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Business Intelligence | CPM

Interview mit Markus Hassek, SAP Österreich

Neue Generation von BI-Tools

Markus Hassek, bei SAP Österreich für das Business Development zuständig, spricht im MONITOR-Interview über die Ablöse alter Tools, die Wartungsversprechen und die Vorteile, die vor allem die Business Objects-Frontends und der neue BO- Explorer bringen.

Alfred Bankhamer

Markus Hassek, bei SAP Österreich für das Business Development zuständig (Bild: SAP)

Seit der Übernahme von Business Objects(BO) im Jahr 2008 hat die SAP besonders die strategische Unternehmensplanung entdeckt. Wohin geht die Reise?

SAP hat schon ab dem Jahr 2004 - lange vor der Übernahme von Business Objects - begonnen, sich um die strategische Planung für Unternehmen zu kümmern. Dazu wurden vier Kernbereiche für Unternehmen - Governance, Risk and Compliance, Information Management, Business Intelligence und Enterprise Performance Management - identifiziert, die unter dem Begriff Business Performance Optimization laufen. Es geht dabei also um die Umsetzung der strategische Planung. Das ist freilich ein sehr großes und breites Portfolio, das stark Einzug in unsere klassisches ERP-Welt hält. Es ist in den Jahren zuvor aus Akquisitionen und Eigenentwicklung entstanden, mit denen wir unsere Kunden in ihrer normalen Geschäftstätigkeit unterstützen wollen.

Die neue Generation der BI-Tools verspricht einiges. Aber welche Anforderungen haben Kunden wirklich und inwieweit können die neuen Tools und Produkte helfen?

Zwei Sachen muss man hier zuerst erwähnen. Business Objects hat sich schon vor der Übernahme stark auf die strategische Analysetätigkeit und das Reporting spezialisiert. Es gab auch klarerweise Verknüpfungen mit der SAP-Software. Und Business Objects hatte auch immer die Prämisse, keine eigene Datenhaltung zu haben. Das ist der große Unterschied zu unseren Anwendungen. Das SAP Business Warehouse ist ein Warehouse. Was Business Objects sehr, sehr attraktiv für unsere Kunden macht, ist, dass wir jetzt in der Lage sind, auf Basis der BO-Produkte und auf Basis unserer Infrastruktur jede Benutzergruppe bedienen zu können. Das ist für uns wichtig. Wir können nun für SAP-Kunden und Nicht-SAP-Kunden das richtige Analyse- und- Reporting-Portfolio anbieten.

Für wen ist nun BI sinnvoll - was benötigen die Anwender wirklich?

Wir haben drei Kundentypen definiert. Das sind einmal die Entscheider ganz oben in der Reporting-Pyramide. Wenn irgendeine Ampel auf Rot schaltet, dann kann die markierte Kennzahl genauer angesehen werden. Hier geht es um den ganz großen Überblick, einer Cockpit-artigen Übersicht. Dazu gibt es die üblichen Dashboarding-Tools. Dann gibt es jene Gruppe - wir haben sie Analysten genannt -, die also Analysen bauen, aber auch Ad-hoc-Abfragen machen sollen. Dafür gibt es je nach Anforderung zwei, drei Tools, die aus der BO-Welt kommen. Das sind dann also die Hardcore-Nutzer, die etwa mit OLAP-Analysen auf die Datenbanken losgehen und sich ganz tief in die Daten hinein graben, um mehrdimensionale Auswertungen machen zu können. Dann gibt es noch jene Anwender, die regelmäßig ihren Report benötigen. Etwa die Verkaufszahlen aus der Region West, etc. Da kommt Crystal Reports von BO zum Einsatz. Neben dieser Gruppen kommt nun noch eine weitere. Das sind Mitarbeiter, die wenig Ahnung von Analysen und Reporting haben, aber beispielsweise für ihre Vorgesetzten schnell Zahlen besorgen sollen. Und da landen wir beim Business Explorer. Wir können also nun die ganze Pyramide des Reporting abdecken.

Der Großteil des BI-Know-how stammt von Business Objects. Aber es gibt ja auch SAP-Lösungen, die Kunden nun nicht einfach aufgeben wollen?

BO hat ein ganzes Portfolio mitgebracht, das schon diverse Integrationslösungen für SAP geboten hat. Das ist die alte Geschichte. Das gibt es schon seit zehn Jahren. SAP hat dazu auch eine eigene Datawarehouse-Strategie mit dem Business Warehouse (BW) verfolgt. Darauf setzen Werkzeuge auf, die auf das BW zugreifen, die ebenfalls Analysen und Auswertungen ermöglichen. Natürlich gibt es hier Überschneidungen.

Wohin geht nun die Reise?

Das Ziel ist - ganz einfach gesagt - die nahtlose Integration. Es geht nicht so sehr darum, ein Frontend gegen das andere auszutauschen. BO hat geniale Zugriffsmethoden auf die Daten. SAP hat geniale Zugriffsmethoden auf das BW. Die beiden Welten sollen optimal verheiratet werden. Essentielle Dinge, die bei unseren Kunden im Einsatz sind - da spreche ich etwa vom BEx Query Designer-, die werden wir sicher nicht einfach einstellen. Wir haben eine große Anzahl von Kunden, die sehr erfolgreich mit ihren bestehenden Tools sind, die ganz tief unten auf dem BW aussetzen. Wir werden nun beide Welten zusammenführen. Die Dinge, die aus der BEx-Suite für die Zugriffe auf das BW notwendig sind, werden auch weiterhin da sein. Zusätzlich gibt es für den Frontend-Bereich die Flexibilität der BO-Tools.

