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SAP BI-Strategie

Der Weg ist das Ziel

Der Prozessspezialist SAP wagt sich immer tiefer in die strategischen und analytischen Unternehmensbereiche vor. Seit der Übernahme der BI-Größe Business Objects zielt der deutsche IT-Konzern auf eine integrierte Softwarelandschaft unter einem Datenmodell. In der Umbauphase müssen Kunden den besten Weg für sich erst finden.

Alfred Bankhamer

SAP Walldorf (Bild:SAP)

Im boomenden BI-Markt versuchen sich mittlerweile alle großen Softwareanbieter in der Disziplin der Analysen und des Reporting. Dabei wurde und wird der Großteil des Know-how durch Übernahmen zugekauft. SAP hat sich im Jänner 2008 mit Business Objects (BO) gleich den größten Player im BI-Markt einverleibt, der zuvor selbst noch Unternehmen wie Cartesis, Fuzzy und Inxight geschluckt hatte.

In Summe vereint SAP laut der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) nun rund 40 Werkzeuge von ursprünglich 14 Herstellern im eigenen Bauchladen. Rund 6,8 Mrd. Dollar soll SAP der BO-Deal Wert gewesen sein - ein Höhepunkt in der BI-Übernahmeschlacht. Mittlerweile teilen sich fünf Softwareriesen schon rund 70 % des BI-Marktes. Dazu zählen IBM (Cognos), Microsoft, Oracle (Hyperion) SAS und eben die BI-Größe SAP.

Für die BO- und SAP-Kunden stellen sich seitdem natürlich viele Fragen: Welche Produkte bleiben erhalten, was wird wo integriert und verbessert, was ändert sich bei den Lizenzgebühren und vieles mehr. Außerdem bietet der Markt durchaus Alternativen: SAP- bzw. BO-Kunden haben meist auch Lösungen der bereits genannten IT-Größen im Haus, die ebenfalls ihren BI-Bereich kräftig ausbauen und aktiv bewerben.

Dass selbst große Kunden ihren BI-Anbieter wechseln, kommt immer wieder einmal vor. Aber auch kleinere Anbieter bieten BI-Tools, die in Sachen Performance und Entwicklung bei Produktvergleichen sehr gut abschneiden und unter Umständen günstiger kommen. Anbieter wie beispielsweise der deutsche BI-Spezialist Cubeware werben besonders jetzt sehr aktiv um SAP-Kunden (siehe Kasten).

Best of Breed oder durchgängige Lösung?

Gartner hat zum Thema der Integration des SAP NetWeaver Business Warehouse mit dem SAP BusinessObjects BI Platform Products im November 2009 eine Umfrage bei Early-Adopters durchgeführt. Eine der Schlussfolgerungen: Erst wenn die Architektur, die Integrationspunkte und Limitierungen sowohl von SAP BusinessObjects BI Produkten und dem SAP NetWeaver BW verstanden wurden, sollten die alten SAP BEx Produkte ersetzt werden. Einmal im Einsatz, haben die Kunden die Akzeptanz und Funktionalität der BO-Tools sehr positiv bewertet.

Laut der Umfrage sorge aber die mittlerweile große Anzahl an Produkten bei den Anwendern für Verwirrung. Kritisiert wurde auch, dass nun neue, wenn auch bessere Produkte gekauft werden sollen, weil die ursprüngliche Vision von SAP NetWeaver BW und Road Map BEx verlassen wurde. SAP kontert wiederum mit der modernen Oberfläche und Funktionen wie Ad-hoc-Abfragen, die unbestritten einigen Mehrwert bringen. Bill Hostmann, Analyst bei Gartner, empfiehlt jedenfalls harte Verhandlungen beim Kauf von SAP BO-Produkten, die BEx-Produkte ersetzen sollen, da es auch einige Alternativen am Markt gebe.

„Unsere Vision ist das absolute Zusammenwachsen aller Komponenten mit einem Datenmodell.” Markus Hassek, SAP Österreich (Bild: SAP)

Natürlich handelt es sich bei dieser Umfrage um Erfahrungen von Early-Adopters. SAP arbeitet mit Hochdruck an der Integration der beiden Welten. "Unsere Vision ist das absolute Zusammenwachsen aller Komponenten mit einem Datenmodell", so Markus Hassek, bei SAP Österreich für das Business Development zuständig, "also wirklich eine komplett integrierte Landschaft zu haben. Da sind wir auch relativ nahe dran."

Andererseits ist die Schnittstellen-Problematik dank der nun deutlich offeneren Software-Architekturen nicht mehr ganz so akut. Business Objects war schon vor der Übernahme so erfolgreich, weil der BI-Spezialist nicht nur gute Produkte, sondern auch die entsprechenden Integrationstools für alle wichtigen Systeme hatte. All diese Punkte spielen bei der strategischen Ausrichtung von SAPs neuer BI-Welt eine Rolle.

Druck der Kunden

Wie sich schon öfters gezeigt hat, haben auch User-Groups oder große Kunden einiges mitzureden. Das hat sich beim Supportzeitraum der "alten" SAP-Tools wie der SAP Business Explorer Suite samt Frontends für SAP BW gezeigt. Hier bewirkte der Druck der User eine Verlängerung der Wartungszeiträume.

SAP hat die Standardwartung - um die Sache übersichtlicher zu machen - gleich für die ganze Produktfamilie bis 2015 fixiert. Sie gilt für das Business Warehouse, das ja ein Teil des Netweaver und somit wiederum ein Teil der SAP Business Suite samt all den damit verbundenen Produkten (also auch der BEx-Familie) ist. Der kostenspieligere "extended support" ist bis 2017 möglich. Wobei im Wartungsmodell angeblich noch weitere Ausweitungen zur Diskussion stehen sollen und sich auch hier alternative Anbieter andienen.

Auch bei der Preisgestaltung für das neue Starter Paket für SAP Business Objects reklamiert die DSAG für sich, eine mittelstandgerechte Lösung im Herbst 2009 im deutschsprachigen Raum erreicht zu haben. "Die Komplexität der Preismodelle und die Kombinationsmöglichkeiten mit Rabatten erschwerten es Entscheidern bislang, einen Preis für das eigene Unternehmen auszurechnen", meinte dazu Marco Lenck, Mitglied im Vorstand der DSAG. Das neue Starter Paket umfasst einen Server-Preis mit Kernfunktionalitäten und gilt bis zu 100 User. Einfache Upgrade-Pfade wurden ebenfalls eingeführt.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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