Das Thema Sicherheit gehört zum Internet wie das Amen in der Kirche und ITK-Fachmedien berichten seit Jahren regelmäßig und ausführlich über die entsprechenden Problemfelder. Doch kommen diese Botschaften beim Leser auch an? Haben sich die persönliche Einschätzung und das persönliche Verhalten im Internet in den letzten Jahren gewandelt? Eben dieser Frage, der Frage nach dem möglichen Bewusstseinwandel in Sachen Datenschutz, sind in den letzten Monaten einige Studien nachgegangen. Hier ist beispielsweise die Online-Wellbeing-Studie des finnischen Sicherheitsunternehmens F-Secure zu nennen, die immerhin über 2000 User in acht Ländern weltweit zu deren gefühlter Datensicherheit befragte. Deren Ergebnis in Kürze: Die Mehrheit der Eltern ist besorgt über die Sicherheit ihrer Kinder im Internet und nur 6 % der Anwender fühlen sich sicher, wenn sie im Web mit Kreditkarte einkaufen. Allerdings legt diese Studie ihr Hauptaugenmerk auf den anglosächsischen Raum und wirft zudem Österreich und Deutschland in einen Topf.
Ein weiteres Beispiel entsprechender Studien liefern Microsoft und das Deutsche Digital Institut. Die beiden wollten, durchgeführt von den Meinungsforschern von TNS Infratest, wissen, wie sich die subjektive Einschätzung der Nutzer zum Thema Datensicherheit derzeit präsentiert. Zwar wurde diese Studie nur dezidiert für den deutschen Markt erhoben, ist aber laut Rudolf Greinix, Senior Consultant bei der Agentur Pleon in Wien, durchaus auch für den österreichischen Markt relevant. Das Fazit hier in Kürze: "Die Einstellung zum Datenschutz ist grundsätzlich entspannter geworden, User fühlen sich zumindest bei öffentlichen Institutionen und Datenschützern recht gut aufgehoben und die Sorgen kreisen heute eher um den Missbrauch aus wirtschaftlichen Gründen", fasst Jo Groebel, Direktor am Deutschen Digitalen Institut, die Ergebnisse zusammen.

„Der Schritt zum gläsernen Menschen, die Schreckvision früherer Zeiten, wird also von den Betroffenen selber umgesetzt.“ - Gerhard Gröschl, Sicherheitssprecher von Microsoft Österreich
Interessanterweise ist dabei das Datenschutzgefühl vom Kulturkreis abhängig. Während Barack Obamas größte Bedenken dem Thema Sex im Internet gelten und er die Darstellung von Gewalt oder auch Datenmissbrauch eher weniger bedenklich findet, gilt Bundespräsident Heinz Fischers Sorge eher etwaigem Datenmissbrauch und der Gewalt im Internet, das Thema Sex tangiert ihn weniger.
Sicherheit ist Typsache
Für den Raum Österreich-Deutschland hat die Microsoft Studie dann drei unterschiedliche Nutzertypen ausgemacht. Das sind zunächst die so genannten "generell Unbesorgten". 37 % der immerhin deutlich über 1000 von TNS Infratest Befragten geben bereitwillig persönliche Daten preis, decken ihren Informationsbedarf unbekümmert online, zahlen in Online-Shops mit Kreditkarte und sehen die Verantwortung bei sich selbst. Das World Wide Web erscheint ihnen groß und anonym genug, um vor einem Missbrauch gefeit zu sein.
29 % lassen sich als "kritisch Abwägende" beschreiben. Sie halten die Preisgabe von Persönlichen Daten für leichtsinnig, kalkulieren Nutzen und Risiko des Online-Verhaltens, erwarten ein hohes Maß an Datenschutz und sehen die Verantwortung bei Institutionen. Dieser Typus hört beispielsweise Musik über Livestream, statt sich bei einem Anbieter anzumelden und Titel herunterzuladen.
34 % gelten als "grundsätzliche Skeptiker". Sie hegen schwere Bedenken bei der Weitergabe von persönlichen Informationen, hier haben Online-Medien einen schweren Stand, sie befürchten bewussten Missbrauch. Eine Social Community oder einen Chatroom suchen Skeptiker höchst selten auf. Und dennoch halten sie das Internet, zum Beispiel für Online-Banking, für nützlich.
Interessant ist hier laut Groebel vor allem, dass - nach bald 20 Jahren Internet - an die Stelle einer ehemals vorrangig demografischen und bildungsabhängigen Einstellung zum Thema Datensicherheit zunehmend eine eher Nutztypenabhängige getreten ist. "Die generationsabhängige Einschätzung der Risiken im Internet spielt natürlich noch eine große Rolle, aber sie nimmt kontinuierlich ab", so Groebel.
Vertrauen in Staat, Shops und Banken
Im Internet geben die Anwender ihre persönlichen Daten an unterschiedliche Akteure weiter - sei es beim Online-Shopping, bei Bankgeschäften oder der Teilnahme an Foren und Blogs. Das mit Abstand höchste Vertrauen genießen hierzulande die Banken. Knapp zwei Drittel der Internetnutzer würden den Geldinstituten persönliche Informationen anvertrauen, jeweils knapp die Hälfte auch Behörden und Online-Shops.
Bei der Frage nach der Einschätzung des Umgangs mit sensiblen Daten ist das Vertrauensniveau etwas niedriger. Auch hier genießen die Banken mehrheitlich ein gutes Ansehen. 59,8 % sind der Meinung, dass die Geldinstitute sehr sorgfältig mit persönlichen Daten umgehen. Ein Drittel traut Staat und Behörden diese Sorgfalt zu und ein Fünftel nannte Online-Shops. Schlusslicht bei dieser Bewertung sind Online-Netzwerke. Nur 8,5 % der Befragten sprechen diesen ihr Vertrauen aus. Bei den regelmäßigen Besuchern dieser Netzwerke ist mit 13 % das Vertrauen etwas höher.




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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 