Von SAP kommt also eher das Backend. BO funktioniert aber auch weiterhin ohne SAP?

Es gibt viele Nicht-SAP-Kunden mit BO, auch in Österreich. Wir würden uns einen ganzen Markt wegnehmen, wenn wir die Flexibilität der BO-Werkzeuge einschränken würden.

Wieweit können SAP-Bestandskunden von neuen Produkten wie etwa dem Business Objects Explorer überzeugt werden?

Ich denke, für den Kunden gibt es zwei Argumente. Das eine liegt in der Funktionalität der BO-Tools, die in vielen Dingen wirklich überragend ist. Crystal Reports etwa: es gibt kein anderes Tool am Markt, das diesen Standard abdecken könnte. Oder der BO Explorer, der eine Funktionalität hat, die meines Wissens so niemand bieten kann. Das andere Argument ist natürlich der Integrationsaspekt.

SAP will Kunden halten und mit den neuen BO-Tools sicher neue gewinnen. Sprechen diese darauf an?

Ja, gerade dieses BI-Segment Analyse und Reporting ist jenes, das 2008 und 2009 doch sehr maßgeblich am Geschäftserfolg der SAP Österreich beteiligt war.

Inwieweit sind für KMUs BI-Suiten oder BI-Tools geeignet?

Ein mittelständisches Unternehmen hat ja nicht weniger oder kleinere Probleme als ein großes. Vielleicht sind die Aufgaben nicht so verzweigt und geografisch komplex, aber von den Geschäftsanforderungen sind sie relativ ähnlich. Nicht nur wir, sondern auch BO hat vor 2008 darauf reagiert. Wir haben eine breite Klientel im KMU-Bereich gerade deshalb, weil sich die Lösung sehr gut skalieren lässt. Wir können sehr schöne KMU-Packages schmieden.

Also jedem sein Datawarehouse?

Um ein gutes Datawarehouse auf die Beine zu stellen, bedarf es eines Projektes, das möglicherweise sehr komplex ist und einige Zeit benötigt. Es gibt aber auch einige Firmen, die nicht so komplexe Anforderungen haben. Da ist vielleicht die Historisierung der Daten nicht so ein Thema, da sollen einfach nur Analysen in Reports einfließen. Hier ist nicht unbedingt ein großes DW-Projekt erforderlich, es genügt einfach vorhandene Datenpools zu nützen. Das geht bis hin zu den kleinsten Projekten. Wir bieten auch hier Pakete an.

Eine Folge der BO-Übernahme ist, dass die SAP Business Explorer Suite samt Frontends für SAP BW nicht mehr weiterentwickelt werden sollen?

Die Grundschicht der BEx-Suite, die für die Datenzugriffe auf das Business Warehouse zuständig ist und die ganze Datenorganisation ermöglicht, bleibt erhalten. BEx umfasst aber auch eine ganze Suite mit Reporting-Möglichkeiten, Ad-hoc-Abfragen, etc. Aus unserer Sicht ist das ein ganz normaler Produktlebenszyklus, diese Produkte sind vom Frontend und der Bedienung her nicht mehr State-of-the-art. Deshalb werden einige dieser Produkte nur mehr gewartet.

Kunden wollen sich aber von aufwendigen Eigenentwicklungen nicht gerne trennen?

Das trifft vor allem beim BEx Query Designer zu. Und der wird, wie schon gesagt, erhalten bleiben. Ich habe darüber schon mit Kunden gesprochen. Die entwickelten Queries gehen sicher nicht verloren.

Analysten raten, auch wenn Verkäufer den Kunden einen Umstieg auf BO stark empfehlen, die Produkte zuvor genau anzusehen, da sich der Funktionsumfang von Bex- und BO-Produkte nicht vollständig decken und es auch andere, vielleicht passendere Best-breed-Produkte am Markt gibt?

Ich empfehle jedem Kunden und Partner sich die Sache wirklich sehr genau anzuschauen, denn ich bin überzeugt, dass der Kunde dann bei BO landen wird.

Wie will SAP hier die Kundenbindung stärken?

Wie schon gesagt, durch den funktionalen Nutzen und die Integrationsfähigkeit. Xcelsius Dashboards sind etwa durch Flashtechnologie sehr attraktiv, sehr einfach zu bauen - auch von Fachabteilungen - und sehr leicht zu bedienen. Es lassen sich nun nicht nur hochkomplexe Zusammenhänge darstellen, sondern sie schauen auch noch gut aus.

Und von der Kostenseite her?

Wir bieten nun für jede Bandbreite der Anforderungen und jedes Marktsegment Pakete an. Letztendlich folgen wird der Marktphilosophie von BO, keine funktionalen Beschränkungen zu machen, sondern eher Lizenzbeschränkungen.

Andere Anbieter werben mit ihren Best-Breed-Lösungen, die ebenfalls ausgezeichnet wurden und gute Preismodelle bieten?

SAP zeichnet sich aus, dass wir eine Vision haben, wohin es geht. Andere Anbieter sagen, Best-of Breed-Lösungen sind das Wahre. Ich sage, Best-of-breed-Lösungen sind meist ein Synonym für irgendwelche zusammengestoppelten Systeme, die nicht wirklich zusammenpassen. Mit unseren vier Bereichen verfolgen wir eine klare Vision: Unsere Vision ist das absolute Zusammenwachsen aller Komponenten mit einem Datenmodell, also wirklich eine komplett integrierte Landschaft zu haben. Da sind wir auch relativ nahe dran. Einen genauen Zeithorizont darf ich aber noch nicht nennen.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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