Im Nachbarland Deutschland gibt es derzeit einen Trend zu kleineren, spezialisierten IKT-Fachmessen, von denen die IT & Business in Stuttgart in der zweiten Oktoberwoche den Anfang machte. Und dieser Anfang gestaltete sich durchaus vielversprechend.
Da ist zunächst die für Aussteller und Besucher nicht ganz unwichtige Erreichbarkeit. Das Messegelände ist direkt neben Flughafen und S-Bahnhof, so dass der per Flugzeug anreisende Besucher nur rund 20 Minuten zu Fuß vom Rollfeld bis zum Messestand benötigt. Diese Angabe ist praxiserprobt und hat in Anbetracht einer um 30 Minuten verspäteten Landung schon sehr positiv gestimmt.
Es ist bei rund einer Stunde Flugzeit von Wien nach Stuttgart also auch für Besucher aus Österreich ein mit vertretbarem Aufwand einhergehender "Ausflug", der sich von Wien aus in einem Tag gut bewältigen lässt. Die Atmosphäre war denn auch ansprechend, großzügige Gänge und Freiflächen sowie gute Ausleuchtung sind sehr angenehm aufgefallen.
ERP und CRM im Fokus
Die Messe hatte einen deutlichen Schwerpunkt auf die Bereiche ERP und CRM gelegt - und Aussteller aus dieser Gruppe zeigten sich mit den Kontakten sehr zufrieden. Hier gab es Lob für die Veranstaltungsleitung, die es geschafft hatte, das gewünschte Zielpublikum der IT-Entscheider mit den Kommunikationsmaßnahmen im Vorfeld anzusprechen. Laut Aussage eines Ausstellers sind die Kosten pro Lead auf diese Weise um etwa 50% niedriger anzusetzen als bei vergleichsweise großen IKT-Messen.
"Die Besucherzahl war hervorragend. Wir haben zahlreiche, sehr fundierte Gespräche geführt. Das Messekonzept, die Fokussierung auf Fachbesucher, sollte unbedingt weiterverfolgt werden. Auch die Infrastruktur war sehr gut und das Hallenambiente ausgesprochen ansprechend", meinte beispielweise Christine Pitz, zuständig für Marketing beim ERP-Anbieter Ordat.
Etwas differenzierter die Einschätzung bei den Anbietern anderer Business-Applikationen: Es regte sich leise Kritik an der Medienarbeit, die sich zu sehr auf KMU konzentriert und andere Zielgruppen wie Kommunen oder Großkonzerne zu wenig angesprochen habe.
Dazu Nadja Nitzge, Marketing Manager beim Desaster-Recovery-Spezialisten Libelle: "Auch wenn die Messe noch in den Kinderschuhen steckt, ist die IT & Business eine interessante Plattform. Die Mischung aus Fachforen und Ausstellung ermöglichte Wissenstranfer und Lösungskompetenz an einem Ort."
Zu enge Terminplanung
Bei allen Ausstellern sorgten die Termine der neuen Messeformate für Herausforderungen, denn innerhalb von drei Oktoberwochen gab es nicht weniger als drei neue Events: außer der IT & Business noch die ITSA in Nürnberg und auch die Discuss & Discover in München. Doch das wird sich auch im kommenden Jahr nicht ändern: Die ITSA in Nürnberg macht den Anfang vom 19. bis 21.10., die IT & Business in Stuttgart folgt vom 26. bis 28.10.2010. Die für einige potentielle Aussteller durchaus sinnvolle Teilnahme an beiden Veranstaltungen wird somit nahezu unmöglich gemacht - bedauerlich für beide: Aussteller und Messeveranstalter.
Es wird spannend bleiben, wie sich der neue Trend und die neuen Veranstaltungen in der Zukunft entwickeln. Besonders die Entwicklung im österreichischen Markt wird sorgfältig beobachtet, denn hier ist durch den Ausfall der ITnT ein Vakuum entstanden, das zu füllen sowohl für die deutschen Veranstaltungen als auch natürlich für das neue Format Cross Con in Wien neue Potentiale bereithält.
Erfolgreiche Premiere
Und wie beurteilt man beim Veranstalter die Premiere der neuen IT & Business? MONITOR sprach darüber mit Florian Pflieger, Projektleiter IT & Business, Messe Stuttgart.
Wie war Ihr Eindruck von der Messe?
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat die IT & Business eine erfolgreiche Premiere gefeiert. Mit 312 Ausstellern lagen wir rund 20 % über den geplanten Ausstellerzahlen. Die klare Mehrheit der Fachbesucher hat unser fokussiertes Konzept bestätigt und unsere Partner sind davon überzeugt, dass sich die IT & Business etablieren wird.
Die ITnT inWien wird 2010 durch die neue Veranstaltung Cross Con ersetzt. Sehen Sie dadurch für die Messe Stuttgart erhöhte Chancen, Besucher und Aussteller aus Österreich beziehungsweise Osteuropa anzusprechen?
Mit ihrem klaren Fachmessekonzept konnte die IT & Business eine Lücke bei den bestehenden IT-Messen füllen. Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und die Messe Stuttgart mit ihrer optimalen Verkehrsanbindung bieten sich als Plattform für die IT-Branche an, die auch Besucher aus Österreich und den angrenzenden Ländern anzieht.
Wie ist die thematische Ausrichtung für 2010 geplant?
Unsere Kernthemen sind Business-Software und -IT für den Mittelstand. Im ERP-Bereich konnten wir ein nahezu vollständiges Angebot abdecken, beim Thema MES haben wir uns vom Start weg in der Spitze deutschsprachiger Fachmessen etabliert. Sehr gefragt waren zudem CRM, IT-Sicherheit, IT-Infrastruktur, BPM und DMS, wobei wir hier auf der Angebotsseite noch zulegen werden, da Anbieter dieser Bereiche vom themenübergreifenden Ansatz der Messe stark profitieren. Ausbauen werden wir auch das Programm in den Fachforen: die 72 Vortragsslots in den beiden Foren Business Software und IT-Infrastruktur wurden von rund 2.000 Teilnehmern besucht hier denken wir über weitere Foren nach.
Im Gespräch mit MONITOR kritisierten einige Aussteller die zu regional ausgerichtete Besucherzielgruppenansprache in den Medien. Wird es hier 2010 Änderungen geben, zum Beispiel auf Österreich bezogen?
Wir sprechen die IT-Verantwortlichen und Entscheider im gesamten deutschsprachigen Raum, d.h. in Deutschland, Österreich und der Schweiz, an. Für 2010 werden gezielte Kommunikationsmaßnahmen in Print- und Onlinemedien den Imageaufbau in Österreich weiter vorantreiben.
Mit 81 % Fachbesuchern aus KMUs haben unsere Aussteller die Kernbesucherzielgruppe der IT & Business, den Mittelstand, bereits sehr gut erreicht. Beim Blick auf den ausländischen Besucheranteil war Österreich am stärksten vertreten. Dies ist Bestätigung und Ansporn zugleich, die IT & Business in diesem interessanten Zielmarkt weiterhin umfassend zu kommunizieren.




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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 