Die Stände der Aussteller bemannen Vertreter von Banken, Spieleherstellern, Elektronikgiganten und e-Government-Lieferanten. Zu kaufen gibt es nichts; die Aussteller sind auf der Suche nach Spezialisten für Software Engineering, Medientechnik, Embedded Systems, Bio-Informatik und mobile Computing. Gefeiert wird auf der FH>>next die glänzende Integration von Forschung, Lehre und Industrie des Softwareparks Hagenberg.
Letzte Woche fand die FH>>next zum vierten Mal statt. Trotz Wirtschaftsflaute war die Stimmung optimistisch. Studenten und Absolventen der Fachhochschule Hagenberg trafen auf Ex-Absolventen, Profis aus dem Softwarepark, Personalisten von großen und kleinen Unternehmen, und auf potentielle Chefs und Kollegen. Eine Handvoll Aussteller waren aus Deutschland. Der Vertreter der xaitment GmbH kam sogar direkt aus den fernen USA zur Messe. Über Firmengrenzen und Broschürentische hinweg wurde ausgelassen begrüßt, getratscht, genetzwörkt und gebalzt.
Die Studenten von der Fachhochschule können es sich leisten wählerisch zu sein. Welche Firma hat die interessantesten Projekte für Diplomarbeiten? Wer traut jungen Entwicklern etwas zu? Wer bietet Herausforderungen, Mutproben, Auslandseinsätze? Welche Firma kann am überzeugendsten demonstrieren, dass sie ihre IT und ihre ITler ernst nimmt?
Die Chance nutzen
Fabian Schmied und Matthias Görtler bemannten den Stand des E-Governmentherstellers rubicon, auf der Suche nach Hagenberger Software Engineers. Vor zwei Jahren, auf der FH>>next07, stand Matthias Görtler noch auf der anderen Seite des Broschürentisches, als Student des Studiengangs "Software Engineering". Fabian Schmied, selbst ein Absolvent der Fachhochschule, heuerte ihn zunächst als Diplomand an; auf der FH>>next09 wirkte Görtler bereits als Kollege und Verstärkung auf rubicons Stand. Geschichten wie diese sind nicht ungewöhnlich - so soll das Modell Hagenberg funktionieren.
Überraschend hoch ist der Frauenanteil. Die Software-Industrie ist berüchtigt für ihre niedrige Quote an Technikerinnen. Laut Heinz Dobler, Studiengangsleiter für Software Engineering, liegt die Frauenquote im Mittel bei 25%, besonders beliebt bei Damen sind "Medientechnik und Design" und "Kommunikation/Wissen/Medien". Heinz Doblers eigener Studiengang, Software Engineering, liegt mit immerhin 15% gut im Mittelfeld.
Bettina Resl ist Absolventin der Fachhochschule (Jahrgang 2000, MTD) und war zum zweiten Mal auf der FH>>Next. Ihr Arbeitgeber - Realtime Technology (RTT) AG - ist spezialisiert auf 3D-Echtzeit-Visualisierungstechnologien. Daher war Frau Resl auf der Suche nach Absolventen des Studiengangs Medientechnik und -Design und Software Engineering. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Absolventen der Fachhochschule gemacht. Nach der Messe bekommen wir viele qualifizierte Bewerbungen; wir sind auch nächstes Jahr sicher wieder dabei."
Jobkrise?
Laut Heinz Dobler gab es 2008 96 Aussteller, dieses Jahr aber nur knapp über 60. Der Wirtschaftsflaute kann der Studiengangsleiter aber auch eine positive Seite abgewinnen. Von 2002 bis 2008 ging die Zahl der Bewerber für Studienplätze zurück, besonders für die sehr technischen Hardcore-Studiengänge wie "Embedded Systems" und "Hardware-Software-Design". Aber unter dem Eindruck schlechter Zeiten gab es 2009 deutlich mehr Interessenten, besonders beim berufsbegleitenden Angebot. "Der Trend ist klar: mehr Engineering", erklärt Dobler, und: "Der Schritt zu einer guten, praktischen Ausbildung ist eben besonders jetzt sehr wichtig und sehr vernünftig."
Petra Affenzeller, Organisatorin der FH>>next: "Für 2010 sind Neuerungen geplant. Solange die Nachfrage der Unternehmen ungebrochen ist, wird es die Jobmesse in unserem Haus geben."



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 