungen und wie werden sie von den Unternehmen angenommen?
Der inhaltliche Aufgabenbereich der WKO ist sehr breit. Um eine bessere Orientierung zu schaffen, war es uns wichtig, eine klare Trennung zwischen den Leistungen der WKO als Interessensvertretung und den sonstigen Services für Mitglieder zu erzielen.
Zusätzlich wurde ein Hilfecenter mit den wichtigsten und am öftesten gestellten Fragen der Mitglieder integriert, der Bereich der Brancheninformationen wurde verbreitert, das "Firmen A-Z" und der Marktplatz funktional erweitert und natürlich auch ein zeitgemäßes optisches Auftreten erstellt. Zur Information über unsere neue Web-Plattform haben wir auch einen aktuellen Folder aufgelegt - das sehen wir übrigens nicht old-fashioned, sondern als gezielten Medienmix zum Nutzen unserer Unternehmen. Und mit 15% mehr Zugriffen als bisher wurde der Relaunch auch gut angenommen.
Welche Ziele werden aktuell von der WKO im "E"-Bereich forciert?
Ein prioritäres Ziel ist die Durchsetzung der Gleichstellung der elektronischen Rechnung mit der Papierrechnung, das kann enorme wirtschaftliche Vorteile bringen und ist ein aktiver Beitrag zur Erreichung der Lissabonner Ziele, hat also auch eine europäische Dimension. Für Österreich sehen Studien einen Produktivitätsgewinn von 600 Mio Euro pro Jahr, wenn circa 70% der österreichischen Unternehmen strukturierte elektronische Rechnungen verwenden.
Weiters zählen wir zu den längerfristigen Zielen, die Benutzerfreundlichkeit von E-Government-Angeboten zu erhöhen, wie auch den Nutzungsgrad bei den Unternehmen - zum gemeinsamen Nutzen für Unternehmen und öffentliche Verwaltung. Aufgrund unseres engen Kontakts zu den österreichischen Betrieben wissen wir, dass ermäßigte Gebühren für elektronische Amtswege die Nutzung von E-Government-Services drastisch erhöhen würde. Für rund die Hälfte der Mitglieder wäre das ein Anreiz, von den bekannten Papierformularen auf E-Government umzusteigen.
Auch wir selbst bieten mit der elektronischen Gewerbeanmeldung ein Service, das von den meisten Gründern sehr positiv angenommen wird. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch können alle Formalitäten direkt vor Ort erledigt werden, in dem der WK-Mitarbeiter für den Gründer die notwendigen Daten in die Datenbanken von Gewerbebehörden und künftig auch Sozialversicherung und Finanzverwaltung einträgt. Der Gründer verlässt danach die Wirtschaftskammer und hat alle nötigen Formalitäten erfüllt. Das funktioniert bereits in den meisten Bundesländern, der Vollausbau wird bald abgeschlossen sein.
Welche neuen strategischen Ziele wurden jetzt zusätzlich formuliert?
Wir beschäftigen uns natürlich auch ausführlich mit Themen, die erst mittelfristig praktische Auswirkungen bei den Unternehmen zeigen werden, hier sehen wir unsere Rolle als Wegbereiter der österreichischen Wirtschaft. Ein Bereich wird die Weiterentwicklung von Vertraulichkeit und Sicherheit der elektronischen Kommunikation sein. Konkret arbeiten wir an einem System des elektronischen Einschreibbriefes, damit Unternehmen die Garantie haben, dass ihre elektronischen Nachrichten auch wirklich ankommen.
Sehr wichtig ist uns die aktive Mitarbeit beim aktuellen Projekt des Bundes, dem Unternehmensserviceportal, damit bei diesem auch die Akzeptanz erreicht wird und der Nutzen für die Unternehmen stimmt. Weniger technisch aber nicht minder notwendig wird die Fortführung und thematische Vertiefung unseres Informationsprogramms sein, sei es bei großen breitenwirksamen WKO-Veranstaltungen, wie dem E-Day, aber auch bei kleineren spezifischen Events.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie bewegen sie sich selbst im Netz?
Ohne Internet ist effektive Arbeit heute nicht mehr vorstellbar, das ist klar. Mein Blackberry ist jederzeit dabei. Ich nutze sehr häufig Internetdienste, seien sie im E-Business oder E-Government und stehe neuen Anwendungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Entwicklung ist jedoch sehr schnell und wenn ich mir die Fortschritte von Smartphones und deren "Apps" ansehe, dann komme auch ich ins Schwitzen. Übrigens sehe ich in diesem Feld großes Potenzial für österreichische Firmen.




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8/2011
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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 