Sogenannte Strings sind die Grundlage des Universums und ihre Beschreibung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur einheitlichen Weltformel, so die Meinung vieler Physiker und Kosmologen. In den Augen des renommierten Physikers Lee Smolin ist aber gerade die Stringtheorie zu einem Problem geworden. Es gibt keinen Fortschritt mehr in unserem Verständnis der Naturgesetze, seit sie die Phantasie der Öffentlichkeit beflügelt und zahlreiche Institute auf der ganzen Welt beschäftigt. Der ehrgeizige Versuch der Physiker, mithilfe der Strings eine "Theorie von allem" zu formulieren, die sämtliche Teilchen und Kräfte unseres Universums zu erklären vermag, hat nämlich einen großen Haken: Sie lässt sich nicht empirisch überprüfen.
Smolin erklärt in seinem provozierenden Buch, dass sich die Physik auf Grund ihrer Fokussierung auf die Stringtheorie in der Krise befindet. Dabei bietet er neben einer verständlichen Darstellung dieser Theorie auch einen Blick in die Zukunft einer wichtigen Grundlagenwissenschaft und führt aussichtsreichere physikalische Forschungsgebiete, andere neue kosmologische Spekulationen und Forscher an, unter denen sich der Einstein des 21. Jahrhunderts befinden könnte.
Lee Smolin: Die Zukunft der Physik. Probleme der String-Theorie und wie es weiter geht. DVA, 2009
Am 22. August 2006 wurden in Madrid die Fields-Medaillen übergeben, eine Art Nobel-Preis für Mathematik. Alle warteten gespannt auf Gregorij Perelman – doch der kam nicht. Dabei hatte er eines der schwierigsten mathematischen Rätsel aller Zeiten gelöst: die Poincarésche Vermutung. Das russische Genie, das Haar und Fingernägel ungeschnitten trägt, verzichtete auch auf das Preisgeld von einer Million Dollar. Ihm reichte, dass der Beweis stimmt.
In seinem lebendig und verständlich geschriebenem Buch zeichnet der Mathematiker Donal O’Shea die Geschichte der Poincaréschen Vermutung von ihren Grundlagen bei Pythagoras bis zur Lösung nach. Er schildert Leben und Arbeiten der größten Mathematiker von Gauß über Riemann bis Perelman und gibt einen faszinierenden Einblick in die Wissenschaft und die Menschen, die sie betreiben. Die Lektüre dieses Buches veranschaulicht, wie atemberaubend und spektakulär Perelmans Beweis der Poincaréschen Vermutung für die (Fach-)Welt ist.
Donal O’Shea: Poincarés Vermutung. Die Geschichte eines mathematischen Abenteuers. S. Fischer Verlag, 2009
Einst als junger Mann hat Konrad Zuse den ersten Computer der Welt gebaut. Beflügelt von seiner platonischen Fernliebe zu Ada Lovelace, der Tochter Lord Byrons, hat er am heimischen Wohnzimmertisch mit handgesägten Einzelteilen wahre Wunder vollbracht. Inzwischen ein alter Herr, spricht Zuse – während er den Festakt zu seinem vierzehnten Ehrendoktorhut schwänzt – mit einem jungen Journalisten, in einer Vollmondnacht im Juli 1994. Er erzählt von seiner Arbeit in Nazideutschland und von der dramatischen Flucht mit seinem Gerät in den letzten Kriegstagen aus Berlin nach Bayern. Je mehr er redet, desto freier fühlt er sich, von seinen Niederlagen und Erfolgen zu berichten, seine Ansichten über Gott und die Welt auszupacken und seine leidenschaftliche Liebe zu Ada Lovelace zu beichten. Er phantasiert, lamentiert, triumphiert und kommt nicht los von dem Gedanken, etwas Faustisches in sich zu haben.
Friedrich Christian Delius erzählt in diesem Roman, wie alles anfing mit der Computerei: vom Beginn des digitalen Zeitalters in einer kleinen Wohnung in Berlin-Kreuzberg bis in die Gegenwart. Die Erfindung des Computers – und die Erfindung einer unmöglichen Liebe.
Friedrich Christian Delius: Die Frau, für die ich den Computer erfand. Rowohlt, 2009
Mit außergewöhnlichen Metaphern in Wort und Bild gelang es Fritz Kahn, komplexe Prinzipien in Natur und Technik gemeinverständlich begreifbar zu machen. Der Berliner Arzt und Naturwissenschaftler wurde in den 1920er Jahren durch die Buchreihe „Das Leben des Menschen“ zum internationalen Bestsellerautor. Als Jude von den Nazis verfolgt, gelang Kahn nur knapp und mit Hilfe seines Freundes Albert Einstein die Flucht aus Europa. Er emigrierte nach New York, wo er seine Karriere fortsetzen konnte.
Kahn, dessen Mensch/Maschine-Metaphern bis heute Kreative in aller Welt zu Interpretationen anregen, fesselte seine internationale Leserschaft vor allem durch eine wunderbare Bildwelt, durch erklärende illustrierte Analogien, die er in eigenen Ateliers anfertigen ließ. Die besten Abbildungen aus den Themengebieten Mensch und Maschine, Arbeit, Maß, Natur und Wissenschaft haben die Autoren im Buch zusammengetragen. Dabei bestechen die mitunter über achtzig Jahre alten Motive durch visionäre Kraft und Stilvielfalt, spiegeln die technische und kulturelle Entwicklung der industriellen Moderne wider, gelten als Pionierleistungen des Informationsdesigns – und verblüffen mitunter durch absurden Witz: Um etwa die Menge an Lebensmitteln darzustellen, die ein Mensch in siebzig Jahren zu sich nimmt, ließ Kahn einen voll beladenen Güterzug in einen geöffneten Mund fahren.
Für ihre Monografie recherchierten Uta und Thilo von Debschitz nach Spuren des Weltbürgers Kahn in internationalen Archiven. Durch Gespräche mit seinem 85-jährigen Sohn Emanuel Kahn, einem gebürtigen Berliner mit New Yorker Wohnsitz, brachten sie außerdem viele Informationen zum Privatmenschen Fritz Kahn in Erfahrung. Dieser verlor als jüdischer Arzt und Autor nach der Machtergreifung Hitlers seine Existenzgrundlage, seine bis dahin gefeierten Bücher wurden öffentlich verbrannt und landeten auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. Seit dieser Zeit geriet Fritz Kahn in Europa weitgehend in Vergessenheit.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 