Die Auswahl der geeigneten Business-Intelligence-Software ist für ein Unternehmen ein komplexes Unterfangen. Verschiedene Aspekte müssen berücksichtigt werden, denn eine einzelne Lösung wird meistens nicht alle Anforderungen abdecken können. Das Kombinieren von Software-Lösungen verschiedener Anbieter wird als "Best-of-Breed"-Ansatz bezeichnet. Die Alternative ist, einen Anbieter einer BI-Suite zu wählen, die eine umfassende Abdeckung der benötigten Funktionen besitzt. Jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile.
Wenn es das Ziel ist, das beste Produkt mit der größten Funktionalität für den jeweiligen Geschäftsbereich zu haben, fährt ein Unternehmen mit einem Best of Breed-Ansatz für gewöhnlich besser. Dies ist ein wichtiger Aspekt, denn wie der BI Survey (www.bi-survey.com - die weltweit größte Anwenderbefragung zum Einsatz von BI-Lösungen) zeigt, sind zufriedene Anwender der Schlüssel für ein erfolgreiches Business-Intelligence-Projekt.
Es existieren jedoch auch zahlreiche Argumente für den Kauf einer Suite: meist gibt es preisliche Vorteile, der Verwaltungsaufwand ist geringer und Daten können effektiver gemeinsam von allen Anwendern genutzt werden. Weitere Vorteile von BI-Suiten sind die gemeinsamen Infrastrukturelemente mehrere Applikationen wie z. B. die Anwenderverwaltung, Datenmanagement Werkzeuge sowie ein einheitliches User-Interface, das Schulungskosten reduziert. Ein Risiko besteht darin, dass einzelne Elemente der Suite nicht den Anforderungen genügen, was Anwender davon abschreckt diese zu nutzen.
Exakte Kostenkalkulation schwierig

Barney Finucane ist Analyst des Business Application Research Center BARC. (Bild: BARC)
Best of Breed-Systeme, denen eine komplette Abdeckung der benötigten Funktionen fehlt, welche aber eine oder mehrere für Excel ausgelegt Applikationen besitzen, können auch Herausforderungen darstellen. So muss mit höheren Trainings- und Unterstützungskosten, Schwierigkeiten bei der Integration mit anderen Systemen und Datenmanagement-Problemen verursacht durch redundante Datenbestände gerechnet werden.
Fast alle Suiten der großen Software-Anbieter sind das Resultat aus Übernahmen kleinerer Anbieter von Best of Breed-Systemen. Das hat leider häufig zur Folge, dass Kunden ein Set inkompatibler Produkte verkauft wird, die durch die Umbenennung nach Übernahme des Produkts den Anschein erwecken, es handle sich um Produkte aus ein und demselben Softwarehaus. In diesen Fällen sind Argumente für technische Vorteile bei der Einführung einer Suite hinfällig, während organisatorische Argumente meist trotzdem weiter greifen.
Wichtige Kriterien
Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, ob man sich für eine Best of Breed -Lösung oder eine Suite entscheiden sollte. Es gibt jedoch einige Kriterien, die immer berücksichtigt werden sollten:
Kosten
Kosten sind ein wichtiger Faktor bei der Auswahl einer Business-Intelligence-Software. Suiten haben tendenziell geringere Lizenzkosten. Außerdem reduzieren Suiten die Komplexität der Systemwartung, da sie gewöhnlich über mehrere interne Schnittstellen verfügen und eine zentralisierte Verwaltung der Werkzeuge ermöglichen.
Best of Breed-Systeme mit spezifischen Eigenschaften und der größeren Fokussierung auf das Produktmanagement haben mehr für den Kunden zu bieten. Sie sind jedoch meist teurer. Eine Kostenaufstellung kann erforderlich sein, um zu zeigen, dass die Vorteile des Systems die höheren Einstiegskosten und den größeren Wartungsaufwand rechtfertigen.
