Die Microsoft Office-Applikationen sind in den meisten Büroumgebungen fixer Bestandteil der im Unternehmen eingesetzten Software. Mit den Applikationen Word, Excel, PowerPoint etc. erzeugen Mitarbeiter einer Firma Dokumente. Die Dokumente werden ausgetauscht und dadurch irgendwann kommt es zu dem Problem, dass jeder Mitarbeiter eine unterschiedliche Version des Dokuments auf einem Rechner gespeichert hat und niemand mehr weiß, auf welchem PC sich welches Dokument befindet.
Der Techniker spricht hier auch von unstrukturierten Prozessen. Eine Versionskontrolle wäre fein. Doch damit haben die Herausforderungen einer vernetzten Bürolandschaft erst begonnen. Weitere Probleme sind unterschiedlich gewartete Kalender oder Kundendatenbanken. Letztlich geht es in einer modernen, vernetzten Büroumgebung darum, die vorhandenen Informationen, Abläufe und Mitarbeiter des Unternehmens zu verknüpfen und dadurch die Produktivität zu steigern.
Hier kommt SharePoint ins Spiel - oder auch Contentmanagementsysteme anderer Hersteller, wobei der Begriff "Contentmanagementsystem" sehr unterschiedlich ausgelegt wird. Zudem ist die Begrifflichkeit sehr schwammig: allein Microsoft bezeichnet SharePoint unter anderem als Collaboration Tool, Enterprise Content Management (ECM), Portal und Suchwerkzeug. Außerdem besteht SharePoint aus verschiedenen Technologien (siehe Kasten), was aber für das grundsätzliche Verständnis relevant ist.
Exzellente Office-Integration
Wie erwähnt gibt es auch ECM-Systeme anderer Hersteller, der Vorteil von SharePoint liegt aber in seiner "naturgemäßen" Microsoft-Office-Integration. Ein Wunsch vieler kleiner und mittelständischer Unternehmer ist fast immer, dass der Schulungsaufwand nach der Implementierung eines solchen Systems sehr gering sein soll. Bei der aktuellen Version SharePoint 2007 können die bekannten Office-Applikationen wie Microsoft Word oder Excel einfach weiterverwendet werden, die gewohnte Arbeitsumgebung (z.B. die "Ribbon"-Bedienoberfläche) wird beibehalten. Mit dem kommenden SharePoint 2010 wird auch die Applikation OneNote unterstützt.Des Weiteren müssen Anwender bloß mit Microsoft Windows und einem Web-Browser umgehen können (SharePoint ist ein so genanntes browserbasierendes Informationssystem), was natürlich den Schulungsaufwand beträchtlich minimiert. Dank Internettechnik ist auch die Integration von Macs und Linux-PCs kein Problem. Da Informationen oft in Datenbanken gespeichert werden, können diese natürlich in SharePoint eingebunden werden. Solcherart ist SharePoint die Brücke zwischen Office und Datenbanken.
Out-of-Box-Funktionalität

Screenshot einer revisionssicheren Ad-hoc- oder Workflow-Archivierung unter Microsoft Office SharePoint Server (MOSS). (Bild: Microsoft)
SharePoint hilft auch beim effizienten Gestalten und Beschleunigen von strukturierten Geschäftsabläufen (z.B. Vertragsmanagement oder Rechnungsprüfung). Hier sei angemerkt, dass Hersteller von Business-Process-Tools, z.B. IBM oder eben Microsoft, sich bei der Planung ihrer Software-Werkzeuge auch Gedanken über die Optimierung von Geschäftsabläufen machen, die dann wiederum von ihrer Software abgebildet wird. Das heißt, dass der Kunde die jeweilige Ansicht des Herstellers von effizienten Abläufen (man könnte hier auch von Unternehmenskultur sprechen) mitkauft.
Ist eine Funktionalität gewünscht, die in SharePoint nicht oder nicht in der benötigten Art enthalten ist, kann die Software dank vorhandener Programmierwerkzeuge und Schnittstellen gut erweitert werden. So gibt es z.B. von Dokumentenmanagementsystemanbietern zahlreiche Lösungen, mit denen SharePoint um entsprechende Funktionalität ausgebaut werden kann.
SharePoint hat Potenzial

Steve Ballmer auf einer Konferenz in Köln. SharePoint wird zunehmend zum Topthema für Microsoft. (Bild Microsoft)
Die Integration der weitverbreiteten Office-Anwendungen ist ebenfalls hilfreich bei der Akzeptanz von Firmen und Anwendern. Allerdings muss man auch erwähnen, dass sich Unternehmen auf Grund der sehr guten Integration der Microsoft-Technologien auch sehr stark an das Softwarehaus aus Redmond binden. Je stärker SharePoint im Unternehmen genutzt wird, um so höher wird der Preis für einen späteren Ausstieg. Andererseits wird es mit SharePoint 2010 noch einfacher, andere Technologien (von anderen Herstellern) einzubinden. Microsoft selbst erweitert laufend die Funktionalität: SharePoint 2010 wird beispielsweise die hauseigene Silverlight-Technik unterstützen.
Erwähnenswert ist auch die Duet Enterprise for Microsoft SharePoint and SAP. Damit lassen sich Lösungen entwickeln, die auf SharePoint Server 2010 und SAP aufbauen. Duet Enterprise for Microsoft SharePoint and SAP wird wie SharePoint 2010 voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2010 verfügbar sein.
SharePoint besteht aus zwei Teilen, dem Microsoft Windows SharePoint Services (WSS) und dem Microsoft Office SharePoint Server (MOSS). Bei ersterem handelt es sich um eine Webanwendung, letzteres ist ein Webportal. WSS ermöglicht die Zusammenarbeit von mehreren Benutzern (eines Teams) unter einer Weboberfläche, wobei eine gemeinsame, individuelle veränderbare Datenablage geboten wird. Versionskontrolle ist damit gewährleistet, eine Einbindung von weiteren Funktionalitäten wie E-Mail-Benachrichtigungen, gemeinsamer Kalender etc. ist möglich.
MOSS setzt auf WSS auf und bringt neue Funktionalität hinzu. Letztlich geht es bei MOSS um die Zusammenführung verschiedener Anwendungen und Daten aus nahezu beliebigen Quellen in einem Portal, also unter einer einheitlichen Weboberfläche.
Die technischen Voraussetzungen für SharePoint 2010 sind Windows Server 2008 oder Windows Server 2008 R2 mit mindestens 8 GB Speicher. Ferner benötigt man SQL Server SP3 oder SQL Server 2008 mit Service Pack 1.





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8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 