„Die Situation erscheint paradox: grundsätzlich ermöglichen es externe Cloud Services der Mehrzahl der Kunden, die Sicherheit bestimmter Anwendungen und Dienste auf ein höheres Niveau als bislang zu heben“ sagt Wolfram Funk, Senior Advisor bei der Experton Group. „Da externe Cloud-Dienstleister ihre Dienste für eine Vielzahl von Kunden anbieten, verfügen sie über die Skaleneffekte, die hohe Investitionen in eine hochsichere Infrastruktur erlauben.“
Solide technische Maßnahmen zur Absicherung von Cloud Services sind wichtig und bereits heute überwiegend einsetzbar. Noch wichtiger jedoch ist die Ausgestaltung der Beziehung zum Cloud-Dienstleister und den damit verknüpften Aktivitäten, die den Rahmen für die technologische Ausgestaltung prägen. „Risikoanalysen, Service Level Agreements und Provider-Management sind mit Blick auf Cloud Security der Schlüssel zum Erfolg“, stellt Wolfram Funk fest. Die ISO 2700x-Reihe, BSI IT-Grundschutz und ITIL geben hierfür einen geeigneten Rahmen vor.
Die Experton Group hat aus diesen Gründen einen Handlungsleitfaden mit Empfehlungen und Checklisten für Cloud Security Governance, Compliance und technische Sicherheitsmaßnahmen erstellt – und das sind die zehn Regeln für eine hohe Sicherheit von extern bezogenen Cloud Services:
- Zunächst die interne Organisationsstruktur auf Vordermann bringen sowie Verantwortlichkeiten und Rollen für Informationssicherheit intern klären. Dies gilt auch für das Informationssicherheits-Management und die Steuerung (Governance) von Informationssicherheit.
- Die Verantwortung für Informations-Sicherheit insgesamt und für Koordination, Management und Qualitätskontrolle externer Dienstleister verbleibt immer im Unternehmen – auch bei extern bezogenen Cloud Services.
- Eine detaillierte Risikoanalyse für den spezifischen Cloud Service, der extern bezogen wird, sowie die zur Debatte stehenden Informationen und Prozesse durchführen. Dies schließt Compliance-Risiken mit ein.
- Ist der Business Case stimmig? Wirtschaftliche Aspekte, interne und kundenorientierte Prozessverbesserungen und weitere potenzielle Nutzeneffekte müssen den erwarteten (Rest-) Risiken gegenübergestellt werden.
- Sicherheitsarchitektur: Arbeitsteilung und Schnittstellen zwischen dem Provider und dem eigenen Unternehmen detailliert festlegen. Sind die technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen lückenlos?
- Prozesse für Reporting, Incident Management und Audits beim Dienstleister festschreiben.
- Kann der Cloud-Dienstleister die angeforderte Leistung auch tatsächlich erbringen? Hier ist auch zu hinterfragen, ob er Subunternehmer einsetzt, die zu einer (negativ) veränderten Risikoexposition führen könnten.
- Die Einhaltung regulatorischer Anforderungen durch den Provider klären und festschreiben, u.a. mit Blick auf den Umgang mit Daten und deren Speicherung in bestimmten Regionen.
- Für sicherheitsrelevante Kriterien sollen nur solche Service Level vereinbart werden, die gemessen werden können. Die vorgeschlagene Messmethode muss sorgfältig geprüft werden.
- Der Kunde muss im Vorfeld festlegen, wie die Exit-Bedingungen im Falle eines Providerwechsels aussehen. Ein „Vendor-Lock-In“ kann das Unternehmen im Ernstfall teuer zu stehen kommen.


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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 