Anbieterbeziehung
Anbieter von Business-Intelligence-Suiten besitzen häufig eine gute Verhandlungsposition gegenüber ihrem bestehenden Kundenstamm. Je mehr Produkte eines Anbieters beim Kunden eingesetzt werden, umso enger wird der Kunde an den Anbieter gebunden. Dies beeinflusst Verhandlungen, wenn der Kunde neue Module für ein vorhandenes System benötigt und wenn der Kunde beschließt, Teile oder das ganze System durch ein konkurrierendes Werkzeug zu ersetzen. Jedoch können Best of Breed-Lösungen manchmal einen Gegenpol für diese Problem darstellen, da sie dem Kunden erlauben, ein komplettes System stückweise zu ersetzen.
Schulungsaufwand
In der Best of Breed-Umgebung benötigt die IT zusätzliche Schulung, um jedes System administrieren zu können. Dies kann auch bedeuten, dass unterschiedliche Plattformen, Betriebssysteme, Datenbanken, Webserver und Programmiersprachen supported werden müssen. Die gleichen Anforderungen stellen sich dem Endanwender, für den die Nutzung der gleichen Schnittstellen für unterschiedliche Funktionen wesentlich bequemer ist. Dies ist ein weiteres gewichtiges Argument für eine integrierte Lösung.
Support
Eine Systemlandschaft in der Lösungen mehrerer Anbieter nebeneinander existieren, kann schwieriger am Laufen gehalten werden, wenn die Anbieter nicht miteinander kooperieren, sondern sich als Gegenspieler erweisen. In der Realität hat dies letztlich jedoch wenig Einfluss auf die BI-Industrie. In der Tat zeigt der BI Survey, dass es eine große Konstanz von Seiten der Anbieter in dem Bereich Support gibt.
Datenhaltung
Mit einem integrierten System, das von einem Anbieter entwickelt wurde, ist der Zugriff auf gemeinsame Daten einfacher und schneller. Jedoch bleibt es zu bezweifeln, dass ein BI-Tool an sich geeignet ist, eine einheitliche Datenstruktur aufzubauen. Der beste Weg für die Bereitstellung gemeinsam genutzter Daten ist das Ansetzen auf der Ebene des Data Warehouse und nicht der des Data Marts.
Funktionalität
Das stärkste Argument für Best-of-Breed-Lösungen ist die höhere Funktionalität. Manche Bereiche von Business Intelligence werden jedoch zunehmend vereinheitlicht, was das Argument schmälert. Dies gilt besonders für Applikationen im Bereich Planung und bei anderen Content-lastigen CPM-Applikationen.
Best-of-Breed-Anbieter stellen meist schnell Updates für kundenspezifische Anforderungen zur Verfügung. Spezialisierte Systeme besitzen einen technologischen Vorsprung, da Suite-Anbieter naturgemäß länger brauchen die komplette Suite zu überarbeiten. Aber die besten Web-Schnittstellen bieten größere Anbieter und die kleineren Anbieter haben Defizite hochskalierbare Lösungen sowohl im Bereich der Datenmengen als auch bei den Anwenderzahlen anzubieten.
Zusammenfassung
Man kann pauschal keine Empfehlung für oder gegen Best-of-Breed oder Suite-Ansätze geben. Die abschließende Entscheidung hängt von Unternehmensgröße und -kultur sowie vom Managementstil ab. Dezentralisierte Organisationen oder Organisationen, die häufig ihre Strukturen ändern, werden Schwierigkeiten haben über einen längeren Zeitraum bei einem Anbieter zu bleiben. In stabilen hochzentralisierten Organisationen sind Suiten hingegen meist einfacher beizubehalten.
Der momentane Markttrend geht bei größeren Unternehmen dahin, dass sie beginnen, integrierte Systemstrategien zu übernehmen und ihre Lücken mit Best of Breed-Systemen auffüllen. Aber die Systeme, die sie kaufen sind oftmals gekoppelte Suiten, die in der Übernahmewelle von Business-Intelligence-Anbietern bis 2007 entstanden sind. In der Tat gibt es nicht viele Optionen für wirklich komplette BI-Suiten auf dem heutigen Markt. Deshalb wird man derzeit Best of Breed-Spezialisten noch in fast jedem Unternehmen finden.




7/2011
6/2011
5/2011


